Nürnberger Projekt soll Diabetes bei Neugeborenen verhindern

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13.11.2017, 05:53 Uhr
Felix war das erste Baby, das in Bayern untersucht wurde. Kinderarzt Dr. Wolfgang Landendörfer hat dem Kleinen dafür ein bisschen Blut abgenommen — und seine Mutter Eva Ohmayer hofft, dass der Test zeigt, dass ihr Sohn kein erhöhtes Diabetes-Risiko hat

© Silke Roennefahrt Felix war das erste Baby, das in Bayern untersucht wurde. Kinderarzt Dr. Wolfgang Landendörfer hat dem Kleinen dafür ein bisschen Blut abgenommen — und seine Mutter Eva Ohmayer hofft, dass der Test zeigt, dass ihr Sohn kein erhöhtes Diabetes-Risiko hat

Das Projekt "Freder1ck", das vor wenigen Tagen in fünf europäischen Ländern an den Start gegangen ist, hat ein ambitioniertes Ziel: "Wir wollen eine Welt ohne Typ-1-Diabetes", sagt Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum in München.

Um das zu erreichen, wollen die Forscher in einem ersten Schritt jene Kinder ermitteln, die zu einer Risikogruppe gehören. Mit Hilfe eines simplen Bluttests lässt sich feststellen, ob das Risiko, dass sie die Autoimmunerkrankung entwickeln werden, größer als zehn Prozent ist. Zum Vergleich: In der "normalen" Bevölkerung erkranken nur vier von 1000 Menschen, das Risiko liegt also bei 0,4 Prozent. 

"Wir wollen das Immunsystem trainieren"

Anders als bei Diabetes Typ 2 spielen Ernährung und Bewegungsmangel beim Ausbruch der Krankheit keine Rolle. Bei Kindern mit Diabetes Typ 1 sei vielmehr die Immunreaktion gegenüber dem körpereigenen Insulin gestört, so Ziegler. "Ihr Immunsystem hat nicht gelernt, das Insulin als zum Körper gehörend zu erkennen und bekämpft es fälschlicherweise."

Genau hier setzt ihre Studie an. "Wir wollen dem Immunsystem antrainieren, dass es das Insulin erkennt", erklärt die Professorin. Dazu sollen Kinder, die der Risikogruppe angehören, Insulinpulver einnehmen. Ziegler vergleicht das Prinzip mit der Desensibilisierung, die bei Allergien angewendet wird. "Der Körper soll lernen, dass Insulin etwas Gutes ist." 
Deshalb sollen die betroffenen Kinder in der Studie möglichst schon in den ersten Lebensmonaten Insulin bekommen. Ob sie zur Risikogruppe gehören, stellt der Bluttest fest, der, wenn die Eltern zustimmen,  im Rahmen des üblichen Neugeborenenscreenings in den Geburtskliniken gemacht werden kann.

Der Test kann aber auch von jedem Kinderarzt spätestens mit der Vorsorgeuntersuchung U4 durchgeführt werden. Nur wenn der Bluttest ein hohes Risiko ermittelt hat, werden die Eltern gefragt, ob sie an der weitergehenden Studie teilnehmen und ihrem Kind bis zum dritten Geburtstag das Insulin geben möchten. Dann sollte das Immunsystem gelernt haben, das Hormon zu erkennen, hofft Ziegler, die in der Studie die große Chance sieht, den Ausbruch Krankheit künftig zu verhindern. "Es ist für uns ein historischer Moment." 

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