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Pannen und Fehler: Zwischenbilanz für Corona-Warn-App fällt mager aus

Infektionsrisiko wurde bei vielen Nutzern nicht richtig angezeigt - 04.08.2020 16:08 Uhr

Die Risiko-Ermittlung ist das Herzstück der Warn-App. Und genau hier offenbarte die Software Schwächen.

© Oliver Berg, dpa


Betrachtet man die Zahl der Downloads, ist die Corona-Warn-App ein Erfolg: 16,6 Millionen Mal wurde sie laut Robert-Koch-Institut bisher heruntergeladen. Schon nach einer Woche hatten genug Menschen die Software auf ihren Smartphones installiert, um ihren Nutzen zu gewährleisten. Dafür ist laut einer Studie aus Oxford eine Beteiligung von mindestens 15 Prozent der Bevölkerung nötig.

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Doch bereits in den ersten Tagen nach der Einführung Mitte Juni gab es vor allem negative Nachrichten. Die App ließ sich auf älteren Smartphones nicht herunterladen, auch bei Modellen des chinesischen Herstellers Huawei gab es Probleme. Außerdem war das Programm nur auf Deutsch verfügbar, wer der Landessprache nicht oder nur eingeschränkt mächtig ist, blieb außen vor.

Warnungen vor möglichen Infektionen blieben aus

Ende Juli wurde dann der bisher größte Patzer bekannt: Die Risiko-Ermittlung, das Herzstück der Software, warnte nicht alle Nutzer vor einer möglichen Infektion. Nur wer die App regelmäßig aktiv geöffnet hatte, bekam Benachrichtigungen; wer die Anwendung dagegen nur im Hintergrund laufen ließ, ohne sie anzuklicken, wurde in vielen Fällen nicht über ein mögliches Infektionsrisiko unterrichtet.


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Das Problem ist nun behoben, versichern der Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom, die für die Entwicklung verantwortlich zeichnen. Wichtig: Handybesitzer müssen sich die aktuellste Version 1.1.2 (Apple iOS) und 1.1.1 (Android) der Warn-App herunterladen oder diese per Update auf den neuesten Stand bringen. Auch das Betriebssystem des eigenen Smartphones sollte, egal ob Android oder iOS, auf dem neuesten Stand sein. Nur dann läuft die Hintergrundaktualisierung automatisch. Sie ermöglicht es, dass die App Warnungen über ein mögliches Infektionsrisiko auch anzeigt. Damit die Warn-App zuverlässig arbeitet, sollten Nutzer überprüfen, ob die Hintergrundaktualisierung in den Einstellungen aktiviert ist.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch selbst Abhilfe schaffen und die App jeden Tag einmal öffnen. Wichtig ist, dass man dafür 24 Stunden wartet, sonst funktioniert die Aktualisierung nicht. Den Tipp hatten Entwickler nach Bekanntwerden des Problems selbst bereitgestellt.

App auf Arabisch und Russisch

Auch in die Alltagstauglichkeit für verschiedene Nutzergruppen kommt Bewegung: Bisher gibt es die Warn-App auf Deutsch, Englisch und Türkisch. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) kündigte nun auch Versionen in Arabisch, Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch und Russisch an, die Entwicklung laufe bereits. Bisher hat die Software mehr als 20 Millionen Euro gekostet, bis zu 70 Millionen sind für den weiteren Betrieb kalkuliert.

Die Corona-Warn-App soll helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Dafür werden ständig anonyme Codes mit anderen Nutzern via Bluetooth Low Energy ausgetauscht. Anfängliche Datenschutz-Bedenken sind inzwischen größtenteils zerstreut, Experten loben den Aufbau der App in dieser Hinsicht.

Wenn es eine Begegnung mit jemanden gab, der später positiv auf das Coronavirus getestet wurde, soll das Handy den Besitzer informieren. Außerdem kann die App dazu beitragen, dass Menschen nach einem Test schneller ihr Ergebnis erhalten. Wichtig ist, dass Bluetooth auf dem Smartphone aktiviert ist - sonst funktioniert die Risiko-Ermittlung nicht. Nutzer sollten also darauf achten, die Einstellungen nicht zu ändern und nicht den Flugmodus zu aktivieren, wenn sie unterwegs sind.

Plattform für Warn-Apps verschiedener Staaten geplant

Ein weiteres großes Manko könnte bald ebenfalls behoben sein. Bisher funktioniert die App nur in Deutschland. Die Deutsche Telekom und SAP sollen für die EU-Kommission nun eine Warn-Plattform bauen, die Corona-Apps verschiedener Staaten miteinander vernetzt. Man könne bestätigen, dass der Auftrag der EU-Kommission "kurz vor Abschluss" stehe, sagte ein Telekom-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Gerade im Urlaub dürfte eine solche Plattform für Reisende von großem Wert sein.


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jru, dpa

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