Neue Zahlen

RKI und Divi erklären: So viele Ungeimpfte landen wirklich auf der Intensivstation

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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17.1.2022, 19:47 Uhr
Aktuelle Zahlen ergeben: Fast zwei Drittel der neuaufgenommenen Corona-Patienten auf Intensivstation sind ungeimpft.

© Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa Aktuelle Zahlen ergeben: Fast zwei Drittel der neuaufgenommenen Corona-Patienten auf Intensivstation sind ungeimpft.

Ungeimpfte haben im Dezember 2021 und Januar 2022 den überwiegenden Anteil an Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen ausgemacht. Dies geht aus einer Pressemitteilung von RKI und DIVI hervor.

Seit Mitte Dezember wird von allen Coronapatienten bei der Einlieferung der Impfstatus der jeweiligen Person erfragt. Diesen melden die Intensivstationen anonymisiert an DIVI und RKI.

62 Prozent der Corona-Intensivpatienten waren ungeimpft

Zwischen dem 14. Dezember 2021 und dem 12. Januar 2022 lag der Impfstatus für 8.912 COVID-19-Aufnahmen vor, das entspricht etwa 90 Prozent der in diesem Zeitraum übermittelten Fälle (9.946). Fast zwei Drittel (62 Prozent, 5.521 Fälle) aller Neuaufnahmen auf Intensivstationen mit bekanntem Impfstatus waren demnach ungeimpft.

Rund 9,6 Prozent (856 Fälle) waren nicht vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Sie waren entweder genesen ohne Impfung oder nur zum Teil immunisiert. Über ein Viertel der Intensiv-Aufnahmen (28,4 Prozent, 2.535 Fälle) hatte einen vollständigen Impfschutz, sprich eine doppelte Impfung oder Booster. Der Anteil mit Boosterimpfung lag bei etwa 5,8 Prozent (520 Fälle).

Wirksamkeit der Impfung kann mit den Daten nicht beurteilt werden

Die Ergebnisse dieser neuen Erhebungsmethode werden in Zukunft auch im COVID-19-Wochenbericht des RKI ab dem 21. Januar 2022 veröffentlicht. RKI und DIVI weisen jedoch darauf hin, dass die Daten in dieser Form nicht geeignet sind, um die Wirksamkeit der Corona-Impfung zu beurteilen. Dafür müssten die oben genannten Zahlen mit der Entwicklung der allgemeinen Impfquote in Deutschland ins Verhältnis gesetzt werden.

Derzeit sind laut RKI 74,8 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, 72,2 Prozent der Bevölkerung haben eine doppelte Impfung erhalten. Geboostert sind in Deutschland bislang 44,2 Prozent der Menschen. So relativiert sich der vermeintlich hohe Anteil an Geimpften, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, dadurch, dass eine viel größere Zahl an Menschen in Deutschland mittlerweile geimpft ist.

Mit oder wegen Corona auf der Intensivstation?

Bei der Auswertung der Daten wurde laut Christian Karagiannidis, Wissenschaftlicher Leiter der DIVI, nicht unterschieden, ob ein Patient mit oder wegen Corona auf der Intensivstation landet. Der Experte erklärte dazu dem WDR: "Die Sterblichkeit ist gleich. Von daher ist diese Unterscheidung eher akademisch, eher etwas für die Post-Analysen nach diesen Corona-Wellen." Das Virus könne beispielsweise auch Schlaganfälle auslösen. Personen, die mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson immunisiert wurden und auf die Intensivstation kamen, gingen in die Erhebung als nicht vollständig geimpft ein, stellt Karagiannidis zudem klar.

Die Ermittlung des Impfstatus gestaltet sich in Deutschland aufgrund der fehlenden elektronischen Patientenakte als extrem aufwendig, wie der DIVI-Leiter erklärt. "Was wir machen, ist ein total mühsames Geschäft, dass wir einzeln abfragen und die Leute irgendetwas händisch eingeben." In anderen Ländern wie Dänemark, England oder den USA wird der Impfstatus der Bürgerinnen und Bürger bereits über die elektronische Akte erfasst.