Sie vermehren sich: Droht Franken jetzt eine Mückenplage?

2.7.2020, 13:51 Uhr
Die Hochsaison für Stechmücken beginnt jetzt erst. Viele Franken klagen bereits jetzt über zu viele Plagegeister. Ab wann kann man jedoch von einer Mückenplage sprechen?

Die Hochsaison für Stechmücken beginnt jetzt erst. Viele Franken klagen bereits jetzt über zu viele Plagegeister. Ab wann kann man jedoch von einer Mückenplage sprechen? © Gustavo Amador, dpa

Ab wann kann man von einer Mückenplage sprechen? Nach einer Woche mit zehn Stichen pro Nacht? Kann auch persönliches Pech sein, vielleicht hat man nur einen einzigen, sehr erfolgreichen Blutsauger im Schlafzimmer. Die Klagen über viele Stiche häufen sich aber derzeit.

Es gibt keine zentrale Erfassung von harten Daten, in welchen Regionen sich welche Mückenarten in welcher Menge breitmachen. Beobachtungen und fachliche Einschätzungen gibt es aber durchaus, zwei Institutionen haben hier einen guten Überblick: Die Regensburger Forschungs- und Beraterfirma Biogents sowie die Macher des Mückenatlas, die von Bürgern aus ganz Deutschland Mücken zugeschickt bekommen.

Silke Göttler

Silke Göttler © Foto: Kirsten Waltert

Auffällige Unterschiede zu früheren Jahren sind bislang nicht bekannt. Mancherorts wird die Lage als Plage beschrieben – was daran liegen dürfte, dass bei einigen Arten gerade die Hauptsaison beginnt. "Wenn zurzeit in Nürnberg viele Menschen gestochen werden, liegt das vor allem an Hausmücken", sagt Silke Göttler von Biogents. "Bei denen überwintern nur wenige Tiere. Im Frühling legen sie ihre Eier, und genau jetzt vermehren sie sich sehr stark. Die Population steigt noch bis August."

Andere Mückenarten vermehren sich in Bayern derzeit vor allem entlang von Flüssen und Seen, wo sie durch Überschwemmungen nach starken Regenfällen und Gewittern besonders viele Brutplätze finden. Vor wenigen Tagen bekam Silke Göttler einen Anruf vom Ammersee, der berühmt für seine hohe Mückenpopulation ist: Da schlüpft gerade eine neue Generation.


Tiegermücke in Fürth lässt sich nicht mehr ausrotten


Helge Kampen gehört zum Team des Mückenatlas und ist Infektionsbiologe am Friedrich-Löffler-Institut. Er erklärt, warum in Franken jetzt ideale Bedingungen herrschen: "Mücken brauchen Wasser, in dem sich die Larven und Puppen entwickeln. Je wärmer es ist, desto schneller laufen Individual- und Populationsentwicklung ab."

Helge Kampen

Helge Kampen © Foto: Kirsten Waltert

Der trockene Frühling war also ungünstig für die Insekten und hat keine Voraussetzungen für eine massive Mückenplage geschaffen. Die jüngsten Regenfälle und Gewitter kamen den Tierchen aber gerade recht. Und die aktuellen Temperaturen auch. Im Hochsommer kann es schon wieder zuviel des Guten sein: "Wenn es zu heiß wird, ziehen sich viele Mückenarten an kühle Plätze zurück und reduzieren ihre Aktivitäten, um nicht auszutrocknen", erklärt Kampen.

Der Ammersee und der Starnberger See sind die Mücken-Hotspots in Bayern, dort hat Biogents auch Fallen aufgestellt. Die Mücken werden in einen Trichter gelockt, ein Lichtsystem misst den Flügelschlag und erfasst damit sowohl die Anzahl als auch die Größe der gefangenen Mücken. Eine dritte Falle mit Messanlage könnte bald in Franken stehen: "Zurzeit überlegen wir, einen Zähler in Fürth aufzustellen", sagt Göttler. Grund hierfür ist eine drohende Plage rund um die Kleingartenanlage Süd: Dort hat sich die Asiatische Tigermücke angesiedelt.

Wer besonders viele oder ungewöhnliche Mücken in seiner Umgebung beobachtet, ist dazu aufgerufen, einzelne Exemplare an den Mückenatlas des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung zu schicken. Weitere Infos unter www.mueckenatlas.de

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