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Sturm in Norddeutschland: Lage bei Bahn entspannt sich

Reisende mussten in Zügen übernachten - Fahrgastverband übt Kritik - 18.09.2019 15:14 Uhr

Nachdem am Dienstagabend ein heftiger Sturm über Norddeutschland fegte und es zu Beeinträchtigungen im Bahnverkehr kam, hat sich die Lage am Mittwoch entspannt. © Friso Gentsch/dpa


Nach Sturmschäden auf mehreren Bahnstrecken in Norddeutschland hat sich die Lage bei der Deutschen Bahn am Mittwoch entspannt. Zwar komme es noch zu Verspätungen und Teilausfällen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Morgen. Zwischen Hannover und Bremen laufe der Regionalverkehr aber wieder, wenn auch auf eingleisiger Strecke. Die Strecke Hannover – Hamburg ist laut Bahn ebenfalls wieder eingleisig befahrbar. "Hier verkehren sowohl die Züge des Fernverkehrs als auch des Regionalverkehrs."

Für beide Strecken behalten laut Bahn alle Fernverkehrsfahrkarten für Dienstag und Mittwoch ihre Gültigkeit und können kostenfrei storniert oder bis eine Woche nach Störungsende zeitlich flexibel genutzt werden. Dies gelte auch für zuggebundene Fahrkarten. Nach Angaben der Bahn sollen alle betroffenen Strecken am Nachmittag wieder frei sein. Erst dann könnten alle Züge wieder nach Fahrplan fahren.

Der Sturm hatte dem Bahnverkehr am Dienstagabend besonders im Norden und Nordosten Deutschlands große Probleme beschert: Passagiere mussten auf andere Züge ausweichen, Bäume, Unrat und Teile abgedeckter Dächer lagen in den Gleisen und Oberleitungen wurden beschädigt. In Hannover mussten 200 Menschen in zwei Zügen übernachten.

Eine ähnliche Erfahrung wie die Fahrgäste in Hannover haben im August auch zahlreiche Reisende nach einem Unwetter in Franken gemacht: Bei Unterheckenhofen nahe Roth war dort ein ICE gestrandet, die Fahrgäste mussten die halbe Nacht lang auf die Evakuierung warten.

"Opfer eines dualen Problems"

Aus einem anderen ICE, der von Chur in der Schweiz nach Hamburg unterwegs war, wurden 150 Fahrgäste bei Nienburg in Busse verfrachtet und nach Hannover gefahren. 300 weitere Menschen aus dem gleichen Zug warteten über zwei Stunden auf dessen Weiterfahrt. Um 1.35 Uhr am Mittwochmorgen setzte der Zug sich dann wieder in Bewegung.

Der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn war am Mittwoch der Meinung, dass die Auswirkungen angesichts der Sturmstärke zu stark ausfielen. Die Bahn sei Opfer eines "dualen Problems", sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Einerseits sei in den vergangenen Jahren der Rückschnitt von Sträuchern und Bäumen an den Bahnlinien vernachlässigt worden. Das sei zwar in den vergangenen zwei, drei Jahren nachgeholt worden, aber es gebe eben immer noch einen Rückstand. Zum anderen gebe es auch viele naturschutzrechtliche Bestimmungen, die den Baum- und Strauchschnitt zu bestimmten Zeiten einschränkten.

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Sturm über Nacht abgeschwächt

Der Bahnsprecher hingegen beteuerte, dass in den vergangenen zwei Jahren bereits sehr viel Rückschnittarbeiten vorgenommen worden seien. "Warum es jetzt an diesen Stellen so neuralgisch aufgetreten ist, muss man noch aufarbeiten."

Laut Deutschem Wetterdienst erreichte der Sturm zwischen Dienstagnachmittag und Dienstagabend seinen Höhepunkt. In der Nacht habe sich der Wind deutlich abgeschwächt. Tagsüber werde der Wind im Binnenland zwar noch einmal etwas stärker, aber nicht mehr so stark wie am Dienstag.

In vielen Teilen Deutschlands können sich die Menschen nun nochmal auf schöne Spätsommer-Tage freuen: Das gilt vor allem für den Südwesten und Westen - dort erwartet der DWD am Wochenende sonniges Wetter und entlang des Rheins Temperaturen bis zu 28 Grad.

dpa

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