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US-Wahl: Extremismusforscher warnt vor Parallelen zur NS-Zeit

Björn Krondorfer forscht in Arizona zu extremistischen Tendenzen - 28.10.2020 16:41 Uhr

Verschwörungstheoretiker, Extremisten und Trump-Unterstützer - sie alle sieht man in der Zeit kurz vor der Wahl immer wieder gemeinsam auf den Straßen.

28.10.2020 © Michael Nigro via www.imago-images.de, imago images/Pacific Press Agency


Rund zwei Autostunden nördlich von Phoenix liegt Flagstaff, eine idyllisch in den Bergen gelegene Kleinstadt. Die Landschaft atemberaubend schön. Björn Krondorfer leitet das Martin-Springer Institute an der Northern Arizona University (NAU), eine Einrichtung, die sich mit extremistischen Tendenzen beschäftigt.

Ist Arizona Trump-Country?

Die erste Frage an ihn: Ist Arizona Trump Country? Krondorfer lächelt. “Wenn man durch Arizona fährt und dabei von den Highways abfährt und in kleinere Gemeinden kommt, dann fühlt sich das schon wie Trump Country an. Aber es gibt hier auch diese demokratischen Hochburgen. Überraschenderweise haben die Demokraten dieses Mal eine Chance, gerade steht es 50:50. Vor neun Jahren, als ich hierher kam, dachte ich noch, dass der Bundesstaat nie blau werden würde, vielleicht höchstens mal lokal oder regional.”


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Und trotz der politischen Veränderung, der “Southern Poverty Law Center” listet für Arizona 21 “hate groups” auf, extremistische Gruppen, die im “Grand Canyon State” aktiv sind. Das reicht von weißen rassistischen Gruppen, wie den “Arizona Patriots”, zu den selbsternannten “Arizona Border Guards”, den “Proud Boys” und ganz offensichtlichen Neo-Nazi Gruppierungen. Dazu noch ein paar religiös ausgerichtet Hassgruppen.

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In den USA gibt es über 100 Holocaust Gedenkeinrichtungen, die sich mit Fragen der Extremismusforschung beschäftigen, darunter auch das Martin-Springer Institute. Vor einigen Wochen haben Krondorfer und vier weitere Leiterinnen und Leiter solcher Einrichtungen, alle fünf mit deutschen Wurzeln, einen warnenden Brief veröffentlicht, in dem sie die aktuelle Lage in den USA mit der in Deutschland Anfang der 30er Jahre vergleichen. Und das aus gutem Grund: “Allen voran die Gefahr der Gewalt, vor und nach der Wahl. Die Androhung, dass das Wahlergebnis nicht akzeptiert wird. Diese Desinformationskampagne, die bis zu offenen Lügen reicht. Und wir wissen aus Nazi-Deutschland, wenn man etwas lügt, dann wird man erwischt, wenn man es ständig macht, dann wird es Realität.

Genau das sehen wir in diesem Land. Eine Realität, die auf einer Ideologie des Unterschieds basiert, die Menschen verunglimpft und genau das manchmal abstreitet. Die Aushöhlung der demokratischen Strukturen, wo Leute in Regierungspositionen gebracht werden, die mehr auf Parteilinie sind, wo die Trennung von Kirche und Staat und von Exekutive und Justiz verschwindet.”


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Björn Krondorfer ist dabei wichtig zu betonen, dass man die Vergangenheit genauer betrachte sollte und dabei wichtige Lehren zieht: “Viele meinen, wenn man Parallelen zwischen dem zieht, was vom Übergang aus der Weimarer Republik in die Hitler Dikatur passiert ist, dass man dann nur vom Holocaust spricht. Das ist ein Fehler.

Wir sprechen nicht davon, dass die Republikaner oder Trump genozidale Gedanken haben. Was wir aber wissen ist, wenn man offen ist für einen autokratisch-diktatorischen Führer, dann weiß man nicht, wohin es geht. Die Wähler, die 1933 für Hitler stimmten, wählten auch nicht Auschwitz. Sie stimmten für einen starken Mann. Und so ein starker Mann kann ein Land in eine Richtung bewegen, dass man es zehn Jahre später nicht mehr erkennt. Das ist die Gefahr. Die Gefahr ist gerade nicht Auschwitz. Die Gefahr ist, eine Abkehr von dem, was eine Demokratie ist.”

Warnende Worte von Björn Krondorfer, dem Direktor des Martin-Springer Instituts an der Northern Arizona University. Ob sie gehört werden, in Arizona und darüber hinaus, wie stark die amerikanische Demokratie letztendlich ist, wird sich in ein paar Tagen entscheiden.

Arndt Peltner

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