Samstag, 26.09.2020

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Verwirrung: RKI rechnet doch noch nicht im Herbst mit Impfstoff

Bei dem Bericht handelte es sich um eine veraltete Version - 12.08.2020 21:16 Uhr

Das RKI hatte einen alten Bericht veröffentlicht, laut dem bereits im Herbst mit einem Impfstoff zu rechnen sei. Diese Prognose hat das Institut zurückgezogen.

© Alexander Zemlianichenko Jr/Russian Direct Investment Fund/AP/dpa


Erstmals seit Anfang Mai haben die Gesundheitsämter in Deutschland wieder mehr als 1200 Corona-Neuinfektionen an einem Tag gemeldet. Dabei geht inzwischen ein erheblicher Anteil auf Urlauber zurück, die aus Ländern mit erhöhtem Ansteckungsrisiko heimkommen. Die Bundesregierung mahnte eindringlich zur Vorsicht. "Wenn wir jetzt nicht alle aufpassen und wachsam sind, dann kann dieses Geschehen noch eine ganz eigene Dynamik entfalten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Er appellierte an die Bürger, Abstand und Maskenpflicht weiterhin einzuhalten. "Wir müssen eine Verschärfung der Situation vermeiden."

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Gesundheitsminister Jens Spahn nannte den Anstieg der Infektionszahlen besorgniserregend. Es gelte, "sehr, sehr wachsam" zu sein, weil es nicht mehr nur lokale Ausbrüche seien, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Durch Reiserückkehrer, aber auch durch Partys und Familienfeiern seien "in fast allen Regionen des Landes kleinere und größere Ausbrüche" zu sehen. Das Gesundheitssystem könne die derzeitigen Infektionszahlen gut bewältigen. Aber mit jeder Infektion werde es für die Ämter schwieriger.

RKI stiftet Verwirrung mit überholten Prognosen

Für Verwirrung sorgte ein Positionspapier des Robert Koch-Instituts (RKI) zur möglichen Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Das Institut hatte das Papier auf seiner Internetseite veröffentlicht, darauf via Twitter hingewiesen und die Urheberschaft auf Nachfrage auch bestätigt. In dem Dokument war mit Datum 12. August zu lesen, vorläufige Prognosen ließen "die Verfügbarkeit eines Impfstoffs (ggf. mehrerer) bis Herbst 2020 möglich erscheinen". Wenige Stunden später erklärte das RKI, bei dem Papier handele es sich um eine ältere Version, diese sei in der Zwischenzeit mehrfach überarbeitet und versehentlich online gestellt worden. Man gehe nicht von der Verfügbarkeit eines Impfstoffs bereits im Herbst aus.

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Nach Angaben des RKI von Mittwochmorgen wurden innerhalb eines Tages 1226 neue Infektionen gemeldet. Das ist der höchste Wert seit drei Monaten. Der Höhepunkt hatte Anfang April bei mehr als 6000 Neuinfektionen am Tag gelegen. Fast jede dritte ist demnach derzeit auf Einreisende aus dem Ausland zurückzuführen. In der Woche vom 3. bis 9. August habe der Anteil bei 31 Prozent gelegen. Als wahrscheinlicher Infektionsort am häufigsten genannt wurden in den vergangenen vier Wochen Länder des Westbalkans, die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Polen und Spanien.

Schule beginnt nach und nach wieder

Experten und Behörden blicken zudem angespannt auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs, denn auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind die Sommerferien nun zu Ende. Alle Schüler der weiterführenden und berufsbildenden Schulen müssen auch in der Klasse Masken tragen - so eine Anordnung gibt es flächendeckend sonst in keinem Land, aber an einzelnen Schulen in anderen Ländern.

In der Stadt Dorsten blieb am ersten Tag eine Schule geschlossen. Eine Lehrerin hatte sich angesteckt, sie befinde sich in Quarantäne, hieß es vom Kreis. Ärztepräsident Klaus Reinhardt sprach sich dagegen aus, bei einzelnen Fällen Schulen komplett zu schließen. Es reiche, wenn einzelne Klassen oder Kurse zu Hause blieben, sagte er der Rheinischen Post.

Reisewarnungen für rund 130 Länder

Angesichts von Sorgen vor einem weiteren Anstieg der Fallzahlen verschärfen mehrere Länder Corona-Regeln. So sollen in Berlin 240 zusätzliche Mitarbeiter der Ordnungsämter darauf achten, dass Auflagen eingehalten werden. Mecklenburg-Vorpommern und NRW haben Bußgelder erhöht, die bei Regelverstößen drohen. Auch Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen stärker kontrolliert werden - für sie gilt seit dem Wochenende eine Testpflicht.

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Welche Länder dazu zählen, legt das RKI in einer Liste fest - aktuell stehen rund 130 Länder darauf. Aus der EU wurden nun weitere Regionen in Spanien aufgenommen - das Baskenland und die Hauptstadt Madrid. Für beide Regionen hatte das Auswärtige Amt auch eine Reisewarnung ausgesprochen. Der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig, betonte, deutsche Veranstalter böten generell keine Reisen in diese Risikogebiete an. "Per se stellen Pauschalreisen kein höheres Risiko dar als zum Beispiel der Besuch des überfüllten Badesees im Umland, bei dem keinerlei Abstände eingehalten werden."

Bürger unterstützen die Maßnahmen weiterhin

In Stuttgart wurden nach einer Geburtstagsfeier in einem Club 24 Partygäste und eine Kontaktperson positiv auf das Coronavirus getestet. Acht der Gäste hatten zuvor Urlaub in der kroatischen Partyhochburg Novalja gemacht und waren mit dem Virus zurückgekehrt, wie die Stadt mitteilte.

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Die Schutzmaßnahmen von Bund und Ländern finden bei den Bürgern weiter Rückhalt. Nur jeder Zehnte hält sie für überflüssig, wie eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Dazu wurden zwischen 7. und 10. August insgesamt 2018 Menschen befragt. 68 Prozent der Befragten halten die Regelungen für "absolut notwendig", 3 Prozent halten Schutzmaßnahmen für überflüssig, weil das Virus nach ihrer Einschätzung "nicht so gefährlich" ist. Sieben Prozent sehen hinter Warnungen und Schutzvorkehrungen einen "Versuch mächtiger Kreise, andere Ziele durchzusetzen". Weitere 16 Prozent sind für Schutzmaßnahmen, halten aktuelle Regeln aber für überzogen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 218.519 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI meldete (Datenstand 12.8., 0.00 Uhr). Seit dem Vortag wurden 6 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet, die Gesamtzahl liegt nun bei 9207. Bis Sonntagmorgen hatten 198.800 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.


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dpa

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