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Wie "Ehe für alle" Deutschlands Adoptionen helfen könnte

Immer weniger Deutsche nehmen fremde Kinder in ihrem Haushalt auf - 10.03.2017 14:54 Uhr

Die Bereitschaft, fremde Kinder im eigenen Haushalt aufzunehmen, geht in Deutschland zunehmend zurück. Grund dafür ist auch die Rechtslage homosexueller Paare © Andreas Gebert/dpa


Pop-Ikone Madonna zeigt auf Instagram Fotos ihrer kürzlich adoptierten Zwillinge. Schauspielerin Nicole Kidman spielt in dem Drama "Lion" die Adoptivmutter eines indischen Jungen und hat ihre eigenen Erfahrungen für die Rolle als hilfreich geschildert. Viele internationale Stars haben Kinder angenommen. In Deutschland hingegen gehen die Adoptionen unter Normalbürgern seit Jahren zurück - zuletzt (2015) waren es laut Statistischem Bundesamt noch 3.812. 1992 waren es noch mehr als doppelt so viele gewesen.

Allerdings können längst nicht alle ein Kind adoptieren, die dies wollen. Die einen haben keinen Trauschein, andere sind zu alt, leben in einer der Ehe nicht komplett gleichgestellten homosexuellen Beziehung oder passen nicht zu den zur Adoption vorgemerkten Jungen und Mädchen. Sind diese Regelungen noch zeitgemäß?

Die Vorstöße sind vage

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag von 2013 eher vage eine Vereinfachung des Adoptionsrechts vereinbart. Bislang blockieren sich beide Seiten gegenseitig. Jetzt könnte aber doch noch Bewegung in die Sache kommen. Der SPD-Vorstoß einer "Ehe für alle" hat Schwung in die Diskussion gebracht. "Die Lebensmodelle haben sich verändert", sagt auch der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marcus Weinberg, der Deutschen Presse-Agentur.

Allerdings warteten 2015 nach den Zahlen der Statistik-Behörde nur 744 Kinder und Jugendliche auf Adoptiveltern - so wenig wie seit rund 25 Jahren nicht. In den 1990er Jahren waren es noch deutlich über tausend. Als Gründe nennen Fachleute: moderne Verhütungsmethoden, die gewachsene gesellschaftliche Akzeptanz unverheirateter Mütter sowie zahlreiche neue Hilfen zur Erziehung und Pflege.

Auf ein Kind kämen derzeit im Schnitt sieben, höchstens acht Bewerber, sagt Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien (PFAD). In den 1990er Jahren waren es der Statistik zufolge noch mehr als doppelt so viele, und auch 2005 noch gut zwölf. Noch geringer sollte das Verhältnis von Bewerbern und zur Adoption vorgemerkter Kinder nach Auffassung Thieles nicht werden. "Denn es geht darum, für die Kinder passende Eltern zu suchen und nicht umgekehrt."

Adoptionen vor allem von Stiefkindern

Dazu kommt: Die meisten Kinder (61 Prozent) werden nicht von Fremden, sondern vom neuen Freund der Mutter oder der neuen Lebensgefährtin des Vaters adoptiert. Allerdings geht das nach der Gesetzeslage nur, wenn das neue Paar verheiratet ist. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Anfang der Woche in einem Beschluss bekräftigt. Für unverheiratete Paare sieht das Gesetz keine Stiefkind-Adoption vor.

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Eine Altershöchstgrenze für Adoptiveltern gibt es nicht. "Viele versuchen aber erst den Weg über die Reproduktionsmedizin, bevor sie sich entschließen, ein fremdes Kind in ihrem Haushalt aufzunehmen", sagt Thiele. Die Jugendämter achten dann darauf, dass der Altersabstand etwa dem biologischen entspricht. Das hält Thiele auch für sinnvoll: "Je älter die Bewerber sind, desto größer ist die Gefahr, dass sie das Kind nicht so lange auf seinem Lebensweg begleiten können." Andere Stimmen fordern aber einen pragmatischeren Kurs mit dieser Frage.

Wenn homosexuelle Lebenspartnerschaften komplett der Ehe gleichgestellt würden, hätten diese Paare auch das Recht, gemeinsam ein fremdes Kind zu adoptieren. Weil die Union da nicht mitmacht, könnte auch eine Änderung des Adoptionsrechts helfen. CDU-Familienexperte Weinberg sagt: "Ich persönlich bin dafür, dass sich gleichgeschlechtliche Paare für eine Adoption bewerben können. Aber in der Union wird das noch diskutiert."

Die komplette Gleichstellung?

Kanzlerin Angela Merkel hatte im Wahlkampf 2013 gesagt: «Ich sage Ihnen ganz ehrlich, dass ich mich schwertue mit der kompletten Gleichstellung.» Daran hat sich vermutlich bis heute nichts geändert. Die SPD will mit der Forderung in den Wahlkampf ziehen.

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte kürzlich: "Moderne Familienpolitik muss auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften unterstützen." Die Menschen wollten diese Offenheit längst. Bei einer Umfrage sprachen sich gut drei Viertel dafür aus, dass es lesbischen und schwulen Paaren genauso wie heterosexuellen Paaren erlaubt werden sollte, Kinder zu adoptieren. Grüne und Linke sind sowieso längst dafür. Ein Antrag der Grünen im Bundestag ist aber bislang blockiert worden - von Union und SPD. 

dpa

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