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Wissenschaftliche Untersuchung: Sind Chemtrails real?

Forscher analysierten Luft-Messwerte und Aussehen von Kondensstreifen - 16.08.2016 11:48 Uhr

Anhänger der Chemtrail-Theorie sind der Ansicht, dass von den Verkehrsflugzeugen aus auch Chemikalien und Metalle (meist Aluminium) in die Atmosphäre gesprüht werden. © Frank Rumpenhorst (dpa)


Die Regierung vergiftet uns, verdunkelt die Sonne oder will einfach nur unsere Gedanken kontrollieren: Anhänger der Chemtrail-Verschwörungstheorie sind der Ansicht, dass genau das seit Jahren passiert - mit Hilfe von Aluminium, Barium oder anderen Stoffen, die durch Verkehrsflugzeuge versprüht werden. Das Kunstwort "Chemtrail" setzt sich zusammen aus "Chemie" und "Contrail", dem englischen Wort für Kondensstreifen.

Lange wurde diese Verschwörungstheorie, die mittlerweile zu den populärsten ihrer Art gehört, nicht ernst genommen. Nachdem ihre Vertreter jedoch nicht müde werden, ihre Ansichten im Internet lautstark zu verbreiten und dabei auch zahlreiche "Beweise" anzuführen, haben nun Forscher die Theorie erstmals wissenschatlich untersucht.

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In einer Kooperation der Carnegie Institution for Science in Stanford, der University of California in Irvine und der Non-Profit-Organisation "Near Zero" bekamen 49 Atmosphären-Forscher hierfür Fotos verschiedener Kondensstreifen vorgelegt, 28 Geochemiker sollten darüber hinaus Analysen von Luft, Boden oder Schnee beurteilen - und sie kamen zu einem für Verschwörungstheoretiker ernüchternden Ergebnis.

Wesentlich höher als früher

Kondensstreifen hielten heute viel länger als früher, so ein "Beweis", den Chemtrail-Anhänger gerne für die Richtigkeit ihrer Theorie anführen. Und in der Tat waren 18 der 49 Atmosphären-Experten der Ansicht, dass das durchaus richtig ist. Ursächlich seien aber nach Aussagen der Forscher keine chemischen Zusätze, sondern schlicht die Tatsache, dass Flugzeuge heute wesentlich höher fliegen als früher und dabei auch mehr Wasserdampf in die Atmosphäre abgeben. Mit 23 war die Mehrheit der Befragten allerdings der Ansicht, dass sich Kondensstreifen heute auch nicht langsamer auflösen würden.

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Warum sind manche Kondensstreifen dicker als andere? Auch hier fanden die Forscher eine Erklärung. Das läge nicht daran, dass die Flugzeuge - wie von den Chemtrail-Anhängern behauptet - ihre Chemikalien mit unterschiedlicher Intensität versprühen würden, sondern an der Flughöhe: Je nach Höhe variiert die Luftfeuchtigkeit stark, so dass  Kondensstreifen breiter oder schmaler werden. Auch die Effizienz der Triebwerke spielt für die Dicke der Streifen eine Rolle.

Auch die Analyse der Luft- und Boden-Messwerte brachte keine Belege für die Existenz von Chemtrails. Außergewöhnliche Messwerte bei der Zusammensetzung der Atmosphäre hatte vorher auch nur ein einziger der Forscher jemals beobachtet. Er berichtet von einer außergewöhnlich hohen Barium-Konzentration, die er einmal an einem abgelegenen Ort festgestellt habe - eine Begründung für diesen Messwert liefert die Untersuchung jedoch nicht.

Insgesamt hat die Untersuchung keinen einzigen Beweis für die Existenz von Chemtrails ergeben. Wirklich etwas ändern dürfte sich dadurch allerdings dennoch nicht - schließlich gehört aus Sicht von Verschwörungstheoretikern jeder, der ihre Existenz abstreitet oder widerlegt, zwangsläufig zu den Verschwörern. Ein Automatismus, gegen den selbst die Wissenschaft nicht ankommt. 

Christian Urban

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