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Zerstörung eines Wahrzeichens: Vor einem Jahr brannte Notre-Dame

Die ganze Welt blickte auf die Pariser Kathedrale - 15.04.2020 07:37 Uhr

Am 15. April 2019 brach in der weltberühmten Pariser Kathedrale ein Feuer aus. Derzeit sind die Arbeiten zum Wiederaufbau auf Eis gelegt. © Mehdi Chebil via www.imago-images.de, imago images/Hans Lucas


Wo die Händler im Schatten der mächtigen Kathedrale normalerweise Bücher und Bilder verkaufen - dort herrscht gähnende Leere. Ihre Stände am Seine-Ufer sind verrammelt. Normalerweise drängen sich hier die Touristen, daran hat auch die Brandkatastrophe von Notre-Dame nichts geändert. Kurz nach dem Feuer, das sich am 15. April zum ersten Mal jährt, waren die Straßen und Brücken rund um das weltberühmte Wahrzeichen vielleicht sogar so voll wie nie. Notre-Dame steht noch, hat das Feuer schwer beschädigt überstanden - doch nun hat die Corona-Krise die wohl berühmteste Baustelle Frankreichs in einen Dornröschenschlaf versetzt. Und das ist nicht der erste Rückschlag.

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Feuer in Notre-Dame: Das Pariser Wahrzeichen in Flammen

Diese Bilder schockieren die Welt: Die Kathedrale Notre-Dame in Paris steht stundenlang in Flammen. Der Dachstuhl des Gotteshauses und ein Turm stürzen in die Tiefe. Doch am Morgen ist klar: Die rund 400 Feuerwehrleute konnten das Wahrzeichen der Stadt retten.


Rückblick: Es war ein lauer Frühlingsabend, als die Nachricht vom Feuer in Notre-Dame die Runde machte. Schnell war klar: Das ist weit mehr als ein kleiner Brand, die Kathedrale drohte einzustürzen - der Vierungsturm auf dem Dach tat es. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eilte auf die Île de la Cité - die Seine-Insel, auf der das rund 850 Jahre alte Bauwerk steht. Erst am nächsten Morgen war klar: Das Feuer ist gelöscht, die Kirche vorerst gerettet. Die ganze Welt nahm Anteil, Hunderte Millionen von Spenden kamen für den Wiederaufbau zusammen.

Der gestaltet sich nun schwierig - denn die Sicherungsarbeiten sind ein Jahr später immer noch nicht abgeschlossen. Auf der Baustelle steht ein riesiger Kran, Fenster sind mit Folien verhangen, die mächtigen Strebebögen mit Holz gestützt. Eine schwere Balkenkonstruktion wurde auf die Kirchenmauern gelegt. Es ist eine Operation am offenen Herzen. Doch trotz der schweren Schäden thront Notre-Dame stolz auf der Île de la Cité.


Spenden für Notre-Dame: Wäre das Geld nicht sinnvoller angelegt?


"Doch das Problem ist es immer noch, das Gerüst, das auf dem Dach steht, herunterzubekommen. Das abzubauen, ohne dass das Gewölbe einstürzt, ist immer noch das Schwierigste", sagt die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner. Sie koordiniert die deutsche Hilfe beim Wiederaufbau. "Solange das Problem nicht gelöst ist, sind im Grunde alle anderen Fragen erst mal zurückgestellt." Vor dem Brand war das Baugerüst für Renovierungsarbeiten auf dem Dach aufgebaut worden. Bei dem Feuer ist es teilweise geschmolzen.

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Mythos Notre-Dame: Zehn Fakten über die weltbekannte Kathedrale

Paris steht unter Schock. Aus dem Hauptschiff von Notre-Dame schlugen am Montagabend Flammen und meterhohe Rauchwolken. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert brannte aus und stürzte ein. Frankreich leidet. Doch was macht die Kathedrale eigentlich so besonders? Wir haben zehn Fakten zusammengefasst.


"Das Problem ist, dass man das Dach nicht schließen kann, solange das Gerüst dort ist. Da kann der Wind reinpfeifen. Und wenn es stark regnet, kommt die Feuchtigkeit da wieder rein", sagt Professor Stephan Albrecht von der Universität Bamberg. Der deutsche Kunsthistoriker hilft beim Wiederaufbau - er stellt Farbanalysen und 3D-Aufnahmen zur Verfügung. "Von der Universität Bamberg kommt da zum Beispiel das komplette Querhaus innen und außen. Dann gibt es eine Firma, die hat den Dachstuhl. Und dann gibt es noch relativ alte Daten von der Columbia University", so der Experte.

Gleichzeitig werde zum Beispiel mit Drohnen an einem aktuellen Modell der Kathedrale nach dem Brand gearbeitet. "Wenn man die beiden Modelle miteinander vergleicht, kann man zum Beispiel sehen, inwiefern sich die Wände durch den Brand verändert haben", erklärt er. Das ist seiner Ansicht nach auch wichtig, weil die Wände des Querhauses im oberen Bereich schon vor dem Brand relativ schief gewesen seien. "Wir fürchten, dass sonst ein Statiker die falschen Schlüsse ziehen könnte und zusätzliche Stützen einzieht, die nicht notwendig sind."


Der Liveticker zum Nachlesen: Als Notre-Dame in Flammen stand


Dass es die 3D-Aufnahmen der Kathedrale vor dem Feuer gibt, ist für den Wiederaufbau eine positive Überraschung gewesen. Ganz anders sieht das beim Thema Blei aus. In der Dachkonstruktion und der Turmabdeckung war tonnenweise davon verbaut. Bei dem Feuer ist es geschmolzen und hat die Umgebung verschmutzt. Im Sommer mussten deswegen die Arbeiten an der Kathedrale sogar unterbrochen werden. "Irgendwie steht das unter einem schlechten Stern. Zunächst war es das Blei, jetzt ist es Corona. Bisher konnte man im Grunde außer Sicherungsarbeiten noch gar nichts machen", sagt Albrecht, der sich eng mit den französischen Expertinnen und Experten abstimmt.

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Innerhalb von fünf Jahren, das hatte Macron versprochen, soll die Kathedrale wieder aufgebaut werden. Daran gab es von Anfang an Zweifel, jetzt umso mehr. "Das ist natürlich überhaupt nicht zu schaffen, das ist klar - das wäre jetzt auch kontraproduktiv, darauf zu drängen", sagt Albrecht. Doch je länger es dauert, desto schwieriger ist das auch für die Menschen, die mit der Kirche verbunden sind. Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Kathedrale beschäftigt waren, verloren ihre Jobs. Die Gemeinde war plötzlich heimatlos, sie wurde schließlich in der Pfarrkirche Saint-Germain-l'Auxerrois aufgenommen.

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Nach Feuersbrunst in Paris: Notre-Dame am Tag danach

Ein stundenlang wütendes Feuer verwüstet die Kathedrale Notre-Dame in Paris. Die Feuerwehr konnte die Flammen eindämmen, die Kirche wurde bis Dienstag komplett gelöscht. Die Bilder vom Tag danach.


Am Freitag vor dem Brand hat Helgard Zahlen ihre letzte Führung in der Kathedrale gegeben. Die heute 78-Jährige führt deutsche Touristen seit 2006 ehrenamtlich durch Notre-Dame. Die gelernte Übersetzerin lebt seit Jahrzehnten in Frankreich - am Abend des Brandes hatte sie vor dem Fernseher bis tief in die Nacht um Notre-Dame gebangt. "Es hat mich total erschüttert, dass mir die Tränen gekommen sind."


Notre Dame feiert erste Messe nach Brandkatastrophe


Der Verein Casa, für den Zahlen arbeitet und der Führungen in vielen verschiedenen Sprachen anbietet, finanziert sich über Spenden. "Seit dem Brand kommen natürlich keine Gelder mehr", sagt Zahlen. Der Plan war es, im späten Frühjahr oder Frühsommer zumindest wieder Führungen an der Fassade anzubieten - doch wegen Corona könnte sich dies nun auch erst mal weiter verzögern.

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Millionenspende für Notre-Dame: Das könnte man mit dem Geld tun

Nach dem Brand in Notre-Dame ist die Anteilnahme weltweit groß. Auch die Spendenbereitschaft ist beispiellos: Mit 600 Millionen Euro möchten vier wohlhabende Milliardärsfamilien aus Frankreich für den Wiederaufbau der Kathedrale aufkommen. Eine Menge Geld, die auch anders angelegt viel Gutes tun könnte. Wir haben ein paar Beispiele gesammelt.


Für Notre-Dame hat sie bereits eine Leidenschaft so lange sie denken kann. "Vielleicht auch, weil meine Eltern Kunsthistoriker und Germanisten waren und ich da ein Grundwissen habe", erzählt die 78-Jährige. "Ich denke aber auch, dass ich als Kölnerin, die mit dem Dom groß geworden ist, eine gewisse Prägung erfahren habe." Ab und an besucht sie die Kathedrale - zumindest von außen, auch wenn im Moment wegen Corona nicht einmal das möglich ist. "Es ist mir fast ein Bedürfnis, die Kathedrale auch in diesem zerstörten Zustand zu sehen und ihren Wiederaufbau zu verfolgen."

An Notre-Dame bewundert sie vor allem die rein gotische Architektur, die die Jahrhunderte ohne größere Schäden überdauert hat und auch ihre Lebendigkeit. "Täglich wurden Messen gefeiert, die allen zugänglich waren." Traurig und voller Freude zugleich erinnert sie sich an die wöchentlichen Prozessionen.

Wann diese das nächste Mal in Notre-Dame möglich sein werden und wie sehr Corona die Arbeiten weiter verzögern wird - all das ist im Moment unklar. Wie es weitergeht, vermag auch der Pariser Erzbischof Michel Aupetit nicht zu sagen: "Ich bin ein Erzbischof, kein Prophet." Doch er ist überzeugt: Es sei nicht Gott gewesen, der die Coronavirus-Pandemie schuf oder das Feuer verursachte. "Aber Gott kann immer etwas Größeres aus dem Unglück ziehen, das uns trifft."

Hätten Sie's gewusst?

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Gerettete Reliquien, ein Findelkind und eine Krönung mit zwölf Jungfrauen: Testen Sie hier Ihr Wissen über Notre-Dame!

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Frage 1/7:

Wie heißt die Seine-Insel, auf der Notre-Dame steht?

Kelten, Römer, Merowinger: Die Île de la Cité war schon in der Antike besiedelt, sie stellt den ältesten Teil von Paris dar. Neben Notre-Dame befindet sich hier mit dem Palais de la Cité auch der ehemalige Königs- und heutige Justizpalast.

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Frage 2/7:

Die Dornenkrone von Notre-Dame: Wo erwarb König Ludwig IX. diese Reliquie?

Eine der wichtigsten Reliquien wurde bei dem verheerenden Brand am 15. April 2019 gerettet: die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. König Ludwig IX. erwarb sie 1237, von Konstantinopel ließ er sie nach Paris bringen, wo sie erst in Sainte-Chapelle, später dann in Notre-Dame aufbewahrt wurde.

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Frage 3/7:

Wie hoch sind die beiden Türme von Notre-Dame?

Die beiden Türme aus Naturstein sind 69 Meter hoch. Zum Vergleich: Die Türme von St. Lorenz in Nürnberg sind 81 Meter hoch. Mehr Zahlen zu Notre-Dame? Das Kirchenschiff ist im Inneren rund 130 Meter lang, 48 Meter breit und 35 Meter hoch; es bietet bis zu 10.000 (!) Personen Platz.

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Frage 4/7:

Victor Hugo (Der Glöckner von Notre-Dame) wurde aus Frankreich verbannt. Wo ließ er sich nieder?

Durch seinen historischen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame (Originaltitel: Notre-Dame de Paris), erschienen 1831, wurde Victor Hugo (1802–1885) weltberühmt. 20 Jahre nach Erscheinen des Romans lehnte er sich gegen einen Staatsstreich auf, mit dem sich Napoleon Bonaparte 1851 zum Präsidenten auf Lebenszeit machte. Daraufhin kam Hugo in Haft und wurde anschließend aus Frankreich verbannt. Er ließ sich auf der französischsprachigen, aber zu England gehörenden Kanalinsel Jersey nieder.

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Frage 5/7:

Wie lang dauerte der um 1163 begonnene Bau von Notre-Dame?

Die der Gottesmutter Maria geweihte Kirche wurde in den Jahren 1163 bis 1345 errichtet, es dauerte also knapp 200 Jahre bis zur Fertigstellung. Notre-Dame ist somit eines der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs.

© KIRILL KUDRYAVTSEV / AFP

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Frage 6/7:

In welchem Jahr wurde Napoleon in Notre Dame zum Kaiser gekrönt?

Die Krönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen im Jahr 1804 war ein symbolträchtiges Ereignis in der Geschichte Frankreichs. Kleine Anekdote: In Anlehnung an die Krönung Karls des Großen hatte sich Napoleon zwölf Jungfrauen mit Kerzen für die Zeremonie gewünscht. Allerdings soll es, auch bedingt durch den völligen Einsturz der gesellschaftlichen Konventionen nach der Revolution Schwierigkeiten gegeben haben, die geforderte Zahl an Jungfrauen in Paris aufzutreiben.

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Frage 7/7:

Warum ist Quasimodo, der Glöckner von Notre-Dame, taub?

Seinen Namen erhielt Quasimodo von seinem Adoptivvater Claude Frollo, der sich seiner annahm, weil der Junge im Alter von etwa vier Jahren am Sonntag Quasimodogeniti (übersetzt: Wie die neu geborenen Kinder, gefeiert am 1. Sonntag nach Ostern) auf den Treppen von Notre-Dame gefunden wurde. Weil er im Gotteshaus aufwuchs und als Glöckner arbeitete, verlor er durch das jahrelange Läuten sein Gehör. Hier geht es zur Meldung vom 15. April 2019: Pariser Wahrzeichen Notre-Dame in Flammen

© REUTERS/Charles Platiau//File Photo

Lust auf ein weiteres Quiz?

Dann hier entlang!

dpa

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