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Pleinfelder Benefiz-Aerobicmarathon läuft heuer online

Initiatorin Bea Keller äußert sich zum Ablauf am 20. Dezember sowie zur schwierigen Lage im Sport - 06.12.2020 14:06 Uhr

Dicht an dicht: Solche Bilder wie beim Benefiz-Aerobicmarathon 2013 in der Brombachhalle sind derzeit nicht denkbar. Stattdessen läuft die Aktion heuer erstmals online.

04.12.2020 © Archivfoto: Uwe Mühling


Frau Keller, 14 Jahre in Folge haben Sie den Benefiz-Aerobicmarathon in Pleinfeld auf die Beine gestellt, heuer muss die Veranstaltung in der bisher bekannten Form ausfallen. Wie schwer ist Ihnen die Absage gefallen?

Bea Keller: Sehr schwer, aber letztlich hatten wir ja keine andere Wahl, denn Sport in Gruppen und in Hallen ist derzeit wegen der Corona-Krise untersagt. Aber selbst wenn die Richtlinien anders wären, hätten wir in der aktuellen Situation aus Verantwortung gegenüber den Teilnehmern sowie dem ganzen Helferteam sicherlich absagt. Der Ausfall macht mich sehr traurig. Für mich war der Benefiz-Aerobicmarathon immer mein Highlight des Jahres. Mit der Veranstaltung konnten wir sporteln und zugleich Gutes tun. Aus den ersten Reaktionen habe ich gemerkt, wie sehr alle diesen Event am Jahresende vermissen. Das Ganze hat mir allerdings auch keine Ruhe gelassen . . .

. . . das heißt?

Nachdem die Absage offiziell raus war, hat sich bei mir am vergangenen Wochenende das Gedanken-Karussell gedreht. Ich wollte den 15. Benefiz-Aerobicmarathon zugunsten der Josè Carreras Leukämie-Stiftung nicht einfach so aufgeben, dafür liegt mir die Aktion einfach zu sehr am Herzen. Ich habe mir überlegt, ein Zoom-Event daraus zu machen und den Tag online durchzuführen. Dann habe ich Kontakt mit meinen beiden wichtigsten Mitstreiterinnen Petra Gutjahr und Steffi Biener aufgenommen. Das sind zwei Freundinnen aus Unterfranken, die ebenfalls Kurstrainerinnen sind und die schon lange beim Benefiz-Aerobicmarathon mitmachen. Beide waren sofort von der Idee begeistert, und wir haben uns gleich ein Programm überlegt.

Wie kam die neue Initiative an?

Per Mail habe ich bereits am nächsten Tag alle bisherigen Teilnehmer/
-innen angeschrieben, und es kam ganz viel positives Feedback. Zudem habe ich bei der Carreras-Stiftung angerufen, und auch dort waren sie begeistert, dass wir die Veranstaltung nun doch trotz Corona durchführen. Unabhängig von der jetzt entstandenen Online-Aktion waren unter dem Stichwort "Wir helfen trotzdem" – Benefiz-Aerobicmarathon Pleinfeld" bereits erste Spenden eingegangen.

Der Benefiz-Aerobicmarathon in der Brombachhalle sollte ursprünglich am Samstag, 5. Dezember, stattfinden. Wann ist nun der neue Termin für die Online-Ersatzveranstaltung, das sogenannte Zoom-Event? Und wie wird es ablaufen?

Der Termin ist am vierten Adventssonntag, 20. Dezember. Ab 9.30 Uhr werden Steffi, Petra und ich per Video vier Stunden mit den Themen "meinRücken", "HIITup!", "BodyArt® – Strength & Mobility" und zum Abschluss "Yoga Music Flow" anbieten. Wir werden die Stunden maximal zu zweit und zudem mit ausreichend Abstand abhalten. Uwe Kirschner vom Fitnesstudio WUG-Fit GmbH in Weißenburg stellt uns seinen Kursraum zur Verfügung, damit wir ein schönes Ambiente haben und die ganze Veranstaltung von dort aus übertragen können. Corona-bedingt haben wir alle drei in den vergangenen Monaten schon einiges an Erfahrung mit Online-Training gesammelt, dennoch sind wir sehr gespannt, wie es laufen wird. Wir rechnen mit über 100 Teilnehmern. Eventuell machen wir zur Sicherheit vorher noch ein Probe-Meeting und wir werden wohl auch eine Hotline einrichten, falls technische Probleme auftauchen. Es soll so professionell wie die eigentliche Benefizveranstaltung ablaufen.

In den vergangenen 14 Jahren kamen insgesamt fast 60 000 Euro für die Leukämie-Stiftung zusammen. Das Geld stammte vorwiegend aus den Teilnahmegebühren. Wie wird es mit den Spenden heuer ablaufen?

Wir werden pro Stunde sechs Euro verlangen, wobei die Stunden auch einzeln gebucht werden können. Pro Teilnehmer/-in sind das dann bis zu 24 Euro, wobei wir natürlich hoffen, dass die Leute mehr überweisen (lacht).


Hier gibt's Bilder aus dem Jahr 2013

Bilder vom 8. Benefiz-Aerobicmarathon in Pleinfeld - Weißenburg - nordbayern.de


Sie hätten es sich auch einfacher machen können. Jeder hätte in der aktuellen Situation Verständnis für eine komplette Absage gehabt.

Ja, das stimmt schon. Aber ich bin irgendwie gegen dieses stupide "alles absagen". Das ist eine schwierige Situation mit vielen Widrigkeiten, aber so entsteht nichts Neues. Das Geheimnis des Könnens, so finde ich, liegt im Wollen. Jedenfalls versuchen wir es nun, auch wenn es eine echte Herausforderung ist.

Eine Herausforderung ist die momentane Situation mit dem zweiten Lockdown und erneuten wochenlangen Schließungen sicherlich für alle Fitnesstrainer und –studios?

Ja, das ist verdammt hart für die ganze Branche, alle Aktivitäten im Sportbereich liegen komplett lahm. Allen sind die Hände und Füße gebunden. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles weiterentwickelt. Speziell für die Studiobesitzer tut es mir sehr leid. Sie haben sehr viel geleistet, investiert und gute Hygienekonzepte erarbeitet, wie ich unter anderem vom WUG-Fit in Weißenburg, vom Fitnessclub Brombachsee und von der Bürgerwerkstatt in Pleinfeld, bei denen ich Kurse halte, weiß. Mir ist auch kein einziger Fall bekannt, bei dem sich jemand im Kursbereich angesteckt hat. Ich denke, es ist zur Zeit leichter, sich in einer vollen Fußgängerzone als im Fitnessstudio anzustecken. Dennoch mussten sie jetzt aber erneut schließen und kämpfen ums Überleben. Ein weiterer, wichtiger Aspekt wird aus meiner Sicht allerdings bei der ganzen Diskussion oft vergessen.

Nämlich?

Viele Leute sind aus gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen, Sport zu machen und Bewegung zu haben. Sport ist für die Psyche und das Immunsystem total wichtig. Das mit online ist schön und gut – aber ich kann dabei meine Teilnehmer nicht korrigieren oder ihnen eine Alternativübung anbieten, wenn sie gerade irgendwelche Einschränkungen haben. Die Begegnung, die Kommunikation und das Persönliche fehlen einfach. Ich glaube, viele würden sogar lieber mit Maske trainieren, um an den Wirbelsäulenstunden teilnehmen zu können.

Bea Keller unterstützt bereits seit 2006 die Leukämie-Stiftung von José Carreras.

04.12.2020 © Foto: Uwe Mühling


Den Sommer über, als wieder Präsenzstunden möglich waren, habe ich gemerkt, wie wichtig den Leuten die Bewegung und die sozialen Kontakte sind. Alle waren froh, als es wieder losging. Ich habe zum Teil Kursteilnehmer die weit über 80 Jahre alt sind, und trotz des Alters hatten diese keine Bedenken, wieder in die Kurse zu gehen. Jetzt hingegen sind viele wieder total geknickt. Allerdings muss man auch sagen, dass regelmäßiges Lüften der Räumlichkeiten in der kalten Jahreszeit problematischer ist. Aber alle Teilnehmer haben sich dementsprechend dick angezogen. Ich persönlich kann leider nicht nachvollziehen, warum Sport im Freien mit der Gruppe unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln nicht weiterhin möglich ist. Da wäre vielen geholfen.

Das alles ist derzeit aber nicht erlaubt. Inwieweit sind Sie als selbstständige Fitnesstrainerin beruflich von dem erneuten Lockdown betroffen?

Abgesehen von den Online-Stunden kann ich nichts machen und bin froh, dass ich neben meiner Trainertätigkeit im Radsportgeschäft Velovita in Weißenburg im Verkauf tätig bin. Gesundheitsaspekte spielen auch in der Philosophie des Ladens eine wichtige Rolle. Das Fahrrad wird beim Bikefitting individuell auf den Kunden angepasst und genau eingestellt. Das finde ich ganz klasse, denn eine korrekte Körperhaltung ist in allen Sportbereichen wichtig um Fehlstellungen zu vermeiden. Bewegung, egal in welcher Art und Weise ist für uns wichtig auch und gerade in Corona-Zeiten.

Zur Person

Bea Keller ist seit über 30 Jahren Fitness- und Kurstrainerin. Pro Woche hält sie acht bis zehn Stunden Kurse, im Sommer bietet sie zusätzlich noch SUP-Fitness am Brombachsee an. Als selbstständige Kurstrainerin ist sie in verschiedenen Studios und Einrichtungen tätig und zudem Referentin für Übungsleiterfortbildungen. Die 50-Jährige ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und lebt mit ihrer Familie in Pleinfeld.

Weitere Infos

Wer bei der Online-Session mitmachen möchte, kann sich per E-Mail an Bea Keller wenden (kellerbea@t-online.de). Spenden an die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung sind bei der Commerzbank AG München (IBAN DE96 7008 0000 0319 9666 01; BIC: DRESDEFF700) möglich; Kennwort: "Wir helfen trotzdem! – Benefiz-Aerobicmarathon Pleinfeld".

INTERVIEW: UWE MÜHLING

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