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Altersarmut nimmt weiter zu: DGB verlangt Kurswechsel in der Rentenpolitik

Renteneintrittsalter mit 67 sei realitätsfern, so die DGB - 25.01.2021 20:21 Uhr

Frauen beziehen laut DGB Bayern im Durchschnitt ein Drittel weniger Rente als Männer. 

25.01.2021 © Marijan Murat, NNZ


Rentner, die in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen oder die für Lebensmittel bei den Tafeln anstehen müssen: Das wird auch in Zukunft Teil der Realität in Deutschland sein, so zumindest der Tenor bei der Vorstellung des diesjährigen Rentenreports des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern. Trotz der zum 1. Januar 2021 eingeführten Grundrente bleibe Altersarmut eines der zentralen Problemfelder, weswegen die Gewerkschaft mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl einen Kurswechsel fordert.

Konkret macht sich der DGB dafür stark, das Renteneintrittsalter von aktuell 67 Jahren zurückzunehmen und "mehr flexible Übergänge vom Arbeitsleben in die Rente" zu ermöglichen. So gingen laut dem neuen Rentenreport Männer in Bayern 2019 mit durchschnittlich 64 Jahren in Rente, Frauen mit 64,5 Jahren. Dies zeige, dass die steigende Regelaltersgrenze mit dem Ziel "Rente mit 67" an der Lebensrealität der Menschen vorbeigehe, sagt Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern.


Armut im Alter: Wenn die Grundsicherung jede Rentenerhöhung auffrisst


Um die zunehmende Altersarmut zu verringern, solle zudem das Rentenniveau "wieder auf mindestens 50 Prozent" angehoben werden - derzeit liegt es bei 48,2 Prozent. Die Rentenbeiträge für die Beschäftigten müssten dafür "nur ein paar Prozentpunkte" erhöht werden. Laut einer Studie seien gerade junge Menschen durchaus bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn sie später davon profitieren würden. "Daneben ist es gute Arbeit, die vor Altersarmut schützt, das heißt sozialversicherungspflichtige und tarifgebundene Arbeit. Anstelle von Niedriglöhnen und Minijobs brauchen wir endlich mehr Sicherheit und Perspektiven in der Arbeitswelt", so Di Pasquale.

Frauen öfter von Armut betroffen

Nach wie vor sei die gesetzliche Rente für die Mehrheit der Beschäftigten die einzige Alterssicherung. Die Altersarmut zeige jedoch, dass sie für viele ältere Menschen nicht reiche, um den Lebensstandard zu sichern. "Und die Corona-Krise führt nochmals zu einer deutlichen Verschärfung", so Di Pasquale weiter.

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Laut dem DGB-Report gibt es zudem einen großen Unterschied zwischen den Geschlechtern: So erhielten Ruheständler im Jahr 2019 durchschnittlich 1167 Euro gesetzliche Rente pro Monat, bei den Rentnerinnen waren es lediglich 748 Euro. Als Gründe dafür nennt Di Pasquale unter anderem unterbrochene Erwerbsverläufe und Teilzeitarbeit. "Hinzu kommt, dass Frauen die Hauptlast der atypischen Beschäftigung samt Niedriglöhnen tragen. Wir brauchen mehr Veränderungen für mehr Gleichstellung. Die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf in Bayern müssen endlich mit den Bedarfen übereinstimmen." Zu atpyischen Erwerbsformen zählen etwa Leiharbeit und Werkverträge.

Die Unterschiede bei den Geschlechtern zeigen sich auch bei der Armutsgefährdungsquote: 2019 waren im Mittel 22 Prozent aller Männer über 65 Jahre armutsgefährdet, bei den Frauen war laut DGB jede Vierte betroffen. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren es noch 4,4 Prozentpunkte weniger. Daneben stieg in Bayern auch die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen. Ende 2019 waren es rund 126.000; 2008 nur rund 82.800.

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Zudem gibt es regionale Unterschiede: So unterscheidet sich das durchschnittliche Rentenniveau bei Frauen und Männern zwischen den Regierungsbezirken vom Spitzenreiter zum Schlusslicht um rund 100 Euro. Während Frauen in Oberbayern im Jahr 2019 im Schnitt 790 Euro erhielten, mussten sie im angrenzenden Niederbayern mit durchschnittlich 669 Euro auskommen. Bei den Männern war die Durchschnittsrente mit 1.227 Euro in Unterfranken am höchsten, in Schwaben am niedrigsten.

In Bayern zahlen gegenwärtig 5,2 Millionen Beschäftigte Beiträge in die Rentenkasse ein. Rund 2,5 Millionen Menschen beziehen Altersrente. Der Rentenreport der bayerischen Gewerkschaft wurde heuer zum fünften Mal veröffentlicht und basiert auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

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