Forschungsgruppe Wahlen zur Bundestagswahl 2021

Analyse: Nie zuvor hatte ein Kanzlerkandidat weniger Ansehen als Laschet

26.9.2021, 19:50 Uhr
Nur eine Minderheit der Deutschen traute ihm das Amt des Kanzlers zu: Armin Laschet. 

Nur eine Minderheit der Deutschen traute ihm das Amt des Kanzlers zu: Armin Laschet.  © via www.imago-images.de, imago images/Political-Moments

67 Prozent hielten Olaf Scholz für geeignet fürs Kanzleramt, von Armin Laschet (CDU, 29 Prozent) und Annalena Baerbock (Grüne, 23 Prozent) sagte das nur eine Minderheit. Von einem "historisch schwachen Kandidaten“ der Union schreiben die Wahlforscher in ihrer Analyse. Das Gros der Befragten attestierte Scholz auch den meisten Sachverstand; bei Glaubwürdigkeit oder Problemlösungskompetenz führte er ebenfalls, aber mit weniger Abstand. Baerbock punktete mit Sympathie, Laschet blieb in allen Kategorien schwach.

Hinzu sei ein erhebliches Imageproblem gekommen: Auf der +5/-5-Skala lag der CDU-Chef bei minus 0,5. Nie zuvor hatte ein Kanzlerkandidat weniger Ansehen. Baerbock lag bei minus 0,3, wogegen Scholz mit 1,4 positiv bewertet wurde – ohne jedoch an Angela Merkel (2,2) heranreichen zu können. Letztendlich wünschten sich 48 Prozent Scholz, 24 Prozent Laschet und nur 14 Prozent Baerbock als Kanzler.

Dass die SPD auch beim Parteiansehen führte, lag primär am schwachen Abschneiden der Konkurrenz, so die Experten weiter. Auf der +5/-5-Skala wurde die SPD konstant positiv bewertet (1,4; 2017: 1,3), wogegen die CDU/CSU (0,7; 2017: 1,7) im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren einbrach. Ihren Nimbus als dominante Kraft habe die Union verloren, so die Forscher.

Wirtschaftskompetenz: Union schmiert ab

Einher ging der Imageverlust der Union mit rückläufigen Sachkompetenzen – die besonders beim Thema Wirtschaft „sehr heftig“ ausfielen, heißt es in der Analyse. In der Frage nach der größten Kompetenz, neue Jobs zu schaffen, verlor die Union nach fast zwei Jahrzehnten ihre Vormachtstellung. Beim Thema Soziale Gerechtigkeit seien CDU und CSU "klar deklassiert“ worden.

Die meisten Deutschen beklagten eine zunehmende Schere zwischen Arm und Reich, befürworteten stärkere Abgaben auf hohe Einkommen und setzen auch beim Thema Steuern mehrheitlich auf SPD-Politik. Die Union galt indes als führend bei den Themen Flüchtlinge/Asyl und Coronapolitik. Das Problem: Beide hatten auf die Wahlentscheidung den Befragten zufolge aber eher wenig Einfluss.

Beim Top-Thema Klimaschutz, wofür die Politik nach Ansicht von 63 Prozent „zu wenig tut“, galten die Grünen als führend. Diese blieben hingegen bei ökonomischen Themen schwach und stagnierten außerdem beim Parteiansehen (0,4; 2017: 0,5).

Generation 60plus: SPD jagt Union ältere Wähler ab

Besonders bemerkenswert nennt die Forschungsgruppe Wahlen den SPD-Erfolg in der Generation 60plus: Mit 35 Prozent (plus 11) liegt sie hier mit der Union (34 Prozent; minus 7) auf Augenhöhe – dabei war die Gruppe der Älteren historisch Erfolgsgarant für CDU und CSU. Bei den unter 30-Jährigen fällt die Union mit nur noch elf Prozent indes weit hinter Grüne (22 Prozent), FDP (20 Prozent) und SPD (17 Prozent) zurück.

Während SPD und Grüne bei Frauen stärker abschneiden als bei Männern, verläuft der sogenannte Gender-Gap bei AfD und FDP umgekehrt – beide werden überwiegend von Männern gewählt. Bei Union und Linke gibt es hier kaum Differenzen.

Die Analyse basiert auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1388 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Deutschland in der Woche vor der Wahl, vor allem aber auf der Befragung von 41.373 Wählern am Wahltag.

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