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Anonymous droht US-Polizei: "Werden eure Verbrechen der Welt vor Augen halten"

Nach Tod von George Floyd: Hacker posten Video mit schweren Anschuldigungen - 03.06.2020 15:11 Uhr

Ein Mann trägt bei einer Demonstration eine Guy-Fawkes-Maske: Hinter solchen verstecken sich auch die Aktivisten der des Hacker-Kollektivs Anonymous, die nun ein neues Video ins Netz gestellt haben.

© OSCAR DEL POZO, AFP


Die Stimme ist dunkel und mechanisch, das Gesicht des Sprechers, der einen schwarzen Hoodie und eine weiße Guy-Fawkes-Maske trägt, wird von einem Beamer angestrahlt und wirkt verzerrt. Die Anschuldigungen, die er ausspricht, lassen indes nicht an Schärfe vermissen: „Polizisten, die Menschen töten und andere Verbrechen begehen, müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden wie alle anderen auch“, sagt der Vermummte. „Sonst denken sie, sie haben die Lizenz, das zu tun, was immer ihnen beliebt.“

Hacker-Kollektiv Anonymous meldet sich mit Video zurück

Mit einem bedrohlich wirkenden Video meldet sich das Hacker-Kollektiv Anonymous zurück. Obwohl soziale Netzwerke das Filmchen mehrfach verbannt haben, werden Teile davon immer wieder getweetet; inzwischen wurde es mehr als drei Millionen Mal angesehen. Die Aktivisten – ein loses Bündnis, das sich dem Zugriff der Behörden seit Jahren erfolgreich entzieht – ergreifen darin Partei für jene, die den Tod von George Floyd anprangern. Er war vor wenigen Tagen in Minneapolis bei einem Einsatz der Polizei gestorben, was landesweite Proteste ausgelöst hat.

„Ihr werdet behaupten, dies sei nur das Werk einiger schwarzer Schafe“, tönt der Sprecher weiter, doch seine Aussagen machen klar, dass er dies nicht gelten lassen will. Er scheint zu glauben, dass die Mehrheit der Amerikaner das genauso sieht. „Nach den Ereignissen der letzten paar Jahre beginnen die Menschen zu verstehen, dass ihr (die Polizisten, d. Red.) nicht dazu da seid, um uns zu retten sondern vielmehr dazu, uns zu unterdrücken und den Willen der kriminellen herrschenden Klasse durchzusetzen“, tönt er verschwörerisch. Der Tod von George Floyd sei in Sachen Polizeigewalt nur die Spitze des Eisbergs, heißt es an anderer Stelle.


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Webseite der Polizei in Minneapolis gehackt

Das Video dürfte für helle Aufregung im Washingtoner Regierungsapparat und bei den US-Ermittlungsbehörden sorgen. Anonymous hat in der Vergangenheit bewiesen, dass die darin lose organisierten Aktivisten zu einigem fähig sind. Die Gruppe war erstmals im Jahr 2003 in Erscheinung getreten und machte zunächst mit Hackerangriffen auf Scientology, das FBI und die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) auf sich aufmerksam. Im Arabischen Frühling legte Anonymous phasenweise Webseiten der Regierungen von Tunesien und Ägypten lahm, um die dortigen Widerstandsbewegungen zu unterstützen.


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Laut US-Medien war die Website des Minneapolis Police Department am Wochenende offenbar auch Ziel eines Hackerangriffs und zeitweise nicht erreichbar. Ob Anonymous oder eine verbündete Gruppierung dahinter steckte, war nicht zweifelsfrei zu beantworten. Zuzutrauen wäre es den Aktivisten allemal.

Anonymous: "Diese Beamten gehören vor Gericht"

Der Sprecher lässt in dem Video keinen Zweifel daran, dass Anonymous die Vorgänge in Minneapolis zum Anlass nimmt, weitere Aktionen zu starten. „Diese Beamten gehören vor Gericht“, macht die Stimme hinter der Maske deutlich, „besonders Officer Chauvin (der für den Tod Floyds verantwortlich gemacht wird, d. Red.) sollte wegen Mordes angeklagt werden. Leider trauen wir eurer korrupten Organisation nicht zu, dass der Gerechtigkeit genüge getan wird. Daher werden wir eure zahlreichen Verbrechen der Welt vor Augen halten“, kündigt der Sprecher an.

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