14°

Montag, 21.10.2019

|

zum Thema

Antisemitische Übergriffe: Bloße Worte reichen nicht

Schande für Deutschland: Vorfälle fordern den Rechtsstaat heraus - 07.08.2019 10:37 Uhr

Es sind Vorfälle, die sich erschreckend oft wiederholen, an die wir uns aber nie gewöhnen dürfen: Erst in Berlin, nun auch in München wurde ein Rabbiner bespuckt und beschimpft. Die Fälle lesen sich ähnlich. Und auch die Reaktionen darauf. Sie sind nämlich vor allem eines: ein erwartbares Ritual.

Die Reaktion der jüdischen Kultusgemeinden ist nachvollziehbar: Entsetzen darüber, dass sich Antisemitismus derart offen zeigt in Deutschland. Die Reaktion der Politiker besteht in aller Regel aus Abscheu und Empörung – und sonst? Was konkret getan werden kann gegen Judenhass, da bleiben sie sehr vage. Und kleinlaut. Das ist verständlich, weil es da kompliziert wird und anstrengend, sehr wahrscheinlich auch teuer. Zum anderen aber schreit das, was da (nicht nur) in Deutschland zu erleben ist, nach entschiedeneren Reaktionen einer Politik, die es nicht nur bei hehren Worten belassen darf.

Es braucht mehr diplomatische Härte

Wie könnte eine Agenda gegen Antisemitismus aussehen? Zum einen braucht es eine Außenpolitik mit Hartnäckigkeit und Mut. Nach wie vor etwa fliegen die Kuwait Airways, die staatliche Luftfahrgesellschaft des Emirats, den Flughafen in Frankfurt/Main an. Die Linie weigert sich aber, israelische Staatsbürger zu befördern – sie dürfen bei einem möglichen Zwischenstopp in Kuwait das Emirat nicht betreten, da es, wie etliche andere arabische Staaten, die Existenz Israels nicht anerkennt. Der Fall eines in Deutschland lebenden Israelis, der bisher erfolglos gegen diese Praxis klagte, beschäftigte etliche Gerichte. Und die benannten klar den Adressaten, der solche Praktiken durch diplomatischen Druck ändern könnte: die Politik, mit mehr diplomatischer Härte.

Zahl der antisemitischen Vorfälle im Jahr 2018 deutlich gestiegen

Mehr Druck braucht es auch gegen den sichtbar eingewanderten Antisemitismus. Druck durch härtere Strafen, wenn auf Demos die Israel-Flagge verbrannt wird. Und Druck für eine bessere, kostspieligere Bildung: Die Werte unseres Grundgesetzes – Religionsfreiheit und die unantastbare Würde jedes Menschen – müssen so verinnerlicht werden, dass sie den importierten Hass gegen alles Jüdische allmählich verdrängen.

Unter Dauerpolizeischutz

Es reicht aber nicht, auf diesen neuen Antisemitismus zu verweisen, im schlimmsten Falle entschuldigend: Unser alter deutscher Antisemitismus ist nach wie vor da, er hat gerade die deutschen Lande viel zu sehr geprägt. Das zeigt aktuell etwa die Führung zu den antisemitischen "Kunstwerken" an Nürnbergs Hauptkirchen, wo die "Judensau" zu sehen ist. Dass angesichts dieser Geschichte mit dem Holocaust als katastrophalem Höhepunkt wieder Juden in Deutschland leben, leben wollen, das ist nach wie vor ein schönes Wunder. Wir müssen es hüten und so lange dafür kämpfen, bis es nicht mehr normal ist, dass jüdische Einrichtungen unter Dauerpolizeischutz stehen müssen.

42

42 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik