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Aufstand der Superhelden: Eltern wehren sich gegen Corona-Regel

Viele Eltern sind erschöpft und gestresst - das offenbaren nicht nur erste Studien - 14.07.2020 09:59 Uhr

Während der letzten Monate hatten viele Eltern mehr als gewöhnlich zu tun. Haushalt, Homeschooling und Homeoffice brachte einige an ihre Grenzen.

© imago images/MedienServiceMüller


Mit dem Laptop auf dem Schoss haben sie monatelang Kinder und Beruf geschaukelt, sie haben mit ihrem Nachwuchs den Lernstoff am Küchentisch gepaukt und mit dem Kleinsten im Sandkasten gesessen. Danach haben sie oft bis tief in die Nacht gearbeitet und nebenher den Haushalt geschmissen. Aber auch die Kraft von Superhelden ist irgendwann am Ende.


Bayerische Corona-Politik treibt Eltern und Ärzte auf die Barrikaden


Politiker gucken arrogant weg

Viele Eltern sind erschöpft, mindestens gestresst. Das offenbaren nicht nur erste Studien, das hört man auch weithin. Doch wer hört überhaupt ihre Hilferufe? Kaum jemand, die politische Spitze in Bayern am allerwenigsten. "Alleingelassen als Alleinerziehende", "mit drei Jobs auf einmal ohne Betreuung", "von der Politik veräppelt" — das sind Aussagen von Eltern, die bislang verständnisvoll und stillschweigend viele Maßnahmen mitgetragen haben.


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Denn als Antwort auf ihre Nöte werden sie vom Sozialministerium stets nur belehrt, dass Sicherheit vorgehe. Und aus dem Kultusministerium heißt es gar arrogant: Eltern wollen Planbarkeit? Ha-ha! Und: Virenschleudern haben in der Schule ohnehin nichts zu suchen, das sei auch im Normalbetrieb schon so. Tatsächlich ist die dreiste Aussage durch die Hygiene-Pläne bislang gedeckt: Kinder mit geringen Erkältungssymptomen sollen Kindergarten und Schule fern bleiben. Rotznase? Ab nach Hause!, heißt es dann seitens Erziehern und Lehrern, die selbst mit den vielen Anordnungen nicht immer ganz glücklich sind.

Differenzierung ade? Nicht jedes Kind, das eine Schniefnase hat, ist gleich eine schlimme Virenschleuder, geschweige denn an Corona erkrankt.

Zwischen acht bis 15 leichte Virus-Infekte macht ein junger Mensch jeden Winter durch. Doch hierzulande führt es dazu, dass Eltern jetzt im regelmäßigen Rotznasen-Rhythmus als Arbeitnehmer ausfallen werden. Und die berechtigte Angst unter ihnen umgeht, im Grunde eine Art erneuten Lockdown im Herbst zu erleben. Mit allen Folgen, auch für die Jüngsten: Mehr Streit und Stress in den Familien, fehlende Bildung, seelische Belastungen.

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Seit Ende Mai lockert die bayerische Regierung die Maßnahmen zur Einschränkung der Corona-Pandemie Schritt für Schritt. Durch die Verlängerung der Sperrstunde und andere Erleichterungen seit dem 16. Juni geht es für die Bürgerinnen und Bürger wieder ein Stück mehr Richtung Normalität.


Während der Berliner Senat gerade ein Einsehen hat und die Kinder mit leichter Erkältung wieder in die Kitas lässt, ist Bayern weiter auf seinem Sonderweg unterwegs: Sogar ein ärztliches Attest, das das Kind "gesund schreibt", ist nichts wert. Das erbost Kinderärzte und Eltern zugleich. Die staatliche Anordnung führt bereits jetzt zu absurden Szenen. Zwei Beispiele: Ein Eineinhalbjähriger, der in der Kita weint, muss wegen seiner tropfenden Nase nach Hause. Und was passiert mit dem Mädchen, das drei Mal niest? Das kommt dann halt zur 80-jährigen Oma, der Risikopatientin für Corona schlechthin.


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