Alarmierende Fakten

Bericht des Weltklimarates: Die Hoffnung schmilzt

9.8.2021, 13:59 Uhr

Wirklich überraschen kann der Bericht des Weltklimarates nicht. Vielmehr bestätigt das Werk die schlimmsten Befürchtungen. Vor allem aber räumen die Wissenschaftler mit einer Mär auf: „Es ist zweifelsfrei, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land aufgeheizt hat“, schreiben sie und entziehen damit der Gruppe der Verharmloser jegliche Existenzberechtigung.

Es gibt keinen Zweifel mehr: Wir selbst zerstören unseren Planeten, es ist nicht fünf vor, sondern kurz nach Zwölf. Leider gibt es immer noch viel zu viele Zeitgenossen, die diese Realität nicht wahrhaben wollen. Mehr Klimaschutzmaßnahmen bei uns? Bringt doch nichts, solange es keine weltweite Lösung gibt, lautet eines der Argumenten, das immer wieder zu hören ist.


Dabei hilft jede noch so kleine Verhaltensänderung, warten wäre jedenfalls die schlechteste Reaktion. Genau vor dieser Botschaft scheuen sich weite Teile der Politik. Wer die klimapolitischen Ziele der Parteien genauer anschaut, muss deshalb ins Schwitzen geraten. Der Ernst der Lage spiegelt sich in den meisten Programmen nicht ansatzweise wider. Wie ernst es den Bürgerinnern und Bürgern mit dem Vermeiden einer drohenden Klimakatastrophe ist, werden wir am Abend des 26. September wissen.

Es steht zu befürchten, dass das wahltaktisch motivierte Auf-Zeit-Spielen vieler Parteistrategen aufgehen kann. Wer will schon den eigenen Ast, auf dem es sich so bequem und ab und an auch ein bisschen luxuriös verweilen lässt, absägen? Dieser Fatalismus macht vor allem jüngere Generationen wütend. Zurecht. Die heute 20-Jährigen müssen bald ausbaden, was die heute 60-Jährigen nicht verhindern woll(t)en. Der Mensch, das ist die traurige Bilanz der Erderwärmung, ist zwar intelligenter als jede Tierart. Doch seine Fähigkeit, gemeinsam für Ziele zu kämpfen, hindert ihn leider nicht daran, seine Umwelt weiter zu zerstören.

Thujawüsten statt Hecken

Am Ende ist der Egoismus wohl stärker als der Altruismus. Wie sonst wäre zu erklären, dass wir unsere Städte immer mehr versiegeln, blühende Vorgärten in triste Steinwüsten verwandeln, einst artenreichen Hecken zu lebensfeindliche Thujawüsten degradieren und an Straßenbauprojekten festhalten, die längst aus der Zeit gefallen sind? All das spielt sich vor unserer Haustür ab. Vor Ort haben wir alle ein Stück Klimaschutz in der Hand, in den Städten und Kreise können wir die Kommunalpolitiker antreiben. Zudem können mit unserem Konsumverhalten Einfluss auf umweltschädliche Produktionsbedingungen nehmen. Wir können die Reise in den Urlaub klimaverträglich gestalten. Jede und jeder kann das tun. Die Zeit der Ausreden muss ein Ende haben. Denn unsere Kinder und Enkel haben die Konsequenz verdient, an der es die Politik über Jahrzehnte hat mangeln lassen. Hochwasser und Hitzewellen lassen grüßen!

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