Über 600 Intensiv-Patienten

Corona-Ampel steht auf Rot: Diese Regeln gelten seit Dienstag in Bayern

10.11.2021, 08:08 Uhr
Auf den bayerischen Intensivstationen lagen am Montag 604 Covid-Patienten.

Auf den bayerischen Intensivstationen lagen am Montag 604 Covid-Patienten. © NEWS5 / Merzbach, NEWS5

Die Krankenhaus-Ampel in Bayern zeigt Rotlicht. Auf den Intensivstationen in den Krankenhäusern des Freistaats wurden am Montag mehr als 600 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt - die allermeisten ungeimpft. Damit sprang die Ampel, die erst seit Samstag Gelblicht zeigte, auf Rot. Seit Dienstag gelten im Freistaat erheblich verschärfte Maßnahmen. Dazu gehört die Testpflicht am Arbeitsplatz für Beschäftigte von Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern und der weitgehende Ausschluss von Ungeimpften bei öffentlichen Veranstaltungen (2G). Der Maskenstandard war schon bei Gelb von medizinischen Masken auf FFP2-Masken hochgestuft worden. Die wichtigsten Kernpunkte:

Weitgehend 2G

Öffentliche Veranstaltungen wie Kongresse, Messen, aber auch Sportveranstaltungen unterliegen nun der 2G-Regel. Das heißt, dass nur noch Geimpfte, Genesene und Kinder unter zwölf Jahren Zugang haben. Ungeimpfte über zwölf Jahren dürfen also auch nicht mehr zum Sport oder anderen Freizeitbeschäftigungen, sofern diese nicht unter freiem Himmel stattfinden.

Der Freistaat werde prüfen, ob die 2G-Regelung noch ausgeweitet werden muss. Es werde aber auch geprüft, ob "Härten für Kinder und Jugendliche abgefedert" werden können, teilte das Ministerium am Montag mit. In einer Pressekonferenz am Dienstag wurde dann eine zusätzliche Lockerung für minderjährige Schüler verkündet: Wenn sie aktiv Sport treiben, in einer Theater-AG sind oder einer musikalischen Freizeitbeschäftigung nachgehen, soll künftig auch für 2G-Bereiche der Schülerausweis als Nachweis ausreichen.

3G am Arbeitsplatz

Mitarbeiter von Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten (einschließlich Inhaber), die Kontakt zu Kollegen, Kunden oder sonstigen Personen haben, müssen zwei Mal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen, wenn sie nicht ohnehin geimpft oder genesen sind. Wirtschaftsverbände begrüßten die Regelung grundsätzlich als notwendig zur Vermeidung eines Lockdowns. Es müsse jedoch geklärt werden, dass Arbeitgeber den Impfstatus ihrer Mitarbeiter einsehen könnten.

Mitarbeiter von Hotels, der Gastronomie und Anbieter körpernaher Dienstleistungen müssen ab Mittwoch nicht mehr zwingend zweimal pro Woche PCR-Tests durchführen lassen. Sie können auch pro Arbeitstag einen Antigenschnelltest vorlegen, beschloss das Kabinett am Dienstag in München. Die Erleichterung gelte sowohl, wenn die Corona-Ampel wie derzeit auf Rot stehe, als auch bei Gelb.

3G in Hochschulen

Die 3G-Regelung gilt weiterhin für Hochschulen, Bibliotheken und außerschulische Bildungseinrichtungen, nicht aber für den öffentlichen Personennahverkehr und den Einzelhandel. Dort gibt es weiter keine Beschränkungen - auch nicht für Kunden. In den Schulen gilt seit Montag wieder Maskenpflicht im Unterricht.

Für die Gastronomie gilt 3G plus. Das heißt, Restaurants, Cafés und Gaststätten kann jeder besuchen, der geimpft oder genesen ist. Zusätzlich reicht auch ein negativer PCR-Test. Diesen brauchen auch Jugendliche im Alter von 13 Jahren und aufwärts, sofern sie nicht geimpft oder genesen sind.

Gleiches gilt bei Anbietern personennaher Dienstleistungen wie Friseure oder Fußpflege-Praxen. Da diese Regelung auch für das Personal gilt, PCR-Tests aber nicht mehr kostenlos angeboten werden, ist die Regelung vor allem bei Gastwirten umstritten. Die Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Bayern, Angela Inselkammer, befürchtet sogar den Ruin der Branche. Die Gastronomie werde getroffen, obwohl sie nie Treiber der Pandemie gewesen sei.

Die Maßnahmen sind Ausdruck einer sich weiter zuspitzenden Lage in der Corona-Pandemie mit immer neuen Rekordwerten. Auf den Intensivstationen des Freistaats wurden am späten Montagnachmittag 612 Menschen wegen Covid-19 behandelt, davon 324 unter künstlicher Beatmung. 443 Intensivbetten waren noch frei, davon 156 solche, die für die Behandlung von Covid-Patienten geeignet sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz hatte das Robert Koch-Institut am Montag für Bayern mit 316,2 angegeben - in einzelnen Gegenden lag das Infektionsgeschehen aber deutlich höher. So wurde etwa im Kreis Rottal am Inn eine Inzidenz von 833,3 gemessen.

Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Ungeimpften in Bayern bei weit über 500 - dies umschließt auch die Schülerinnen und Schüler, die zum Teil noch gar nicht geimpft werden können. Bei Geimpften lag die Inzidenz dagegen zuletzt bei 60 (Stand: 3. November).

Um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu vermeiden, hat die Landesregierung bei 600 intensiv betreuten Covid-Patienten eine Grenze eingezogen. Bei mehr als 450 hatte die Ampel bereits auf Gelb geschaltet. Erst am Sonntag war deshalb der Maskenstandard auf FFP2 erhöht worden.

Die Staatsregierung rief erneut mit deutlichen Worten dazu auf, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und auch von der Möglichkeit einer Auffrischungsimpfung Gebrauch zu machen. "Tragen Sie dazu bei, dass die Lage nicht weiter eskaliert", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Richtung Bevölkerung. "Das Gesundheitssystem steht vor der Überlastung." Jeder Mensch in Bayern könne seinen Anteil leisten, mit vorsichtigem Verhalten und der Bereitschaft zur zeitnahen Impfung.