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Corona-Forscher uneinig: Wie lange wird der Lockdown noch dauern?

Ob es sich um einige Wochen oder mehrere Monate handelt, ist noch unklar - 01.04.2020 07:41 Uhr

Auch in der Nürnberger Innenstadt sind die Straßen menschenleer. Das öffentliche Leben steht derzeit nahezu still. © Foto: Michael Matejka


Am Universitätsklinikum Erlangen rüstet man sich für das, was in den kommenden Tagen und Wochen zu befürchten ist: Das Eintreffen vieler Corona-Patienten, die schnell und umfassend versorgt werden müssen – vielleicht sogar auf der Intensivstation. Die Klinik auf diese außergewöhnliche Herausforderung vorzubereiten, ist ein personeller und organisatorischer Kraftakt. Deshalb hat man sich in Erlangen entschlossen, vorübergehend keine Experten für Presseanfragen zu Covid-19 mehr zur Verfügung zu stellen. Virologen und Epidemiologen werden derzeit an anderer Stelle dringender benötigt.



Dennoch ist davon auszugehen, dass auch die Fachleute am Uniklinikum die vergangene Woche erschienene Studie des Imperial College zur Kenntnis genommen haben. Darin haben Forscher untersucht, wie sich staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Infektion auf die Entwicklung der Fallzahlen auswirkt. Und was zu tun ist, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Die Ergebnisse der Berechnungen waren im Kern alles andere als ermutigend. So zeigte sich, dass nur die Kombination aus Schulschließungen, Isolation infizierter Patienten und sozialer Distanzierung (Abstand voneinander halten) die Krankenhäuser vor der Überlastung bewahrt. Diese drastischen Maßnahmen, so die Forscher, müssten über fünf Monate durchgehalten werden. Eine lange Zeit des Stillstandes, die enorme soziale und ökonomische Konsequenzen nach sich zöge.

Coronavirus-Lockdown: Fehler im Modell?

Der mittlerweile bundesweit bekannte Leiter der Virologie an der Berliner Charité, Christian Drosten, bezeichnete die Studie trotz kleinerer Schwächen in einer ersten Reaktion als gut. Inzwischen gibt es jedoch auch kritischere Rückmeldungen aus der Fachwelt. Eine kleine Gruppe Wissenschaftler um den Statistiker Nassim Nicholas Taleb von der Universität New York kritisiert die Berechnungen der britischen Kollegen in einem Aufsatz deutlich. So sei etwa nicht berücksichtigt worden, dass in der Regel auch enge Kontaktpersonen von Infizierten unter Quarantäne gestellt werden. Die Verfügbarkeit von Tests auf den Coronavirus spiele ebenfalls keine Rolle in der britischen Modellrechnung. Zudem würde der positive Effekt abgesagter Großveranstaltungen missachtet.

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Taleb und seine Mitautoren widersprechen außerdem der Darstellungen wonach sich der Virus sofort wieder massenhaft verbreite, nachdem die Maßnahmen zur Verlangsamung des öffentlichen Lebens aufgehoben werden. Die New Yorker Forscher schreiben: „Weil ein Lockdown die Fallzahlen exponentiell sinken lässt, kann eine relative kurze Zeitspanne ausreichend sein, um ein Verschwinden des Krankheitserregers zu erreichen. Anschließend kann man die Beschränkungen lockern, ohne dass das Virus wieder aufflammt.“ Diese zeige sich zum Beispiel auch in China wo selbst in der massiv betroffenen Provinz Hubei. Dort sind die Ausgangssperren inzwischen wieder gelockert. Die Zahl der Neuinfektionen liegt nach offiziellen Angaben dennoch auf niedrigem Niveau.

Mit Überwachung gegen Corona

Auch in Südkorea und Singapur hat man es geschafft, den Ausbruch des Coronavirus vorerst zu kontrollieren ohne allzu massiv ins öffentliche Leben einzugreifen. Stattdessen setzen die Regierungen auf möglichst viele Tests und die konsequente Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Die Behörden verwenden dazu auch hochsensible Daten von Kreditkarten oder Smartphones.


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Ergänzt wurden die Maßnahmen durch strikte Hygiene und soziale Distanzierung. Allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfte dieses Modell in Deutschland kaum umsetzbar sein. Und noch ist auch nicht klar, ob die beiden asiatischen Länder einen großen Ausbruch des Virus dauerhaft verhindern können.

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Und so werden Experten aus der ganzen Welt weiter diskutieren müssen, wie Länder der Corona-Pandemie begegnen können ohne ihre Gesellschaften für Monate oder gar Jahre lahmzulegen. Nicht nur am Uniklinikum Erlangen wird man hoffen, dass die Wissenschaft schon bald einen Weg aus der Krise skizzieren kann.


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