Pendeln in der Pandemie

Corona-Studie: Kein erhöhtes Ansteckungsrisiko im ÖPNV

10.5.2021, 17:50 Uhr
Eine Auftragsstudie hat die ÖPNV-Sicherheit während der Coronavirus-Pandemie untersucht.

Eine Auftragsstudie hat die ÖPNV-Sicherheit während der Coronavirus-Pandemie untersucht. © IMAGO / IPA Photo

Busse und Bahnen sind deutlich leerer seit Beginn der Corona-Pandemie - teils weil Pendler und Schüler zu Hause arbeiten und lernen, teils weil sie öffentliche Verkehrsmittel aus Angst vor einer Infektion meiden.

Mit einer selbst in Auftrag gegebenen Studie zum Infektionsgeschehen im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) wirbt die Branche um Fahrgäste während und nach der Corona-Krise. Demnach sei die Infektionsgefahr in Bussen und Bahnen nicht höher als im Individualverkehr, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) am Montag mit. Untersucht wurde der ÖPNV im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Um die Auftragsarbeit, federführend mitfinanziert von Baden-Württemberg und zehn weiteren Bundesländern, hatte der VDV die Charité Research Organisation gebeten. Das Institut ist ein Tochterunternehmen der Charité und führt vor allem klinische Studien durch.

Für die Untersuchung hatte das Institut 681 Teilnehmer ohne bisherige Corona-Infektion ausgewählt. Diese wurden im Februar und März dieses Jahres zufällig und in annähernd gleicher Zahl aufgeteilt auf den Individualverkehr. Nach der rund fünfwöchigen Testphase wurden die Probanden in beiden Gruppen auf Antikörper getestet - ein Zeichen für eine durchgemachte Corona-Infektion.

Ergebnis: Bei ungefähr gleich vielen Teilnehmern in jeder Gruppe konnten diese Antikörper nachgewiesen werden. Im ÖPNV waren demnach 325 Probanden unterwegs, von denen 12 im Anschluss positiv getestet wurden. Im Individualverkehr waren es 314, von denen 14 positiv waren. Daraus schließen die Autoren, dass das Infektionsrisiko im Alltag mit der Nutzung des ÖPNV nicht steigt. Einige Probanden waren während der Studie ausgeschieden, etwa weil sie geimpft wurden.

In der RMV-Region leben rund 5 Millionen Menschen in Großstädten, dem Rhein-Main-Ballungsgebiet und ländlicheren Gebieten in Hessen und Teilen von Rheinland-Pfalz. Während der Zeit der Untersuchung hatten die Busse und Bahnen des RMV den Angaben zufolge jedoch eine durchschnittliche Auslastung von nur 47 Prozent.


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"Für den RMV heißt das, dass die Branche von Anfang an die richtigen Maßnahmen getroffen hat", sagte eine Sprecherin zu den Ergebnissen der Studie und dem Hygienekonzept des Verkehrsverbunds. Zwar gehe aus den von den Probanden geführten Tagebüchern nicht hervor, ob sich in den Bussen oder Bahnen tatsächlich alle Fahrgäste an die Regeln und Maskenpflicht gehalten hätten. Die Ergebnisse bestätigten aber, dass es für die Fahrgäste im ÖPNV ebenso sicher sei wie im Individualverkehr.

Verkehrsministerin Schreyer erfreut

An der Finanzierung beteiligte sich unter anderem auch der Freistaat. Kerstin Schreyer, Bayerns Ministerin für Verkehr, freut das Ergebnis der Studie sehr. "Der Öffentliche Personennahverkehr hat sich in der Pandemie einmal mehr als Rückgrat der Mobilität erwiesen", so Schreyer. "Die Ergebnisse der Studie sorgen hoffentlich dafür, dass die Fahrgäste wieder Vertrauen in die Sicherheit des ÖPNV zurückgewinnen. Wir als Freistaat Bayern haben sehr viel getan, dass der ÖPNV so sicher wie möglich ist. Daher freut es mich sehr, dass diese Anstrengungen nun auch wissenschaftlich belegt sind."