Kommentar zur Lage der Partei

CSU nach der Bundestagswahl: Erfindet sich Söder nun neu?

Ralf Müller

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Bei der Landesversammlung der Jungen Union in Deggendorf bekam CSU-Chef Markus Söder (hier mit dem JU-Vorsitzenden Christian Doleschal) auch Kritik ab.

Bei der Landesversammlung der Jungen Union in Deggendorf bekam CSU-Chef Markus Söder (hier mit dem JU-Vorsitzenden Christian Doleschal) auch Kritik ab. © Armin Weigel, dpa

Viele Beobachter meinen, es sei die Strategie von CSU-Chef Markus Söder, nach der erwartbaren Niederlage von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet wie ein Phoenix aus der Asche zu steigen und vier Jahre später den Durchmarsch zum ersten CSU-Bundeskanzler zu schaffen. Derzeit sieht es nicht danach aus. Während in der Schwesterpartei kein Stein auf dem anderen bleibt, hat auch die Begeisterung für Alleinherrscher Söder in der CSU nachgelassen.


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Ein kleines Indiz dafür war das nicht ganz so strahlende Ergebnis bei der Wiederwahl Söders als Parteichef auf dem Nürnberger CSU-Parteitag, ein etwas größeres die Vorgänge auf der jüngsten Landesversammlung der Jungen Union. Ganz spurlos geht eben auch an Söder das schlechteste Bundestagswahlergebnis der CSU seit 1949 nicht vorbei - falscher Kanzlerkandidat hin oder her. Dass gerade für die Jungen in der CSU die Bundestagswahl keine Erfolgsgeschichte war, verbesserte die Stimmung gegenüber ihrem Ex-Vorsitzenden auch nicht gerade.

Nichts Neues in der Parteigeschichte

Was sich in der CSU noch sehr verhalten anbahnt, ist allerdings nichts Neues in der Parteigeschichte. Immer wenn sich CSU-Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt in einer Person vereinigten, versammelten sich erst einmal alle hinter dem starken Mann. So war es bei Edmund Stoiber, bei Horst Seehofer und jetzt eben auch bei Söder. Doch die Begeisterung lässt nach, sobald die Kette der Erfolge zu reißen scheint oder sich der Alleroberste Patzer leistet.

Im Falle von Markus Söder war diese Erfolgskette eigentlich noch gar nicht geknüpft. Seine in Umfragen gemessene Popularität hat sich bislang noch nicht in Wahlergebnissen niedergeschlagen. Vielmehr markieren die letzte Landtagswahl und erst recht die Bundestagswahl Tiefpunkte in der stolzen Geschichte der ehemaligen "50 Prozent plus X"-Partei.

In diesen Momenten fällt manchem auf, dass es mit dem Teamgedanken - obwohl dieser von Stoiber, Seehofer und Söder stets im Munde geführt - in Wirklichkeit nicht so weit her ist. Die CSU ist nach wie vor alles andere als eine basisdemokratische Veranstaltung. In wirklich wichtigen Angelegenheiten bestimmen stets der Partei- respektive viele Sub-Chefs - weniger Chefinnen -, wo es lang geht. Erst wenn Zweifel am Erfolg des Kurses aufkommen, mehren sich die Stimmen nach Mitsprache und es meldet sich so mancher zu Wort, der schon immer alles besser gewusst haben will. Genau in dieser Phase befindet sich die CSU derzeit: Kein Aufstand, aber doch ein Hauch von Götterdämmerung.

Noch nicht dramatisch

Dramatisch ist die Lage für Söder freilich noch lange nicht. Er besitzt den Vorteil der Lernfähigkeit und kann sich immer wieder neu erfinden - anders als der gescheiterte Unions-Kanzlerkandidat. Aber er wird von seiner eigenen Parteibasis in Zukunft wohl auch etwas kritischer beobachtet werden als zu den Zeiten, in denen er als beliebtester Politiker von allen und geborener Kanzlerkandidat galt. Das ist jetzt erst einmal vorbei.

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