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Dehoga-Chefin zu Lauterbach: "Ich platze gleich"

SPD-Gesundheitsexperte will die Gastronomie im Innenbereich nicht öffnen - 08.03.2021 14:33 Uhr

Karl Lauterbach gehen die Entschlüsse des Bundes in großen Teilen zu weit. 

04.03.2021 © Frederic Kern via www.imago-images.de, imago images/Future Image


"Lockern auf Probe - wohin führt der Strategiewechsel in der Pandemiepolitik?", so lautete das Thema für die sonntägliche Debatte bei "Anne Will", zu der neben dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, auch die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern), Angela Inselkammer, geladen war. Und die beiden waren keineswegs einer Meinung.

Zuerst rückte auch Anne Will die Diskussion in eine bestimmte Richtung. So sagte sie zu Beginn: "Drei Anti-Corona-Maßnahmen bräuchte es, um sicher lockern zu können: Impfen, Testen, digitale Kontaktnachverfolgung. Allein alle drei Maßnahmen haben wir nicht; zumindest nicht in ausreichendem Maße". Dennoch hätten Bund und Länder die Maßnahmen gelockert - und das obwohl das Infektionsgeschehen dazu keinen Anlass gegeben habe.

Epidemiologe Lauterbach war von den Beschlüssen keineswegs begeistert, sondern twitterte: "Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass mit diesem Beschluss die dritte Welle langsam anläuft." Diese Ansicht widerholte Lauterbach dann auch in der Talkshow: "Ich hätte keine Öffnungen zugelassen, solange nicht die Teststrategie auch umgesetzt wäre."

Lauterbach: Wäre gerne der einzige Berater von Merkel

Auch mit den Impfungen sei man spät dran. Vielmehr habe man durch die Maßnahmen jetzt zwei "schwierige Nachrichten": Die Lockerungen würden nie zu etwas führen, weil die Fallzahlen derzeit stiegen, so Lauterbach. Grund dafür seien unter anderem die Mutanten. Zudem würden die Menschen durch die Lockerungen dazu animiert, sich unvorsichtiger zu verhalten. "Eine unglückliche Beschlusslage", findet Lauterbach, "die man schwer vertreten kann." Die dritte Welle könne man so nicht aufhalten, so sein Fazit.


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Ganz anders sieht es allerdings Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer. Sie wird von Moderatorin Will auf den Plan des Bundes angesprochen, wonach am 22. März möglicherweise die Außengastronomie wieder öffnen darf. "Wenn Sie das als Perspektive bezeichnen, finde ich das erstaunlich." Es gehe zum einen nur um die Außengastronomie, zum anderen sei der Plan auch nicht sicher. Wirtschaftlich sei das eine Katastrophe. "Ich bin der Überzeugung, dass unsere Branche die Sicherheit gewährleisten könnte. Wir haben ausgefeilte Hygienekonzepte." Die Verzweiflung sei groß. Privat würde man lockern, aber in sicheren Bereichen wie der Gastronomie gebe es keine Lockerungen, so ihre Kritik.

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Lauterbach hielt dagegen: Laut einer neusten Studie führe die Öffnung der Gastronomie mit einer zeitlichen Verzögerung dazu, dass zuerst die Fallzahlen und dann die Todeszahlen steigen würden. Grund hierfür sei vor allem der geschlossene Raum, in dem sich das Virus viel schneller verbreiten könnte. Doch damit war die Debatte zwischen den beiden längst nicht zu Ende; auch weil Lauterbach - angesprochen auf einen Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel - Folgendes sagte: "Da müssen Sie sie selbst fragen. Ich bin nicht der einzige Berater von ihr. Ich wünschte ich wär der einzige."

Deutliche Worte von der Dehoga-Chefin

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff konterte schnell: "Wir glauben, wir alle wünschen uns das nicht." Als Lauterbach und die anderen Gäste dann erneut über den Stufenplan diskutierten, wurde sie erneut deutlich: "Ich platze gleich." Sie wünsche sich, dass Hotel- und Gastronomiebetriebe nicht als Freizeitbereich "in die hinterste Schiene geschoben werden, sondern wir sind ein systemrelevanter Wirtschaftsbereich mit über zwei Millionen Mitarbeitern". Da hänge viel dran. "Wir können nicht bis Sommer warten, dann sind wir alle hin."

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ankl

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