Deutsch-Türkisches Filmfestival steht auf der Kippe

14.1.2014, 16:00 Uhr
Szene aus dem Film

Szene aus dem Film "Der letzte Mentsch", den Mario Adorf (re.) zur Eröffnung des Nürnberger Filmfestivials Türkei/Deutschland am 13. März präsentiert. © Henning Kaiser/dpa

Mit ähnlichen Worten habe er auch Oberbürgermeister Ulrich Maly und Bayerns Finanzminister Markus Söder Mitte Dezember schriftlich über die prekäre finanzielle Lage des Festivals informiert. Obwohl laut Kaya beide bereits im Sommer signalisierten, dass man sich um eine Lösung bemühen wolle, steht eine Reaktion auf das vorweihnachtliche Alarmschreiben bislang aus.

Dabei sind die finanziellen Nöte nicht neu. Seit die Robert-Bosch-Stiftung, die 2004 mit einem Budget von 100000 Euro als Hauptsponsor einstieg, sich sukzessive wieder aus der Förderung zurückgezogen hat und 2012 letztmals 50000 Euro gab, hat sich die Situation zugespitzt. Zwar stockte der Freistaat seine Fördergelder von 20000 auf 25000 Euro auf, auch das türkische Kulturministerium in Ankara erhöhte seinen Anteil von 30000 auf 50000 Euro. Und die Stadt Nürnberg gibt ziemlich konstant 43000 Euro sowie fast noch einmal so viel an Sachleistungen.

Dickes Minus

Doch die fehlende Bosch-Förderung kann damit nicht ausgeglichen werden. Seit zuletzt auch eine Essener Stiftung den Veranstaltern kurzfristig eine Absage erteilte, steht schon jetzt fest, dass die 19. Festivalausgabe ohne weitere Hilfe von Stadt und Freistaat erneut ein dickes Minus einfahren wird. Auf 57000 Euro veranschlagt es Kaya, notfalls wird er es, wie schon 2013, aus eigener Tasche begleichen müssen.

„Wir sind das größte Festival weltweit, das dem Publikum deutsche und türkische Filme im direkten Vergleich präsentiert. Dabei arbeiten wir fast ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften“, betont Kaya. Große Anerkennung gibt es dafür zuhauf von allen Seiten. Die Stadt lobt das Festival regelmäßig als „Leuchtturmprojekt“, dessen Bedeutung für den interkulturellen Dialog gar nicht hoch genug einzuschätzen sei.

Festivalchef Adil Kaya.

Festivalchef Adil Kaya. © dpa



Auch lockt das Festival, das 1992 unter dem Titel „Türkische Filmtage“ begann, heute in der Mehrzahl ein hochinteressiertes deutsches Publikum an. Ebenso ist das Renommee bei den deutschen Filmemachern enorm gestiegen. Und in der Türkei gilt Nürnberg längst als wichtigste Plattform für den türkischen Film außerhalb des Landes. Entsprechend prominent sind die Gäste – Regisseure, Schauspieler, Produzenten, Kulturschaffende aller Sparten –, die jedes Jahr anreisen.

Letztlich hat sich das Festival damit als Erfolgsprojekt auf ganzer Linie erwiesen. Dennoch denken Kaya und Programmleiterin Ayten Akyildiz angesichts der prekären Finanzlage ans Aufhören. „Wir wollen nicht ewig die Bittsteller sein. Das Festival hat eine solide Grundfinanzierung verdient“, betonen beide. Nachdem bereits der Dokumentarfilmwettbewerb gestrichen und das Rahmenprogramm kräftig reduziert wurde, würden weitere Einsparungen bedeuten, dass man auf das Format der einstigen „Türkischen Filmtage“ zurückfalle. „Das wollen wir nicht“, so Akyildiz. Und dass das KunstKulturQuartier als Mitveranstalter das Festival in Eigenregie übernehmen könnte, hält KuKuQ-Leiter Matthias Strobel für ausgeschlossen.

Kein Plan B

„Wir haben keinen Plan B in der Tasche“, so Strobel, der es „jammerschade“ fände, „wenn das Festival den Bach runterginge“. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um Zuwanderung, Migration und kulturelle Öffnung sei es enorm wichtig. Dass die Veranstaltung – ähnlich wie das Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte – „völlig unterfinanziert ist“, steht für ihn außer Frage. Strobel sieht angesichts der deutschlandweiten Strahlkraft beider Festivals deshalb vor allem den Freistaat, aber auch den Bund in der Pflicht.

Im bayerischen Finanzministerium war gestern nur die Pressestelle zu erreichen. Minister Söder habe die Anfrage von Adil Kaya an das für die Filmförderung zuständige Wirtschaftsministerium weitergeleitet, mehr konnte Pressesprecherin Tina Dangl nicht dazu sagen. Oberbürgermeister Ulrich Maly wunderte sich zwar über den „Alarmismus“ seitens der Veranstalter. Doch sicherte er auf Anfrage dieser Zeitung zu, dass die Stadt bereit sei, für das Festival noch etwas mehr Geld zu geben. Allerdings sieht auch Maly vor allem den Freistaat gefordert. „Der Komplett-Bürge für die ausgefallenen Bosch-Gelder können wir nicht sein.“

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