Jahresende 2021 ähnelt dem Vorjahr

Es geht nicht anders: Nächste Ausfahrt Lockdown

SamSon: Harald Baumer
Harald Baumer

Berlin-Korrespondent der NN

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28.11.2021, 12:52 Uhr
Geisterstädte - eine Aufnahme vom Lockdown in den Niederlanden.

Geisterstädte - eine Aufnahme vom Lockdown in den Niederlanden. © via www.imago-images.de, imago images/ANP

Wer nur ein wenig aufmerksam zuhört bei dem, was Fachleute aus Politik und Medizin seit einigen Tagen von sich geben, und wer sich zudem die aktuellen Zahlen der Pandemie ansieht, dem muss klar sein: Wir steuern auf einen Lockdown zu. Ein dramatisches Herunterfahren der Kontakte ist nicht mehr zu vermeiden.

Unterwegs dahin sind wir ohnehin schon seit einiger Zeit. Viele Menschen bleiben freiwillig zu Hause und beschränken ihre Begegnungen auf das Nötigste. Die Masse ist da sensibler als manche Entscheider in der Politik. 2G-Plus-Regelungen tragen ein weiteres zum Rückzug der Veranstaltungsbesucher dazu bei, weil viele die Umstände des Testens scheuen. Einiges wurde sowieso schon gestrichen, siehe die Weihnachtsmärkte.

Krasse Gegenbeispiele wie volle Fußballstadien, in denen weder Abstand noch Maskenpflicht eingehalten werden, bringen die regeltreue Bevölkerung zu Recht auf die Palme. Diese erschreckenden Bilder sind ein Beleg dafür, dass man nicht nur auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen vertrauen kann.

Risiko Omikron

Die neue, möglicherweise sehr gefährliche Omikron-Variante ist ein weiteres gewichtiges Argument für einen Lockdown. Sie ist bereits in Deutschland angekommen und dürfte sich im Dezember stark verbreiten. In Südafrika, wo die Infektionszahlen lange auf niedrigem Niveau lagen, verbreitete sich Omikron ungewöhnlich rasch. Keiner weiß genau, wie weit unser Impfschutz dagegen Stand halten kann.

Die geschäftsführende Kanzlerin warnte vor einer „Lage, die alles übertreffen wird, was wir bisher hatten“. Der kommende Kanzler spricht von „neuen dramatischen Herausforderungen“ und will „nichts“ mehr ausschließen, also auch nicht Impfpflicht und Lockdown. Der Bundespräsident bittet alle Deutschen um sofortige Kontaktreduzierung. Er ging mit gutem Beispiel voran und sagte eine Dienstreise ab.

Und die Verweigerer, die Impfgegner, die Verfechter der Freiheit? Wenn sie nicht einmal durch die Flugtransporte beatmeter Corona-Patienten quer durch die Republik zu beeindrucken sind, dann kann man ihnen wirklich nicht mehr helfen - und sollte schon gar nicht mehr auf sie hören.

„Alles dicht“ geht nicht

“Lockdown“ muss übrigens nicht bedeuten, dass alles geschlossen wird, was geschlossen werden kann. Der Begriff macht Angst und ist verwirrend. Es bleibt immer noch die Entscheidung der Politik, welche Bereiche sie komplett dicht macht und welche sie nur reduziert. Das Gemeinwesen muss ja noch funktionsfähig bleiben.

Die Wahrheit ist jedenfalls: Wir gehen einem unschönen Jahresende entgegen. Es wird ähnlich werden wie vergangenes Jahr, dank der Impffortschritte und der wieder angelaufenen Massentestens vielleicht minimal entspannter. Einziger Trost: Inzwischen wissen wir aus Erfahrung, dass es auch wieder besser wird.