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Experten: Auswirkungen der Corona-Krise schädlich für Kinder

Notbetreuung richtet sich nicht nach ihren Bedürfnissen - 14.05.2020 19:32 Uhr

Für viele Kinder und Jugendliche ist die Corona-Krise eine außerordentliche Belastungssituation.

© Patrick Pleul/dpa, NN


Für viele Kinder und Jugendliche ist die Corona-Krise eine außerordentliche Belastungssituation. Der Staat habe die Kinder und ihre Grundbedürfnisse zu wenig im Blick, kritisierte Jens Tönjes vom Kinderschutzbund in einem Fachgespräch des Sozialausschusses am Donnerstag in München. Kinder seien nicht gefragt worden, welche Bedürfnisse sie in dieser Zeit haben.

Als Beispiel nannte er: "Der Zugang zur Notbetreuung richtete sich - jedenfalls in der Vergangenheit - ausschließlich nach den Berufen der Eltern, nicht aber nach den Bedürfnissen der Kinder."

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Auch die Familien würden in ihrer Bedeutung und in ihrer Belastung zu wenig gesehen, sagte Tönjes. "Sie erleben, dass große Schutzschirme aufgespannt werden über die Wirtschaft, sie selber aber in ein finanzielles Nichts fallen, wenn sie daheim wegen Kinderbetreuung an der Arbeit gehindert sind."


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Für Kinder, die in Familien leben, "die auch an Wochenenden und in Ferienzeiten ein gutes familiäres Miteinander gestalten können", sei die Situation nicht grundsätzlich belastender, erläuterte Fabienne Becker-Stoll vom Staatsinstitut für Frühpädagogik.

Kinder sind keine "Virenschleudern"

Der Druck für vorbelastete Familien sei hingegen hoch, meinte der Ärztliche Direktor des kbo-Kinderzentrums Münchens, Volker Mall. Und dieser Druck werde in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter zunehmen. Selbst Kleinstkinder und Säuglinge seien von den Beschränkungen betroffen, wenn auch nur indirekt über die Belastung ihrer Eltern. Und die werde in den nächsten Monaten in vielen Bereichen nicht abnehmen, so Mall.

Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen wurden wegen der Corona-Pandemie in Bayern am 16. März geschlossen. Seitdem müssen zumindest die Kleinsten zu Hause bleiben. Denn anders als beim Schulbetrieb bleiben Kita und Co weiterhin geschlossen - außer für die Notbetreuung.


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"Drei Monate mit Einschnitten sind im Leben eines Kindes eine lange Zeit", erklärte die Vorsitzende des Sozialausschusses, Doris Rauscher (SPD). Das beträfe nicht nur die Bereiche Bildung und Gesundheit, sondern auch die sozialen Kontakte, den Aufbau von Vertrauen und Nähe zu Bezugspersonen sowie die gesamte kindliche Entwicklung. "Hier müssen wir genau hinschauen, damit im Trubel der Krise kein Kind zu kurz kommt", so Rauscher.

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"Kindheit findet ab jetzt daheim statt", sagte Tönjes. Diese Sicht führe auch gesellschaftlich zu einer Stigmatisierung von Kindern. "Vielleicht ist Ihnen das in der Praxis einmal aufgefallen: Kinder sind besonders gefährlich! Um Kinder muss man einen großen Bogen machen, denn sie verteilen vielleicht viel mehr Viren als andere", berichtete er persönliche Beobachtungen. Nach allem, was man jetzt wisse, seien Kinder allerdings keine "Virenschleudern", betonte auch Kinderärztin Nina Sellerer.


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dpa

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