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Experten fordern besseres Nahverkehrsnetz für Bayern

Verbilligte Tickets sehen sie hingegen skeptisch - 25.06.2019 19:24 Uhr

Experten klagen, dass es zu wenig Verkehrsverbünde im Freistaat und zu wenig Angebot im ländlichen Raum gebe. © Jan Woitas/dpa


Auf dem Land fahren am Abend und am Wochenende gar keine oder wenige Busse, in Nürnberg und München wird es in den Bahnen dagegen zu Stoßzeiten richtig eng für Fahrgäste. Fachleute sind sich einig: Der öffentliche Nahverkehr in Bayern hat großen Nachholbedarf. Bei einer Expertenanhörung des Verkehrsausschusses des Landtags in München kritisierten sie am Dienstag, dass es zu wenig Verkehrsverbünde im Freistaat und zu wenig Angebot im ländlichen Raum gebe. Die Lösung sei ein breiter und zügiger Ausbau des Angebots - auf der Straße und den Schienen. Die Tickettarife und die Fahrpläne im Freistaat kamen bei den Stellungnahmen der Experten überwiegend nicht gut weg.

Der Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV), Bernd Rosenbusch, fand deutliche Worte zur Situation abseits der großen Verbünde: Südlich von München, "hinter Holzkirchen beginnt die ÖPNV-Diaspora" - weniger Buslinien, keine abgestimmten Fahrpläne und unterschiedliche Ticketpreise pro Strecke. "Unsere Tarife, die wir heute haben, sind mit Ausnahme des Bayern-Tickets nicht einfach." Er sprach sich für eine Vereinheitlichung aus.


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Auch Florian Liese von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) forderte, dass Bus- und Bahnverbindungen auf dem Land besser aufeinander abgestimmt werden müssten. Bislang gebe es dort keine gemeinsame Planung des Fahrplans. Zwischen Bahn und Bus dürfe es keine Konkurrenz geben.

Stephan Kroll, Berater für Nahverkehr aus Heidelberg, sagte, das ÖPNV-Angebot in Bayern sei "deutlich schlechter als in anderen Bundesländern". Bei der Abdeckung des Freistaats mit Verkehrsverbünden gebe es noch hinlänglich weiße Flecken. Dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen Bayern (VDV), Robert Frank, zufolge sind beim Ausbau der Verbünde vor allem die Kosten und hohe rechtliche Anforderungen die Hürden.

Die Experten sprachen sich dafür aus, Planungs- und Finanzierungsverfahren zu vereinfachen. "Es muss im Bereich der Planung Zeit eingespart werden", sagte Liese von der BEG. Thomas Braun vom Bayerischen Obersten Rechnungshof warnte aber davor, die Verfahren zu schnell zu beschleunigen. Es brauche die notwendige Aufmerksamkeit, damit keine Fehler entstünden, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme der Behörde.

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Aus Sicht der Fachleute brauche es in allen Regionen ein einfacheres Tarifsystem, das von der Staatsregierung geplante 365-Euro-Ticket aber fand wenig Zustimmung. Der Geschäftsführer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Ingo Wortmann, sagte: "Man muss erst das Angebot ausbauen." Erst dann könne man über verbilligte Tickets sprechen. Frank vom VDV erklärte, ein 365-Euro-Ticket sei nicht geeignet die Verkehrswende herbeizuführen.

Der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) kritisierte, dass in den vergangenen Jahren staatliche Gelder gekürzt wurden. Es sei mehr über Einsparungen als über den Ausbau des Nahverkehrs gesprochen worden, sagte Monika Steffen von der LBO-Geschäftsführung. MVV-Geschäftsführer Rosenbusch sah bei der Finanzierung des zukünftigen Ausbaus keine Notwendigkeit, Steuern zu erhöhen oder spezielle Abgaben wie einer City-Maut einzuführen.

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Vielmehr sollten im staatlichen und den kommunalen Haushalten die Prioritäten vielmehr auf den ÖPNV gelegt werden. Um in den Stoßzeiten völlig überfüllte S- und U-Bahnen zu verhindern, forderte Rosenbusch eine Entzerrung des Pendlerverkehrs. Eine Idee dafür sei, den Schulbeginn zu verlegen.

 

dpa

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