Fotos weg, Münzen bestellt: Burkerts PC im Bundestag gehackt

11.6.2015, 17:43 Uhr
Der Nürnberger Sozialdemokrat Martin Burkert wurde Opfer der Hacker im Bundestag.

Der Nürnberger Sozialdemokrat Martin Burkert wurde Opfer der Hacker im Bundestag. © Eduard Weigert

"Von meinem Account sind offenbar Münzen, Briefmarken und Modellautos bestellt worden, die mir dann auch per Post zugeschickt wurden", sagte Burkert der Nürnberger Zeitung (NZ). Den Schaden hat er noch am selben Tag gemeldet, sein Computer und die Software seien am 5. Juni ausgetauscht worden.

Am Mittwoch, 3. Juni, also wurde Burkerts PC gehackt, das war vor einer Woche und einem Tag (Stand: Donnerstag, 11. Juni). Hier kommt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ins Spiel, der einen ganz anderen Zeitraum nennt. Bei der Cyber-Attacke gegen den Bundestag seien in den vergangenen zwei Wochen keine Daten mehr abgeflossen, teilte Lammert am Donnerstag den Abgeordneten nach einer Sitzung des Ältestenrats in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Mail mit.

Dies hätten die Ermittlungen des Bundesamts für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Bundestagsverwaltung ergeben. "Das bedeutet nicht, dass der Angriff endgültig abgewehrt und beendet wäre", ergänzte Lammert.

Ärgerlich für Burkert: "Ich musste alle Passwörter austauschen und mich bei Facebook neu anmelden." Darüber hinaus seien zehn Prozent aller Fotos, die auf seinem Computer gespeichert waren, futsch. "Zum Glück waren da keine Anmeldelisten von Besuchern dabei."

Inwieweit Daten endgültig verloren gegangen sind, kann Burkert noch nicht sagen. Jedenfalls sei er der Meinung, dass der Grad an Sicherheit im Bundestagsnetzwerk zu wünschen übrig lasse. Es wäre dramatisch, wenn auch sicherheitsrelevanter E-Mail-Verkehr betroffen sei. Burkert hat schon eine Konsequenz gezogen: "Ich telefoniere jetzt nur noch mit meinem persönlichen Handy, dessen Nummer kaum jemand kennt."

Wöhrl kritisiert Bundestagsverwaltung

Das beherzigt die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl bereits seit längerer Zeit. "Ich verwende seit Jahren nur meinen eigenen Laptop und mein eigenes Tablet, die nicht mit dem Netzwerk des Bundestags verbunden sind“, sagte sie der NZ. Deshalb blieb Wöhrl beim neuesten Hacker-Angriff auch verschont.

Dennoch äußerte sie via Twitter Unzufriedenheit über die Informationspolitik des Bundestags:

Ähnlich sieht das die SPD-Bundestagsabgeordnete für Nürnberg-Nord, Gabriela Heinrich, die in der NZ ebenfalls Kritik an der Bundestagsverwaltung übte. "In meinen Büros gab es in den letzten Tagen schon die einen oder anderen Computerprobleme. Die Rechner arbeiten teilweise sehr langsam und sind auch schon mal zwischenzeitlich abgestürzt." Dass alle Computer ausgetauscht werden sollen, habe sie über die Zeitung erfahren.

Lahme Rechner beobachtet auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Frieser. "Meine IT läuft merklich langsamer", sagt Frieser der NZ. "Das ist aber sicherlich den laufenden Aufräumungsarbeiten geschuldet. Von großen Beeinträchtigungen kann ich deshalb nicht sprechen."

Hinweise auf Russland verdichten sich

Hinter der bisher größten Cyberattacke auf den Deutschen Bundestag steckt möglicherweise Moskau. Hinweise, die auf Russland als Ursprungsland des Angriffes deuteten, hätten sich verstärkt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin aus mehreren Quellen. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sagte am Rande einer Konferenz zur Cybersicherheit in Potsdam, er habe die Sorge, „dass es sich um einen Cyberangriff eines ausländischen Nachrichtendienstes handelt“.

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