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Harter Lockdown oder nicht? Diese Optionen sind im Gespräch

Armin Laschets Vorstoß löste Irritationen aus, dazu kommt Spott im Netz - 07.04.2021 10:33 Uhr

Aktivisten haben in Stuttgart ein Plakat aufgehängt, das darauf schließen lässt, dass sie von einem Lockdown wenig halten.

05.04.2021 © Michael Weber/imago images


Nun soll es also ein "Brücken-Lockdown" richten. Dieser soll nach den Vorstellungen von CDU-Chef Armin Laschet zwei bis drei Wochen dauern – damit will er die Corona-Gefahren weiter eindämmen. Er spricht von einer Brücke, weil die Zahl der Impfungen, da auch die Hausärzte impfen dürfen, deutlich anziehen dürfte. Es sei absehbar, "dass schon in ganz kurzer Zeit 20 Prozent, danach 30, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft ist", sagte der NRW-Ministerpräsident. Experten würden nun empfehlen, diese Zeit zu überbrücken und das öffentliche Leben bis dahin zu reduzieren, legte er dar.

Damit rannte er bei seinen Länderchef-Kollegen Markus Söder (Bayern) und Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) offene Türen ein. Die beiden hatten in einem Brief die 14 anderen Länderchefs aufgefordert, die Notbremse konsequent zu ziehen – inklusive nächtlicher Ausgangsbeschränkungen.


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Bei anderen Länderkollegen löste Laschets Vorstoß indes Erstaunen aus. Der Vorschlag werfe viele Fragen auf, sagte etwa Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller dem ARD-Hauptstadtstudio. "Ein Brücken-Lockdown für eine Übergangszeit und dann mit welchen Maßnahmen? Und das soll so lange gelten, bis viele Menschen geimpft sind. Was heißt das alles?"

Er glaube, da seien viele Überlegungen bei Laschet noch nicht abgeschlossen, sagte Müller, zurzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK). Insofern mache eine vorzeitige MPK jetzt auch keinen Sinn, ließ er wissen. Eigentlich wäre der nächste Corona-Gipfel zwischen Bund und Länder für den 12. April geplant.


Kommentar: Wieder einmal schwenkt Laschet um


Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte derweil dem Spiegel, man könne gerne jederzeit zusammenkommen. "Aber da muss auch vorher was auf dem Tisch liegen, was wir dann auch wirklich gemeinsam beschließen und vor allem auch alle umsetzen", betonte der Linken-Politiker. "Die aktuellen Wortmeldungen sind wieder Stückwerk und von Hektik geprägt."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte unlängst durchblicken lassen, dass sie härtere und vor allem bundesweit einheitliche Maßnahmen für weitaus effektiver hielte als die derzeit geltenden Regelungen, die von Bundesland zu Bundesland, oft sogar von Landkreis zu Landkreis, voneinander abweichen. Vier Maßnahmen sind im Gespräch, die schon bald alle Deutschen treffen könnten – das will zumindest die Bild-Zeitung aus Berlin erfahren haben. Unterm Strich bedeutete dies einen verhältnismäßig harten Lockdown.

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Der Berliner Virologe Christian Drosten hält das für unausweichlich. "Wir werden um einen ernsthaften Lockdown nicht herumkommen", sagt er dem Spiegel. Man habe in Paris und London gesehen, dass ein Teillockdown gegen die aggressivere Virusvariante nicht durchgreife. "Die Inzidenz ist dort immer weiter gestiegen wie auch die Zahl der schweren und oft auch tödlichen Krankheitsverläufe."

Wissenschaftlerin reagiert mit Wut

Noch einen Schritt weiter ging die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann. Sie glaubt, wenn alles so weiterlaufe wie bisher, "wird jeder in seinem ganz direkten Umfeld Menschen kennen, die im Krankenhaus waren, gestorben sind, unter Langzeitschäden leiden". Sie sei wütend, dass nicht früher reagiert worden sei auf die Warnungen der Wissenschaft. "Wir könnten jetzt schon bei Zehner-Inzidenzen sein, wenn die Politiker bei der Bund-Länder-Konferenz im Januar ernst genommen hätten, was wir ihnen gesagt haben." Innerhalb von vier Wochen bekomme man die Zahlen massiv runter, wenn die Menschen kaum Kontakte hätten. "Je stärker alle auf die Bremse treten, desto kürzer währt der Lockdown."

Die Hälfte der Bundesbürger hätte damit offenbar kein Problem. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 47 Prozent dafür aus, den bestehenden Lockdown zu verschärfen. Dagegen sind nur 30 Prozent für eine Lockerung oder Abschaffung der Einschränkungen. 17 Prozent meinen, sie sollten so bleiben wie sie sind.

Für die ins Gespräch gebrachten vorgezogenen Beratungen über mögliche weitere Verschärfungen der Corona-Beschränkungen gibt es bislang noch keinen Termin. Der Bund sei immer bereit, zu beraten, wenn es sich als erforderlich erweise, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Eine solche Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mit Kanzlerin Merkel müsse aber gut vorbereitet sein, so dass bereits vorher im Wesentlichen klar sei, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Eine schnell anberaumte MPK mit völlig unterschiedlichen Vorstellungen zwischen den Ländern dürfe es nicht noch einmal geben, hieß es weiter.

Häme und Humor

Ob es eine eilends einberufene MPK richten kann, daran zweifeln viele. Gleichzeitig hat die Netzgemeinde mit Humor auf Laschet Vorstoß zu einem Brücken-Lockdown reagiert. Unter dem Hashtag "#Laschethatnachgedacht" posteten Twitter-Nutzer massenhaft Bilder von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der den Kopf schüttelt oder von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die lacht. Andere Tweets zeigen einstürzende Brücken, Brücken, die ins Nichts führen oder Menschen, die von Brücken springen.

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