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Hat Guttenberg einen Ghostwriter beschäftigt?

Die SPD argwöhnt, der Minister habe Teile seiner Doktorarbeit nicht selbst verfasst - 19.02.2011 16:10 Uhr

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Karl-Theodor zu Guttenberg: Höhen und Tiefen einer Karriere

Jahrelang lächelte er sich in die Herzen deutscher Schwiegermütter, dann zwang die Plagiatsaffäre den Vorzeigeminister zu Guttenberg in die Knie. Eine Karriere, erst steil bergauf, dann steil bergab - wir zeigen Ihnen die Bilder.


Der Druck auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wächst. Laut „Spiegel“ hat Guttenberg eine Ausarbeitung vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beinahe unverändert in seine Doktorarbeit übernommen, die er als CSU-Abgeordneter selbst in Auftrag gegeben hatte. Die SPD verdächtigt Guttenberg, sein Mandat missbraucht und Auftragsschreiber - sogenannte Ghostwriter – eingesetzt zu haben.

Der Minister bekräftigte, dass er im Amt bleiben will. Nach dem Angriff auf die Bundeswehr in der Afghanistan schweben immer noch zwei deutsche Soldaten in Lebensgefahr. Guttenberg wird zur Last gelegt, zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit aus Werken anderer Autoren kopiert zu haben. Im Internet werden inzwischen rund 120 Stellen aufgelistet. Laut „Spiegel“ soll Guttenberg zudem 2004 beim Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine Ausarbeitung zum Gottesbezug in der US-Verfassung in Auftrag gegeben und das 20 Seiten starke Papier fast vollständig in seine Dissertation eingefügt haben – obwohl Abgeordnete den Dienst nur für mandatsbezogene Arbeit nutzen dürfen.

Die SPD forderte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zu einer raschen Klärung des Vorgangs auf. „Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern in der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden“, erklärte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. „Die Öffentlichkeit hat Anspruch darauf zu erfahren, ob der Wissenschaftliche Dienst zu Privatzwecken eingesetzt wurde und Guttenberg seine Promotion auf Kosten der Steuerzahler geschrieben hat.“ Guttenberg hatte in seiner Promotionsarbeit den Wissenschaftlichen Dienst als Sekundärquelle für eigene Vorträge zitiert, an einer Stelle auch als Primärquelle. Noch am Mittwoch hatte er betont: „Sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meines Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu.“

Guttenberg lässt Doktortitel ruhen

Guttenberg hatte am Freitag in der Plagiatsaffäre erstmals Fehler eingeräumt und sich entschuldigt. Seinen Doktortitel will er bis zum Abschluss der Untersuchungen der Universität Bayreuth ruhen lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stärkte ihm den Rücken. „Er hat das Notwendige gesagt. Ich stehe zu der Arbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg und zu ihm als Persönlichkeit“, sagte die CDU-Vorsitzende im Südwestrundfunk. Guttenberg selbst bekräftigte, dass er im Amt bleiben will. Dem „Focus“ sagte er auf die Frage, ob er seit Bekanntwerden der Vorwürfe mal an Rücktritt gedacht habe: „Unsinn!“ Die drei deutschen Soldaten, die am Freitag bei dem Angriff auf das Feldlager in der afghanischen Unruheprovinz Baghlan getötet worden waren, werden nach Angaben der Bundeswehr am Montag nach Deutschland gebracht. Zuvor soll eine Trauerfeier im Einsatzgebiet stattfinden, wahrscheinlich im Hauptquartier in Masar-i-Scharif. Später ist eine zentrale Trauerfeier auch in Deutschland geplant.

Die Verwundeten sollen noch an diesem Sonntag mit einem Lazarett-Airbus der Luftwaffe zurückgeflogen werden. Zwei von ihnen befinden sich noch immer in kritischem Zustand. Das afghanische Verteidigungsministerium kündigte die Einsetzung einer hochrangigen Delegation zur Untersuchung der Vorfälle an. Vertreter der Taliban bestritten jede Verbindung zu dem Todesschützen. Die Bundesregierung will trotz des Angriffs an der Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee festhalten. Guttenberg warnte davor, das sogenannte Partnering jetzt infrage zu stellen. Wer dies tue, spiele dem Gegner in die Hände.

dpa

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