Dienstag, 19.01.2021

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“Heiliger Krieg“ am Heiligen Abend

Radikale Imame predigen rund um die Weihnachtstage bei “Islam-Seminaren“ - 01.12.2010 20:00 Uhr

Diese Deutschen bereiten sich bereits auf den für sie "Heiligen Krieg" vor, andere könnten noch folgen.

01.12.2010 © dpa


Die Prediger befürworten unter anderem die Einführung der Scharia, rechtfertigen also etwa Steinigungen bei Ehebruch. Einige legitimieren auch die Teilnahme am bewaffneten “Heiligen Krieg“ und verherrlichen den Märtyrertod. Sicherheitsexperten rechnen diese Vorbeter dem sogenannten Salafismus zu, der am schnellsten wachsenden radikalen Strömung des Islam.
 
Verfassungsschützer und Beobachter fürchten, dass sich moderate Muslime in den Seminaren radikalisieren könnten. “Indem die Salafiten die Seminare gerade zu Weihnachten veranstalten, richten sie sich auch gezielt an deutsche Konvertiten. Sie wollen verhindern, dass diese sich zu Weihnachten auf ihre Familien und deren Werte zurück besinnen“, sagt die Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur.

Das wohl größte Seminar findet vom 24. bis 26. Dezember in der Berliner Al-Nur-Moschee statt. Dabei werden unter anderem der rheinländische Konvertit Pierre Vogel und der Berliner Imam Ferid Heider auftreten. Besonderes Aufsehen dürfte der Auftritt des früheren Rappers Deso Dogg hervorrufen, der seit einiger Zeit unter dem Namen Abou Maleeq auftritt und als fundamentalistischer Muslim gilt. “Es bestätigt sich, dass die salafistische Szene versucht, junge Leute auch mit Musik für ihre Ideologie zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Berliner Verfassungsschutzes der dapd.
 
Vogel, der auch unter dem Namen Abu Hamza auftritt, gilt als populärster salafistischer Prediger Deutschlands. Er war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, als er bei einer Ansprache in Mönchengladbach Kanzlerin Angela Merkel riet, in Problemvierteln in Berlin-Neukölln die Scharia einzuführen. Vogels Ansichten gelten als integrations- und verfassungsfeindlich. Gewalt und Terror lehnt hat der ehemalige Boxer allerdings immer ausdrücklich abgelehnt.

Märtyrertum wird verherrlicht
 

 
In der Al-Muhsinin-Moschee in Bonn werden vom 31. Dezember bis zum 1. Januar dagegen Prediger sprechen, die Gewalt im Namen des Islam legitimieren. Sie gehören zur Gruppe “Die wahre Religion“, die in Sicherheitskreisen als besonders radikal gilt. Der Prediger Abu Abdullah etwa, der bei dem Seminar dabei sein wird, verherrlichte in einer im Internet verbreiteten Ansprache den Märtyrertod: “Wenn der erste Bluttropfen seinen Körper verlassen hat, hat Allah ihm alle seine Sünden vergeben. Warum? Allahu Akbar! Weil er hat alles gegeben für Allah.“
 
Auch der Kopf der Gruppe, Ibrahim Abou Nagie, der ebenfalls bei dem Seminar sprechen wird, verherrlicht das Märtyrertum und sprach sich immer wieder für die Einführung der Scharia aus: “Wenn ein Mensch Unzucht begangen hat, der nicht verheiratet ist, der muss ausgepeitscht werden. Wenn jemand verheiratet ist und Unzucht begeht, der muss gesteinigt werden. Das sind Allahs Gesetze.“ Noch vor dem Seminar in Bonn werden die selbsternannten Prediger der “wahren Religion“ an den Weihnachtsfeiertagen in einer Moschee in Wien ein Seminar abhalten. Ebenfalls vom 24. bis zum 26. Dezember wird ein weiterer Star der Szene auftreten, in der As-Sunnah-Moschee im nordrhein-westfälischen Elsdorf: Der Vorbeter der Leipziger Al-Rahman-Moschee, Hassan Dabbagh, war einer der ersten salafistischen Prediger in Deutschland. Er wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet.

Scharia statt Grundgesetz


 
Die salafistische Ideologie orientiert sich an der Zeit der Propheten Mohammed. Ihre Anhänger streben einen islamistischen Gottesstaat an, in dem es keine “vom Menschen erfundenen“ Gesetze gibt, sondern in dem das islamische Recht gilt. Richtschnur allen Handelns ist in ihrem Denken allein der Koran. Atheisten, Anhänger anderer Religionen und – je nach Interpretation – auch gemäßigte
“irregeleitete“ Muslime landen der Ideologie zufolge in der Hölle.
 
Sicherheitsexperten unterscheiden verschiedene salafistische Ausprägungen: Der politische Salafismus will alle gesellschaftlichen Bereiche regeln. Der dschihadistische Salafismus legitimiert darüber hinaus auch den bewaffneten Kampf im Namen Allahs zur Verteidigung muslimischer Länder. In seiner extremsten Auslegung lassen sich mit der salafistischen Ideologie auch Terroranschläge auf westliche Länder rechtfertigen.

Ulrich Kraetzer (dapd)

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