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Internet-Kommentare zu Greta Thunberg: Bodenloser Hass

Die Reaktionen im Netz reichen bis hin zu Morddrohungen - 29.09.2019 12:18 Uhr

Klimaaktivistin Greta Thunberg erntet in sozialen Netzwerken viel Kritik. © Janerik Henriksson/TT/TT NEWS AGENCY/AP (dpa)


Nur wenige Tage hat es gedauert, bis die neu gegründete Facebook-Gruppe "Fridays for Hubraum" – eine nach Angaben der Gründer lustig gemeinte Gegenbewegung zu "Fridays for Future" um die schwedische Aktivistin Greta Thunberg – geschlossen werden musste. Kurzzeitig zumindest.

Das Anliegen der Gruppe war klar: "Wir wollen unsere Autos weiter fahren. So wie wir das möchten", hieß es ursprünglich im Eingangstext, in dem gleichzeitig aber auch geschrieben stand, dass man keinesfalls gegen Umweltschutz sei – man solle dabei nur nicht in Hysterie verfallen. Auch der Hinweis auf die zahlreichen schützenswerten Arbeitsplätze in der Autoindustrie fehlte nicht. Eine Idee, die auf enorme Begeisterung stieß: Innerhalb von vier Tagen explodierte die Anzahl der Mitglieder förmlich und stieg bis auf über 400.000.

Gewaltfantasien und Hass

Bis die Administratoren schließlich in der Nacht zum Donnerstag gezwungen waren, die Gruppe wieder zu schließen. Wie im Zeitraffer haben die Verantwortlichen ein Phänomen erlebt, mit dem die Social-Media-Manager, insbesondere von Medienseiten auf Facebook, bereits seit vielen Monaten zu kämpfen haben: Nichts und niemand zieht derzeit so viel bodenlosen Hass an wie Greta Thunberg und die "Fridays for Future"-Bewegung – und Aufrufe zu Gewalt, Vergewaltigung, Mord und nicht zuletzt rechte Hetze sind in diesem Zusammenhang nicht die Ausnahme. Sie sind die Regel.

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Greta Thunberg ist momentan das Aushängeschild, wenn man über den Kampf gegen die Klimakrise spricht. Die junge Schwedin hat sich binnen kürzester Zeit zum Gesicht einer neuen Jugendbewegung gemausert, die Druck auf Politik und Wirtschaft macht, damit endlich zu Gunsten des Klimas gewandelt wird. Doch es gibt einige Dinge, die man vielleicht gar nicht über die Aktivistin wusste...


Auch in der Online-Redaktion überlegen wir uns mittlerweile sehr genau, ob wir Artikel, die etwas mit Thunberg oder der FFF-Bewegung zu tun haben, posten. Denn auch wir wissen: Sobald der Artikel auf Facebook erscheint, hat derjenige, der für unsere Social-Media-Auftritte verantwortlich ist, mehrere Stunden kaum etwas anderes zu tun als die Kommentarspalten im Blick zu behalten und notfalls einzuschreiten. "Die Drecksgöre braucht einfach mal eine ordentliche Tracht Prügel", gehört dann noch zu den harmloseren Äußerungen. Die weniger harmlosen dagegen sind teilweise so unerträglich, dass sie hier keinesfalls wiedergegeben werden können. Die Masse an Hasskommentaren stellt selbst die Hetze, mit der wir beim Thema Flüchtlinge zu kämpfen haben, in den Schatten.

Keine Hemmungen

Geschrieben werden diese Kommentare von ganz normalen Erwachsenen – und doch ist nichts normal an diesen Vorgängen, denn sie stellen den bisherigen Höhepunkt einer Entwicklung dar, die schon vor Jahren begonnen hat: Die meisten Menschen haben keinerlei Hemmungen mehr, Dinge zu schreiben, die sie früher höchstens hinter vorgehaltener Hand gesagt hätten.

Und all das wegen eines 16-jährigen Mädchens, das nichts anderes tut als den Menschen zu sagen, was die Wissenschaft bereits seit Jahrzehnten proklamiert: dass die Welt auf eine Klimakatastrophe zusteuert. Das ist das wirklich Verrückte daran.

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