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Jugend sieht Klimaschutz-Verantwortung vor allem beim Einzelnen

Die Bundesumweltministerin hat nachfragen lassen - 16.08.2019 08:50 Uhr

Die Jugendlichen stellten Wirtschaft, Politik, aber auch den einzelnen Bürgern ein schlechtes Zeugnis beim Umwelt- und Klimaschutz aus. © Kay Nietfeld, dpa


Beim Umwelt- und Klimaschutz sehen junge Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge vor allem jeden und jede Einzelne in der Verantwortung. Dieser Ansicht waren 61 Prozent der 14- bis 22-Jährigen in einer Jugendstudie des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will die Ergebnisse am Samstag beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung gemeinsam mit jungen Leuten vorstellen.

Auf die Frage, wer einen wichtigen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland leisten könne, nannte zudem jeder zweite die Industrie, knapp die Hälfte (48 Prozent) die Bundesregierung. Städte, Medien, Schulen, Umweltverbände, Investoren und Wissenschaft landeten weiter hinten - drei Nennungen waren erlaubt.

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Mit jedem weiteren Tag über 30 Grad heizt die Innenstadt ein Stück weit mehr auf. Die Nächte bringen kaum noch Abkühlung. Das liegt unter anderem an "Hitzeinseln", die sich in den zugebauten City-Bezirken bilden. Doch das ist noch längst nicht alles: Weitere Daten und Infos zum Sommerklima in der Großstadt.


Umwelt- und Klimafragen haben für die Jugend in Deutschland eine hohe Priorität: 45 Prozent finden die Probleme "sehr wichtig", weitere 33 Prozent "eher wichtig". Das sind zusammen 78 Prozent, also rund drei Viertel. Der Zustand des Bildungswesens treibt sogar 80 Prozent um, soziale Gerechtigkeit 81 Prozent.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen stellten Wirtschaft, Politik, aber auch den einzelnen Bürgern ein schlechtes Zeugnis beim Umwelt- und Klimaschutz aus: Nur 15 Prozent fanden, die Industrie tue "genug" oder "eher genug" in diesem Bereich, von der Bundesregierung denken das 22 Prozent. Dass "jede und jeder Einzelne" genug oder eher genug tue, finden 21 Prozent, also gut jeder Fünfte.

Von der Bewegung Fridays for Future, die freitags zu "Schulstreiks" aufruft, haben der Umfrage zufolge vier von fünf jungen Menschen in Deutschland schon mal gehört. Fast ein Viertel (23 Prozent) gab an, sich an den Demos während der Schulzeit zu beteiligen. Von denen, die sich bisher nicht beteiligt haben, kann sich fast jeder zweite (46 Prozent) vorstellen, mal mitzumachen.

Diese ersten Ergebnisse der Jugendstudie bestätigten, was seit Wochen zu erleben sei, sagte Ministerin Schulze. "Umwelt- und Klimaschutz liegt jungen Menschen sehr am Herzen." Sie seien bereit, sich zu engagieren. "Das macht Mut für die großen Aufgaben, die vor uns liegen."

Fridays for Future begann vor einem Jahr mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die fürs Klima demonstrierte, statt in die Schule zu gehen. Inzwischen ist eine weltweite Bewegung daraus geworden, den Schülern und Studenten haben sich inzwischen auch Eltern, Großeltern, Wissenschaftler und Unternehmer angeschlossen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte über die Bewegung, sie habe die Politik dazu gebracht, "entschlossener an die Sache heranzugehen".

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

© Patrick Pleul dpa

Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

© Lukas Schulze, NZ

Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

© dpa

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

© Ina Fassbender/dpa

Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

© Patrick Pleul dpa

 

dpa

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