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Kommentar: CSU vergibt Denkzettel an den Ministerpräsidenten

CSU-Männer haben ihre Pfründe verteidigt - 19.10.2019 14:08 Uhr

Markus Söder durfte sich über ein erfolgreiches Wahlergebnis freuen. Allerdings hatte die Partei auch einen Denkzettel für den Ministerpräsidenten parat. © Peter Kneffel, dpa


Söder weiß, was es heißt, dass von den 770 Delegierten gut 120 ihm ihre Stimme nicht gegeben, erst gar nicht abgestimmt, ihre Stimmzettel ungültig gemacht oder offen mit Nein votiert haben. Das hat auch seine neue Bescheidenheit nicht verhindert.

Söder und die CSU: Die große Liebe glüht allenfalls auf Seiten Söders. Die Partei selbst bleibt vorsichtig, beäugt misstrauisch, wie er die Macht auf sich konzentriert. Das ist insofern kurios, als die CSU eine Partei ist, die sich noch immer hinter einem starken Regenten versammelt hat, sich ihm bedingungslos anvertraut. Das ist bei Söder im Prinzip nicht anders, bei aller Grundskepsis, die ihm aus den eigenen Reihen entgegenschlägt. Als die CSU ihm auch den Parteivorsitz übertragen hat, ihm, der aus der Landtagswahl mit einem historisch schlechten Ergebnis hervorgegangen war, hat sie ihm einen Freibrief gegeben, den Söder nutzen will.

So hat es Söder verstanden, bis jetzt. Seit der hitzigen Debatte um die Frauenquote allerdings weiß er es besser. Der Nürnberger ist um Haaresbreite einer schweren Niederlage entgangen. Natürlich hat er mit seiner Analyse recht, dass die CSU weiblicher werden muss, wollte sie in dieser Gesellschaft bestehen. Der Lebensalltag moderner Frauen hat wenig zu tun mit dem Weltbild, das offensichtlich noch immer viele christsoziale Männer in ihren Köpfen pflegen. Diese Frauen finden sich in der CSU nicht wieder.

Sie wählen sie deshalb nicht. Und sie treten ihr nicht bei. Eine Volkspartei, in der vor allem die Männer das Sagen haben, in der sie vier von fünf Mitgliedern stellen, in der sie einem längst überholten Frauenbild nachhängen, eine solche Partei muss sich fragen, wie sehr sie noch das Volk repräsentiert.

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Markus Söder, gebürtiger Nürnberger, ist Ministerpräsident von Bayern. Er inszeniert sich auch mal gerne selbst. Die politische Bühne betritt er schon früh, seit 1983 ist er CSU-Mitglied. Seitdem hat die Welt viele unterschiedliche Gesichter von ihm zu sehen bekommen - und jede Menge schillernde Auftritte.


Sicher: Es ist nur ein Punkt unter vielen auf der Agenda des Nürnbergers. Söder hat weite Bereiche seiner Reform durchgebracht, die seine Partei von unten nach oben öffnen sollen. Die Basis soll intensiver mitarbeiten können, sich einbringen dürfen. Der CSU-Chef reagiert damit auf eine Gesellschaft, in der sich die einzelnen immer mehr auf ihre ganz persönlichen Interessen fokussieren und für sie kämpfen. Söder will sie erreichen und einbinden, ihnen eine Plattform bieten. Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Der schleichende Niedergang der Volksparteien hängt eng damit zusammen, dass die Menschen keine generellen Antworten mehr auf alle Lebenslagen wollen, sondern nur die eine auf das, was sie gerade beschäftigt.


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Das hat sich auch auf diesem Parteitag gezeigt, als die CSU-Männer ihre Pfründe verteidigt haben. Dass sie tatsächlich die Quote als Gefahr für das Ansehen der CSU empfinden, ist geheuchelt. Sie sehen sie als Gefahr für ihren Posten. Zu recht. Wenn die CSU bestehen will, wird sie sich neu erfinden müssen, muss sie ein Angebot sein auch für die, die in ihr noch nicht die Mehrheit stellen. Die Wuote dorthin ist nur ein Zwischenschritt. Aber offenkundig ein überfälliger.

Roland Englisch

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