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Kommentar: Ein Ausrutscher? "Fox News" einmal ausgewogen

Trump entsetzt über seinen Haussender – und was das sagt über Mediengesetze - 20.05.2019 14:36 Uhr

Noch während der Sendung feuerte der US-Präsident eine seiner berüchtigten Twitter-Kanonaden ab. © dpa


Es ist bekannt, dass Donald Trump gerne und ausgiebig fernsieht. Morgens, tagsüber und selbstverständlich auch am Abend. Bevorzugt seinen Haussender Fox News. Was er am Sonntagabend sehen musste, schien ihn jedoch arg zu verstören.

Der rechtslastige Sender wagte es tatsächlich, über den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttegieg zu berichten – positiv! Schlimmer noch: Fox News-Star Chris Wallace war Moderator eines Town-Hall-Meetings mit dem jungen Hoffnungsträger im US-Bundesstaat New Hampshire.

Noch während der Sendung feuerte der US-Präsident eine seiner berüchtigten Twitter-Kanonaden ab. "Fox bewegt sich mehr und mehr auf die falsche (die Verlierer-) Seite, indem sie über die Demokraten berichten", zürnte Trump.

Selten hat er besser ausgedrückt, was er unter Journalismus versteht. Sein Lieblingssender soll am besten nur über die Republikaner berichten – und selbstverständlich soll dabei die unglaublich positive Bilanz des Mannes im Weißen Haus gelobt werden. "Wir haben die beste Wirtschaftslage in der Geschichte der USA", hat Trump wiederholt herausposaunt. Das stimmt zwar nicht, aber das spielt hier keine Rolle.

Welches Zitat stammt wirklich von Trump?

© NICHOLAS KAMM / AFP

Hat er das gesagt - oder doch nicht? Testen Sie hier ihr Trump-Wissen!

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© Screenshot

Frage 1/17: "Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!"

Ja - das war ein Tweet von Trump vom 7. November 2012.

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Frage 2/17: "Ich liebe ihren oberen Körper."

Ja - das sagte Trump über das Aussehen von Halle Berry in der "Howard Stern Show" am 6. Februar 2013.

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Frage 3/17: "Ich will nichts schwabbeln sehen."

Nein - das hat nicht Trump gesagt, sondern Heidi Klum in der 11. Staffel von "Germany's Next Top Model" (GNTM) am 30. März 2018.

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© ANDREW YATES/AFP/Getty Images

Frage 4/17: "Es wird jetzt interessant - Quietschender-Hintern-Zeit nenne ich das."

Nein - es war Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson, der so den Kampf um die Premier-League-Meisterschaft kommentierte.

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© Brendan Smialowski / AFP

Frage 5/17: "Das hier ist mehr Arbeit als früher. Ich dachte, es wäre leichter."

Ja – so antwortete Trump in einem Reuters-Interview am 28. April 2017.

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Frage 6/17: "Nur ich kann ewig leben."

Nein – das sagt Lord Voldemort in dem Harry-Potter-Band "Heiligtümer des Todes".

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Frage 7/17: “Meine Finger sind lang und schön, wie gut dokumentiert wurde, auch andere Teile meines Körpers."

Ja – das war Trumps Reaktion auf eine spöttische Bemerkung im Spy Magazine, in auf die er am 4. März 2011 in einem Interview mit der Promiseite "Page Six" der New York Post antwortete.

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Frage 8/17: "Wir können keinen Leuten trauen, die solch schlechtes Essen haben."

Nein – diese Aussage über die Briten machte Frankreichs Präsident Jacques Chirac am Rande des Treffens mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin in Kaliningrad am 3. Juli 2005.

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Frage 9/17: "Ich habe ein gewinnendes Naturell. Ich weiß zu gewinnen."

Ja – das sagte Trump beim ersten TV-Duell gegen Hillary Clinton am 27. September 2016.

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Frage 10/17: "Du kommst nie bis zum Gesicht, weil der Body so gut ist."

Ja – das sagte Donald Trump über das Äußere von Paris Hilton in der "Howard Stern Show" am 7. Januar 2004.

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© Screenshot

Frage 11/17: "Lerne immer von den Fehlern anderer, nicht von deinen eigenen – das ist der viel billigere Weg."

Ja – das ist ein Trump-Tweet vom 23. Dezember 2013.

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Frage 12/17: "Für die von uns, die es bis an die Spitze der Nahrungskette schaffen, darf es keine Gnade geben."

Nein – dieser Satz stammt von Frank Underwood aus der Netflix-Serie "House of Cards".

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Frage 13/17: "Wenn dich jemand angreift, zögere nicht. Ziele auf die Halsschlagader. Schlage massiv zurück!"

Ja – diesen Rat gibt Trump in einem 16 Seiten langen Kapitel über Rache in seinem Buch "Think Big And Kick Ass".

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© ANDREW LIPOVSKY/AFP/Getty Images

Frage 14/17: "Sich zu entschuldigen ist eine großartige Sache. Allerdings musst du dafür unrecht haben."

Ja – das hat Trump gesagt im Gespräch mit Jimmy Fallon in dessen "Tonight Show" am 12. September 2015.

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© Twentieth Century Fox Film Corporation 2007

Frage 15/17: "Um beliebt zu sein, muss man nett sein, jeden Tag. Um gehasst zu werden, muss man gar nichts tun."

Nein – das sagt Homer Simpson in der Serie "Die Simpsons".

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© Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Frage 16/17: "Schwarze Typen zählen mein Geld. Ich hasse das."

Ja – so wird Trump zitiert in USA Today vom 20. Mai 1991. Das Foto zeigt Trump am 27. Februar 2017 bei einem Treffen im Oval Office mit Repräsentanten von Universitäten mit überwiegend schwarzer Studierendenschaft.

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Frage 17/17: "Ich habe Ideen, die die menschliche Existenz in den nächsten 100 Jahren besser machen kann. Punkt."

Nein – das hat Rapper Kanye West gesagt in der Talkshow von Ellen DeGeneres am 19. Mai 2016. Hier geht es zu unserem Themenarchiv: Alles über Donald Trump

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Parteiische Sender

Was aber einen genaueren Blick lohnt, ist dies: Wie kann es sein, dass es etwas Besonderes ist, wenn ein amerikanischer Fernsehsender ausgewogen berichtet? Das hat eine Vorgeschichte, und die sollte man kennen.

Bis 1987 nämlich gab es in den USA für Radio- und Fernsehsender eine klare Vorgabe, die sogenannte "Fairness-Doktrin". Diese verlangte, dass die politische Berichterstattung "ehrlich, gerecht und ausgeglichen" sein müsse. Unter dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan wurde diese Vorgabe abgeschaft. Das war der Startschuss für politisch eindeutig parteiisch ausgerichtete Sender wie Fox News, der zu dem weltumspannenden Medienreich des erzkonservativen australischen Milliardärs Rupert Murdoch gehört. Lügen, wie sie in seinem Sender täglich verbreitet werden, wären früher ein Fall für die "Förderale Kommunikations-Kommission" (FCC) gewesen. Heute geht das als Journalismus durch.

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Vom coolen Joe zum Südstaaten-Kennedy: Trumps Herausforderer

Am 3. November 2020 entscheiden die Vereinigten Staaten darüber, wer das Land in den nächsten vier Jahren führen wird. Gegen Amtsinhaber Donald Trump haben sich zahlreiche Kandidaten in Stellung gebracht - einer davon sogar in Trumps eigener Partei. Wir stellen die aussichtsreichsten Präsidentschaftsbewerber vor.


Die Folgen kann man in den USA besichtigen. Mit der Abschaffung der Vorgabe für faire, ausgewogenen Berichterstattung hat die Polarisierung der Medienlandschaft und des ganzen Landes begonnen. Donald Trump ist ein Produkt dieses Prozesses.

 

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