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Kommentar: Für Abschaffung der Maskenpflicht ist es noch zu früh

Aktuell gilt die Vorgabe noch einheitlich in allen Bundesländern - 06.07.2020 12:16 Uhr

Die Maskenpflicht gilt aktuell in allen Geschäften sowie im Fern- und Nahverkehr.

© Christoph Soeder, dpa


Die Maskenpflicht ist lästig. Das fängt schon damit an, dass man immer einen Mund- und Nasenschutz mit sich führen muss, wenn man das Haus verlässt. Es könnte ja sein, dass man in einem Geschäft etwas zu erledigen hat. Außerdem empfinden viele die Maske gerade bei heißen Temperaturen als unangenehm, weil man schlechter Luft bekommt. Von den Brillenträgern ganz zu schweigen, denen trotz aller guten Tipps zum Anlegen wegen der Atemluft oft die Gläser beschlagen. Deswegen ist es verständlich, dass Bürger und Politiker jetzt fragen: Ist eine solche Pflicht angesichts der positiven Entwicklung in Deutschland überhaupt noch nötig?


Söder strikt gegen Lockerung der Maskenpflicht


Fragen darf man, fragen muss man. Das ist völlig legitim. Denn alle Corona-Einschränkungen stehen unter ständigem Begründungszwang. Doch es gibt im Moment noch viele gute Gründe, an der Maskenpflicht festzuhalten. Erstens: Fast alle führenden Virologen warnen vor einer zweiten Infektionswelle, die uns trotz der guten Zahlen in der Bundesrepublik in den kommenden Monaten treffen könnte. Zweitens: Einzelne Corona-Hotspots beweisen, wie rasend schnell sich das Virus unter bestimmten, ungünstigen Umständen verbreiten kann. Drittens: Andere Nationen, die es mit der Pflicht eher lässig nehmen oder in denen sogar wie Donald Trump das Staatsoberhaupt höchst abfällig darüber geäußert hat, weisen deutlich schlechtere Zahlen auf.

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In den USA sind bisher rund 130.000 Menschen an den Folgen von Corona gestorben, in Deutschland waren es 9.000. Das ist auch durch die unterschiedlichen Einwohnerzahlen nicht zu erklären. Die USA haben eine vier Mal so große Bevölkerung, aber 14 Mal so viele COVID-19-Tote wie die Bundesrepublik.

Ein weiterer Blick zu unseren unmittelbaren Nachbarn: Die Schweiz, freiheitsliebend und gegenüber allen Einschränkungen höchst kritisch, führt derzeit eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ein. Es hat sich herausgestellt, dass sich die Infektionszahlen ohne diese Schutzmaßnahme ungünstig entwickelten. Nun tritt die Schweiz auf die Notbremse – was vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre, hätte man sich wie Deutschland verhalten.

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Wirklich bedauernswert sind übrigens nicht die Kunden, Behördenbesucher und Fahrgäste, die sich jetzt häufig so laut über den Mund- und Nasenschutz jammern. Sie müssen die Maske in der Regel gerade mal eine Stunde oder maximal zwei Stunden am Tag tragen. Das ist auszuhalten. Viel schlimmer ist es für all die Kassierer(innen) und Verkäufer(innen), die eine ganze Schicht lang darunter zu leiden haben. Deren Beschwerden sind verständlich.

Wie gehen wir weiter mit der Maskenpflicht um? Am besten legen wir das Thema auf Wiedervorlage und diskutieren unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Expertise alle sechs bis acht Wochen ernsthaft über die Notwendigkeit. Und dann atmen wir alle auf, wenn beides vorüber ist: die hohe Infektionsgefahr und die Pflicht, den Lappen im Gesicht zu tragen.


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