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Kommentar: Her mit dem EU-Impfpass für den Sommerurlaub!

Der Gipfel sollte sich zu klaren Botschaften durchringen - 25.02.2021 18:45 Uhr

Mit einem Impfpass sollen die Bürger wieder reisen können.

23.02.2021 © Frank Hoermann / SVEN SIMON via www.imago-images.de, NNZ


Wenn es tatsächlich so etwas wie eine Gemeinsamkeit bei dem heutigen europäischen Gipfeltreffen gibt, dann besteht die in dem fast schon verzweifelten Bemühen, eine aufbauende Nachricht mit nach Hause nehmen zu wollen. Irgendetwas, das man den Menschen als Trost für das erste Corona-Jahr voller Entbehrungen anbieten könnte. An etwas Luft zum Reisen über Ostern mag man ja schon gar nicht zu denken wagen. Aber vielleicht im Sommer? Die EU ringt zwar um Lösungen, aber mit Herumrudern wird sie diese nicht finden.

Den Herstellern ausgeliefert

Die Rufe nach mehr Impfstoff-Lieferungen sind richtig, aber illusorisch. Auch wenn es einigen nicht passt: Die Menschen sind den Herstellern ausgeliefert. Daran wird sich auch nichts ändern. Nicht jetzt, aber vielleicht in der nahen Zukunft, wenn die Vakzine gegen neue Mutanten nachgebessert werden müssen? Diese Frage zeigt, um was es geht.

Anstatt sich bereits jetzt systematisch an die Vorbereitung von Impfpässen zu begeben, mit denen man zumindest innerhalb der EU wieder reisen kann, hangelt man sich weiter von einer akuten Situation zur nächsten und steht dann wenig oder gar nicht vorbereitet vor einer Entscheidung, die längst hätte gefällt werden können. Und auch wenn es einigen nicht passt: Der Start für einen Impfpass mit der Perspektive eines Sommerurlaubs in den EU-Staaten wäre eine gute Nachricht.

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Der EU-Gipfel droht in Sachen Corona deshalb bei Appellen stehenzubleiben – und offenbart damit seine ganze Ohnmacht. So sehr die Menschen nach der Rückgabe ihrer Freiheiten hungern, so wichtig bleiben Abstand und Zurückhaltung, um eine dritte Welle mit den riskanteren Mutanten zu verhindern. Und so sehr sichere und wirksame Impfstoffe auch begehrt werden, die Staats- und Regierungschefs können sie ja nicht selber basteln. Die Union bleibt von den Pharma-Konzernen, aber auch von ihrer Impf-Infrastruktur und ihren Priorisierungsplänen abhängig.

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Und so hält die EU wohl auch bei diesem Gipfel an ihrer bisherigen Strategie fest, die diesen Namen nicht verdient: Jede Regierung geht ihren eigenen Weg – mal mit Grenzschließungen, mal ohne. Mal mit Ausgangssperre, dann wieder ohne. Warum sollte in Europa die Einigkeit leichter herstellbar sein als zwischen den deutschen Bundesländern?

Der Schlüssel gegen das Virus liegt nicht in Brüssel, Berlin, Paris oder Wien, sondern bei jedem Bürger selbst. Das Rezept heißt Impfen, Abstand, Maske und Hygiene. Mehr haben wir derzeit noch nicht.

Detlef Drewes Brüssel-Korrespondent

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