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Kommentar: Markus Söder ist ein politischer Jäger

Seehofer wurde von dem Nürnberger bereits regelrecht zermürbt - 20.04.2021 16:39 Uhr

Söder, der sich schon vor Wochen auf einen Wahlkampf gegen Annalena Baerbock gefreut hat und einem schwarz-grünen Bündnis unter seiner Führung nicht abgeneigt war, kann jetzt zeigen, dass er teamfähig ist.

20.04.2021 © Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa


Dafür gibt es etliche Beispiele: In der Jungen Union bremste er seine Konkurrenten mit überraschenden Koalitionen aus. Bei seiner ersten Landtagskandidatur im Nürnberger Westen war sein innerparteilicher Konkurrent der taktischen Flexibilität Söders nicht gewachsen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer wurde von Söder regelrecht zermürbt, weil der Nürnberger überzeugt war, er kann es besser und er auch das Amt wollte.

Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, kam gerade noch einmal davon, ebenfalls Söders Beute zu werden. Eine Woche lang wurden vom CSU-Vorsitzenden alle Register gezogen, den CDU-Vorsitzenden politisch als zweite Wahl zu diskreditieren.

In der Politik geht es eben nicht immer um gute Ideen, bessere Konzepte und um Glaubwürdigkeit. Es geht stets auch um Macht, den politischen Gegner nicht zum Zug kommen zu lassen, und um Durchsetzungsfähigkeit. Für beides steht Söder. Laschet hat Stehvermögen bewiesen und an seinen Kurs unbeirrt geglaubt. Das hat Kanzlerqualitäten.


Nach Kräftemessen: Söders Macht ist gewachsen, vorerst


Kanzlerambitionen begraben

Dass der Franke am Ende doch noch seine Kanzlerambitionen begraben hat und das Votum des CDU-Vorstands zugunsten von Armin Laschet akzeptierte, ist eine Ausnahme in Söders Lebenslauf. Es war aber eine richtige Entscheidung, dass Söder Laschet zum Kanzlerkandidaten ausrief und auf eine weitere Mobilisierung der Basis verzichtete. Damit hat er die Notbremse gezogen, um ein lange andauerndes Zerwürfnis der Unionsschwestern zu verhindern. Söder hat sein Wort gehalten, sich dem Votum der CDU-Spitze zu beugen. Ein Wahlkampf Söders mit einer zerstrittenen CDU als Basis wäre aussichtslos gewesen.

Ob nach dem Zank die politische Beschädigung für den Rheinländer Laschet tatsächlich so groß ist, wie immer wieder behauptet wurde, lässt sich angesichts des schnelllebigen politischen Geschäfts bezweifeln. Für die Menschen steht die Lösung der Folgen von Corona an erster Stelle. Mit welchem Kandidaten die Union im September bei der Bundestagswahl antritt, dürfte die meisten Bürgerinnen und Bürger derzeit nicht umtreiben.

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Söder kann jetzt zeigen, dass er teamfähig sein kann

Für Laschet, über den der Spiegel schon Witze als "Häuptling Wirdsonix" gemacht hat, gilt der Ruf, ein Versöhner zu sein. Diese Tugend, Menschen wieder zusammenzuführen, wird er benötigen, um CDU und CSU zu einer schlagkräftigen Truppe für den Wahlkampf zu formen.

Söder, der sich schon vor Wochen auf einen Wahlkampf gegen Annalena Baerbock gefreut hat und einem schwarz-grünen Bündnis unter seiner Führung nicht abgeneigt war, kann jetzt zeigen, dass er teamfähig ist: Auch Jäger halten in einer Herde länger durch.

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