Kommunalwahl trotz Corona-Pandemie: Kritik keimt auf

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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Die Stadt München ließ die Tische mit einigen Metern Abstand aufstellen, die Helfer konnten sich aber dennoch frei bewegen.

Die Stadt München ließ die Tische mit einigen Metern Abstand aufstellen, die Helfer konnten sich aber dennoch frei bewegen. © Sven Hoppe/dpa

Am Sonntagabend sieht es in der Münchner Messe aus wie so oft. Tausende Menschen drängen sich zwischen Tischen, die Veranstaltung - wenn man sie denn so nennen möchte - ist für insgesamt 5000 Menschen zugelassen. Hier in Riem, im Osten der Landeshauptstadt, werden die Kuverts der Briefwähler geöffnet und ausgewertet. 330.000 Menschen wollten per Post abstimmen, deutlich mehr als noch bei der letzten Wahl vor sechs Jahren. Das Coronavirus, so scheint es, hat auch hier eine Rolle gespielt. Die Angst vor der Urne und dem sozialen Kontakt, der dabei entsteht, könnte ein Faktor gewesen sein. 

 

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Nur Stunden vor der Wahl kamen der Stadt die Wahlhelfer abhanden. 14.000 sollten es sein, doch es hagelte Absagen in den letzten Tagen - ob dahinter die Sorge einer Ansteckung mit dem Coronavirus oder etwa vorsorgliche Quarantänen stehen, ist unklar. Klar ist: Die Stadt hat mehrere verbeamtete Lehrer als Helfer zwangsrekrutiert.

Plexiglas und Gummihandschuhe

Jetzt keimt Kritik an der Staatsregierung auf. Ist es unverantwortlich, während einer Pandemie eine Kommunalwahl stattfinden zu lassen? In einer Situation, in der der Freistaat das öffentliche Leben drastisch eingeschränkt hat - und nach Informationen der Nürnberger Nachrichten weitere Schritte plant. 

Überall in Franken setzten Wahllokale auf Vorsichtsmaßnahmen. In Würzburg etwa stellten die Verantwortlichen eine Plexiglasscheibe zwischen Helfern und Wählern auf, in Fürth wurde regelmäßig durchgewischt und mit Desinfektionsspray hantiert. Anderswo trugen die Ehrenamtlichen Gummihandschuhe. "Ich bin erprobter Kommunalwähler, da bringt mich des Virus auch ned draus", sagte ein älterer Mann in München, der gerade gewählt hatte. Panik sieht anders aus. 

Die Leser in den nordbayern.de-Kommentarspalten aber sehen es anders. "Das war so klar, Hauptsache die Wahlen auf Biegen und Brechen durchführen, und danach alles zu machen", schreibt etwa Sebastian F. (Namen von der Redaktion abgekürzt). Nina B. kommentiert ironisch: "Die Viren machen heute eine Ausname und einen Riesenbogen um die Kommunalwahlen." Viele halten es für unverantwortlich, die Abstimmung trotz der Pandemie abzuhalten. "Fast alles ist abgesagt, aber Menschenmassen in den Supermärkten und Wahlen abhalten geht dann doch, oder wie? Ich verstehe es nicht so ganz." 

Christian Lübbers, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, warnt auf Twitter vor Panik. "Ob Sie heute zur #KommunalwahlBayern gehen, ist übrigens keine Wahl zwischen Pest und Corona", schreibt der Mediziner. "Denn auch sonst sollten Sie keine Wahlhelfer abknutschen (auch wenn sie es verdienen). Macht Eure Kreuze und geht wieder heim. Wer sein Gehirn einschaltet, ist safe."