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Merkel gegen Schulz: Oft einig, selten kontrovers

Kommentar zum TV-Duell von NZ-Chefredakteur Stephan Sohr - 03.09.2017 22:10 Uhr

Merkel oder Schulz? Das TV-Duell zwischen den beiden Kanzlerkandidaten ist Geschichte. Einen echten Gewinner gab es nicht. © dpa


Nicht umsonst und völlig berechtigt haben die vier beteiligten TV-Sender und die Wahlkampfstrategen von CDU und SPD das Themenfeld Migration an den Anfang der Debatte gesetzt. Das Thema treibt die Bürger, die bald wählen werden, um – und die Politik ebenso.

Kanzlerin Angela Merkel stellte noch einmal die Sondersituation des Jahres 2015 heraus, als sie aus humanitären Gründen die Grenzen für die angelandenden Flüchtlinge geöffnet hat – und versprach, das Problem werde sich nicht wiederholen und diejenigen Migranten, die sich hier nicht an Recht und Gesetz, müssten schnell abgeschoben werden. Auch Martin Schulz ist dieser Meinung.

Er punktete aber sicher bei den Wählern mit seinem unmissverständlichem Diktum, er werde als Kanzler bei der EU dafür sorgen, das EU-Beitrittsverfahren mit der Türkei beenden. Merkel dagegen, ganz Staatsfrau, warf ein, im Gespräch zu bleiben – auch im Sinne der in der Türkei einsitzenden deutschen Staatsbürger. Patt.

Sowohl Merkel und Schulz präsentierten sich als überzeugte Europäer, die beide um das Gewicht und die Verantwortung Deutschland als Macht in der Mitte Europa wissen. Gut, dass es hier keine Kontroverse gibt.


Merkel und Schulz im Clinch: So war das TV-Duell


Und in der Innenpolitik? Angela Merkel legte sich hier, nach insistierenden Nachfragen, fest, dass es bei dem mit den Sozialdemokraten vereinbarten Kompromiss der Rente mit 67 Jahren bleibt – unmissverständlich. Oder wird es, wie Schulz unkte, bei der Rente so laufen wie bei der Pkw-Maut, von der Merkel im TV-Duell vor vier Jahren sagte, sie werde mit ihr nicht kommen und jetzt doch zumindest Beschlusslage ist? Bei der Rente verstehen die Deutschen keinen Spaß, Merkel wird das wissen.

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Was bleibt nun von dem Duell? Schulz spricht eher in der Tonlage der Bürger, insofern authentisch, aber argumentativ nur selten kontrovers zur Kanzlerin, die er herausfordert. Merkel lieferte, was zu erwarten war: nüchterne Bestandsanalyse, staatsfrauliche Attitüde. Motto, wie vor vier Jahren: Sie kennen mich. Immerhin.

  

Stephan Sohr

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