20°

Dienstag, 11.08.2020

|

zum Thema

Nach Quarantäne: Tönnies-Antrag auf Kostenerstattung stößt auf Kritik

Infektionsschutzgesetz sieht eine Erstattung bei Quarantäne vor - 12.07.2020 14:06 Uhr

Der Schlachtbetrieb Tönnies hat Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt.

© Guido Kirchner, dpa


Durch die Vorfälle sei eine ganze Region in Mitleidenschaft gezogen worden. "Der Ärger der Bürger darüber wird durch das jetzige Vorgehen sicherlich nicht kleiner werden."

Der Schlachtbetrieb Tönnies und weitere Subunternehmer haben beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe Anträge auf Erstattung von Lohnkosten durch das Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Hintergrund sind die Quarantäne-Maßnahmen, die nach dem massiven Corona-Ausbruch unter Tönnies-Arbeitern am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück verhängt wurden. Das Infektionsschutzgesetz sieht nach Angaben der Behörden eine Erstattung vor, wenn Gesundheitsämter einen Betrieb schließen und Quarantäne anordnen.

Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält einen gesetzlichen Anspruch der Firma Tönnies und ihrer Subunternehmer für möglich, mahnte aber in der "Bild am Sonntag": "Ich würde mir anstelle von Herrn Tönnies und seinen Geschäftspartnern sehr genau überlegen, was man den Bürgerinnen und Bürgern in Nordrhein-Westfalen eigentlich noch alles zumuten will."

Bilderstrecke zum Thema

Sieben Dinge, die man über den Fleischkonsum in Deutschland wissen sollte

Wer kennt das nicht? Morgens ein Brot mit zwei Scheiben vom Geflügel belegen, mittags einen Teller Currywurst mit Pommes verzehren oder abends gemütlich mit Freunden und Familie grillen. Fakt ist: Der Deutsche isst im Durchschnitt mehr als ein Kilogramm Fleisch pro Woche. Wie gesund das ist? Hier finden Sie sieben Fakten über den Fleischkonsum in Deutschland.


Für Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sind die Anträge von Tönnies Beweis dafür, dass die Ankündigungen des Unternehmens "nur leere Worte waren und man kein Vertrauen in die Unternehmensführung haben kann". Es sei dreist, wie Tönnies jetzt abkassieren wolle. "Wer auf ein System der Ausbeutung setzt, die Gesundheit von Menschen riskiert und selbst in der Mitverantwortung für angeordnete Quarantänemaßnahmen steht, sollte sich mit dem Ausreizen von möglichen Erstattungsansprüchen besser zurückhalten."


Diese Auswirkungen hat die Tönnies-Krise auf Franken


FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg forderte das Unternehmen auf, jetzt die Verantwortung übernehmen, die es zuvor beim Gesundheitsschutz habe vermissen lassen. "Dafür wurde schon eine ganze Region in Geiselhaft genommen. Ich finde es unanständig, sich auch noch auf Kosten der Steuerzahler schadlos halten zu wollen."

dpa

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik