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Neue Initiative "Lebens- und liebenswertes Deining" tritt zur Wahl an

Für Nachhaltigkeit statt Flächenfraß - 29.11.2019 10:05 Uhr

Für mehr Nachhaltigkeit und Transparenz in der Gemeinde wollen sich die Initiative „Lebens- und liebenswertes Deining“ und ihre Unterstützer einsetzen. © Foto: Martin Herbaty


Ärger über die "Bürgerferne und Abgehobenheit der Gemeinde vor allem bei Bauprojekten", so Initiator Christoph Bäumler, waren Anfang 2019 der Kristallisationspunkt für die Initiative. Anfang Oktober war sie mit ersten Aktionen an die Öffentlichkeit getreten. Damals hatte Initiator Bäumler noch ausgeschlossen, mit einer eigenen Liste 2020 anzutreten. Positiver Zuspruch und wahrgenommener Leidensdruck unter den Gemeindebürgern sorgten inzwischen für den Sinneswandel.

Mehr Nachhaltigkeit und Transparenz in der Gemeinde hat sich die Initiative auf die Fahnen geschrieben. Zugleich ist es Ziel, die absolute CSU-Mehrheit zu brechen: "Im Gemeinderat wird immer durchgesetzt, was einer will", hieß es aus der Runde, verbunden mit dem Vorwurf, dass die CSU-Gemeinderäte sich nicht trauen, ihre eigene Meinung zu vertreten. "Es gibt auch gute Sachen in Deining, die Entwicklung ist vorangetrieben worden", gestand Leonhard Oesterle, von Anfang an Mitglied der Initiative, den aktuellen Amtsinhabern zu. Doch inzwischen fehlten die Grenzen, man betreibe eine Entwicklung ohne Maß. Nun gelte es, die Dinge wieder einzufangen, die aus dem Ruder gelaufen seien.

Vor vollendete Tatsachen

Allgemein beklagt wurde die unzureichende Informationspolitik der Gemeinde. Seit Jahren werde die Bevölkerung bei Entscheidungen vor vollendete Tatsachen gestellt. Mitwirkung der Bürger sei nur bei Kleinigkeiten gefragt – so Helga Lukas: "Wir haben hier keine Demokratie mehr, wir haben sie uns wegnehmen lassen." Ein Beispiel dafür, dass die Interessen der Bürger ignoriert würden, seien die störenden Warnlichter der Windräder: Zur letzten Wahl habe Bürgermeister Alois Scherer versprochen, dass auf eine bedarfsgerechte Nachtbeleuchtung umgestellt würde. Seit 2015 seien die Systeme verfügbar. Doch nun ziehe sich Scherer darauf zurück, dass sie keine Pflicht wären.

An Flächenverbrauch und Naturzerstörung in der Gemeinde entzündete sich umfassende Kritik. Einer der Knackpunkte ist die Erweiterung des Gewerbegebiets Tauernfeld. Nicht nur gegen diesen "Schandfleck sondersgleichen" war Martina Richards, sondern angesichts der Lärmbelästigung bei Nacht auch gegen weitere Windräder. "Ich hätte gern, dass meine Tochter in einem schönen Dorf aufwächst" – damit sprach Markus Langhans den Anwesenden aus der Seele.

Flächen nicht verramschen

Markus Schenk warf der Gemeinde ebenfalls einen kurzsichtigen Umgang mit ihren Flächen vor: "Der Bürger wird ja nicht gefragt, und letztendlich zahlt er die Zeche". Er forderte, den Schwerpunkt der Gemeindepolitik von der Wirtschaft ins Soziale zu verschieben – auch, um Risse etwa zwischen Kernort und Neubaugebieten zu kitten und wieder eine Dorfgemeinschaft zu schaffen. Und die Gemeinde müsse Spielräume in puncto Nachhaltigkeit besser ausnutzen. Wachstum um jeden Preis sei keine Lösung: "Wir brauchen unsere Flächen nicht zu verramschen."

"Wir treten an, weil wir unsere Heimat lieben", brachte Markus Moosburger seine Motivation und die seiner Mitstreiter auf den Punkt. Die Initiative wolle die Bürger Deinings aus Bequemlichkeit und Resignation aufrütteln und aufzeigen, wie eine Gemeinde lokal nachhaltig und mit Blick auf künftige Generationen agieren könne. Arkadiusz Penkala, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, dankte den Mitgliedern der Initiative für ihr Engagement.

Um mit einer parteiunabhängigen Liste bei der Kommunalwahl 2020 antreten zu können, muss die Initiative "Lebens- und liebenswertes Deining" ihre Kandidaten bis zum 23. Januar an die Gemeinde melden und ausreichend Unterstützer finden. Die Versammlung, bei der die maximal 16 Listenkandidaten aufgestellt werden, ist am Mittwoch, 11. Dezember, ab 19 Uhr im Hahnenwirt.

MARTIN HERBATY

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