18°

Freitag, 14.08.2020

|

zum Thema

Nur Mini-Lockerungen: Söder macht sich nicht nur beliebt

Oberseuchenbekämpfer will keinen Ausbruch in seinem Bundesland riskieren - 30.06.2020 16:25 Uhr

Mit seinem Vorstoß macht sich Markus Söder nicht überall beliebt.

© Steffi Adam via www.imago-images.de, imago images/Future Image


Wer gehofft oder befürchtet hatte, die bayerische Staatsregierung unter ihrem Chef Markus Söder (CSU) werde am Dienstag vor dem Hintergrund einer niedrigen Ansteckungsrate im Freistaat weitere Öffnungen wie etwa eine weit reichende Befreiung vom Mund-Nase-Schutz verkünden, sah sich - je nach Einstellung - enttäuscht oder angenehm überrascht. Lediglich in Kinos, Theatern und Konzertsälen dürfen die Bayern jetzt die weithin verhasste Maske abnehmen, sobald sie ihre Plätze eingenommen haben.

Bilderstrecke zum Thema

Hygiene-Tipps: So schützt man sich vor dem Coronavirus

Das Coronavirus breitet sich mittlerweile auch in Europa mehr und mehr aus. Doch wie schützt man sich vor der Krankheit? Wir haben neun Hygiene- und Verhaltens-Tipps nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vorbeugung des Coronaviruses und anderen Virusinfektionen zusammengefasst.



Mehr als diese Mini-Lockerung hielt das Söder-Kabinett nicht für angezeigt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil verschiedene Corona-Ausbrüche in anderen Bundesländern deutlich gemacht haben, dass von Entwarnung keine Rede sein kann. Ein solches Geschehen im Land des Ober-Seuchenbekämpfers und inoffiziell-inoffiziellen Kanzlerkandidaten würde ja nun wirklich nicht gut kommen. Söder wäre der Häme der Rest-Republik ausgesetzt.

Bavaria first?

Unbeliebt hat er sich sowieso schon wieder bei seinen Kollegen in anderen Bundesländern und in Berlin wegen seines Programms "Tests für alle" gemacht. So etwas bringt man nämlich nicht überall zustande - weder organisatorisch noch finanziell. Und auch in Bayern dürfte das große Versprechen an die Landeskinder (nur an diese) nicht ohne vernehmbares Knirschen umsetzbar sein. Sicher hätten auch Menschen in Konstanz, Saarbrücken, Bielefeld, Osnabrück oder Schwerin Interesse daran, feststellen zu lassen, ob bei Ihnen das Virus zugeschlagen hat. Doch erstmal heißt es: Bavaria first. Was gegen die Massentests eingewandt wird, ist schwer nachvollziehbar, um nicht zu sagen: Gar nicht.

Bilderstrecke zum Thema

Von Wuhan in die Welt: Die Chronik der Corona-Pandemie

Anfang Dezember 2019 ging es in China los - eine unbekannte Lungenentzündung stellt die Ärzte vor Rätsel. Mitte März ruft Bayern den Katastrophenfall aus - was ist in der Zwischenscheit geschehen? Ein Überblick.


Natürlich: Ein Test gibt nur Auskunft über den Infektionszustand der betreffenden Person zum Zeitpunkt des Abstrichs. Mit diesem Argument freilich könnte man getrost so ziemlich alle vorsorglichen Tests streichen. Das reicht schon nahe den den angeblichen Witz von US-Präsident Donald Trump heran, man solle nicht so viel testen, dann habe man auch weniger Fälle.

Zum Zeitpunkt, als kaum Mund-Nase-Masken verfügbar waren, hieß es, diese hätten keinen Sinn und vermittelten nur ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Jetzt, da Massentests ohne Frage eine organisatorische und finanzielle Herausforderung darstellen, soll auch der Ratschlag "Testen, Testen, Testen" nicht mehr gelten? Man sollte den Menschen sagen, woran es wirklich liegt: Zu wenig Kapazitäten, zu hohe Kosten.

33

33 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik