Nürnberger Prozesse: Das waren die zwölf Todesurteile

29.9.2016, 06:00 Uhr
Am 20. November 1945 begann ein Gerichtsverfahren, das Geschichte schrieb. In Nürnberg begannen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes. Knapp ein Jahr später, am 30. September und am 1. Oktober 1946 wurden die Urteile gesprochen. 24 maßgebliche NS-Verbrecher waren angeklagt, 21 standen vor Gericht, zwölf von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Sieben Angeklagte erhielten langjährige oder lebenslange Haftstrafen.
1 / 13

Am 20. November 1945 begann ein Gerichtsverfahren, das Geschichte schrieb. In Nürnberg begannen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes. Knapp ein Jahr später, am 30. September und am 1. Oktober 1946 wurden die Urteile gesprochen. 24 maßgebliche NS-Verbrecher waren angeklagt, 21 standen vor Gericht, zwölf von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Sieben Angeklagte erhielten langjährige oder lebenslange Haftstrafen. © Archiv

Alfred Rosenberg (Zweite Reihe, 2.v.r.) war schuldig nach allen vier Anklagepunkten und wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Alfred Rosenberg wurde – als Nazi der ersten Stunde — schon 1923
2 / 13

Alfred Rosenberg (Zweite Reihe, 2.v.r.) war schuldig nach allen vier Anklagepunkten und wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Alfred Rosenberg wurde – als Nazi der ersten Stunde — schon 1923 "Hauptschriftleiter des Völkischen Beobachter". Im Nürnberger Gerichtssaal berichtete er vom Aufstieg zu seiner letzten Karrierestufe: Am 17. Juli 1941, also knapp vier Wochen nach dem Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion, sei er zum "Reichsminister der besetzten Ostgebiete" ernannt worden. Am Tag zuvor habe er in einer langen Besprechung mit Hitler, Göring und Keitel sein neues "Verwaltungsprogramm" vorgestellt. Ein Teil davon war die Beschaffung von Arbeitskräften für die Kriegsproduktion, wenn möglich freiwillig, notfalls mit Zwang. So wurden Hunderttausende verschleppt und Rosenberg musste dafür die Verantwortung übernehmen. © dpa

Hermann Göring wurde in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Er war ein führender Politiker des Nationalsozialismus und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe. 
Die Nürnberger Nachrichten schreiben am Samstag, 16 März 1946:
3 / 13
Hermann Göring

© dpa

Joachim Ribbentrop (links) wurde in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Von 1938 bis 1945 war er Reichsminister des Auswärtigen Amts. Am Ende des Krieges tauchte Ribbentrop in Hamburg unter, wo er sich ein Zimmer mietete. Während der 218 Verhandlungstage in Nürnberg zeigte Ribbentrop auf der Anklagebank keinerlei Reue. Vor seiner Hinrichtung wurde er gefragt, ob er noch etwas sagen möchte. Ribbentrop antwortete mit fester Stimme:
4 / 13

Joachim Ribbentrop (links) wurde in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Von 1938 bis 1945 war er Reichsminister des Auswärtigen Amts. Am Ende des Krieges tauchte Ribbentrop in Hamburg unter, wo er sich ein Zimmer mietete. Während der 218 Verhandlungstage in Nürnberg zeigte Ribbentrop auf der Anklagebank keinerlei Reue. Vor seiner Hinrichtung wurde er gefragt, ob er noch etwas sagen möchte. Ribbentrop antwortete mit fester Stimme: "Gott schütze Deutschland, Gott sei meiner Seele gnädig! Mein letzter Wunsch ist, dass Deutschland seine Einheit wiederfindet." Er wurde am 16. Oktober 1946 im Nürnberger Justizgefängnis hingerichtet. © Ray D'Addario

Hans Frank (hinten) wurde wegen Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt.
5 / 13

© AFP

Julius Streicher wurde wegen Verschwörung gegen den Weltfrieden zum Tod durch den Strang verurteilt. Der selbsternannte
6 / 13
Julius Streicher

© Stadtarchiv Erlangen

Fritz Sauckel (hinten rechts) war seit 1927 Gauleiter in Thüringen und die letzten drei Jahre des Krieges
7 / 13
Fritz Sauckel

© AFP

Arthur Seyß-Inquart (Zweite Reihe, 2. v.r.) wurde in drei von vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Seyß-Inquart Ende Oktober 1939 Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank. 1945 trat er in die Fußstapfen von Ribbentrop, da Hitler ihn in seinem Testament für den Posten des Reichsaußenminister ernannt hat. Am 16. Oktober 1946 wurde der österreichische Jurist in Nürnberg hingerichtet.
8 / 13

Arthur Seyß-Inquart (Zweite Reihe, 2. v.r.) wurde in drei von vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Seyß-Inquart Ende Oktober 1939 Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank. 1945 trat er in die Fußstapfen von Ribbentrop, da Hitler ihn in seinem Testament für den Posten des Reichsaußenminister ernannt hat. Am 16. Oktober 1946 wurde der österreichische Jurist in Nürnberg hingerichtet. © AKG Pressebild Berlin

Ernst Kaltenbrunner (erste Reihe, 6.v.l.) wurde wegen Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt. Kaltenbrunner war Chef der Sicherheitspolizei und hochrangiger SS-Funktionär. Kaltenbrunner blieb während des Prozesses dabei, dass er von Vernichtungsbefehlen nichts gewusst habe. Die Ankläger legten ihm seinen Brief an den OB von Wien über vier Transporte mit je 1200 Juden aus Budapest nach Wien vor – mit Kaltenbrunners Unterschrift. Der wollte von diesem Brief nicht wissen. Auch die Unterschrift sei nicht seine, selbst wenn sie die gleiche war wie die, mit der er im Gerichtssaal schon immer die Protokolle unterschrieben hat. Das Urteil wurde am 16. Oktober 1946 vollstreckt.
9 / 13

© AFP

Wilhelm Keitel (2.v.l.) war Generalfeldmarschall und Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Er wurde in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt.
10 / 13

© AFP

Alfred Jodl (r.) wurde wegen Verschwörung gegen den Weltfrieden, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges, Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt. Er war deutscher Generaloberst, Chef des Wehrmachtsführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht und wichtiger Militärberater Hitlers. Am 16. Oktober 1946 wurde das Urteil vollstreckt.
11 / 13
Alfred Jodl

© dpa

Wilhelm Frick (2.v.l.) war bis 1943 Reichsminister des Inneren. Es wurde wegen Planung, Entfesselung und Durchführung des Angriffskrieges, Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode durch den Strang verurteilt.
12 / 13
Wilhelm Frick

© dpa

Martin Bormann war Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP  und Vertrauter Hitlers. Er wurde wegen Verbrechen gegen das Kriegsrecht und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tod durch den Strang verurteilt. Bormann war während der Nürnberger Prozesse nicht anwesend - da er bereits tot war. Jahrelang hielten sich Gerüchte, dass Bormann sich ins Ausland abgesetzt habe. Bis 1972 seine Leiche bei Bauarbeiten in Berlin entdeckt wurde. Er hatte sich am 2. Mai 1945 selbst umgebracht.
13 / 13
Martin Bormann

© dpa