Propaganda für China? Nürnberger Konfuzius-Institut wehrt sich

Manuel Kugler
Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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21.10.2020, 09:51 Uhr
Drei Konfuzius-Institute gibt es in Bayern - sie erhalten Geld vom Freistaat.

Drei Konfuzius-Institute gibt es in Bayern - sie erhalten Geld vom Freistaat. © Kohls/epd

Es mag ein Detail sein, aber eines, das zeigt, wie sehr die Konfuzius-Institute unter Druck geraten sind: Denn dass Yan Xu-Lackner, die Direktorin der Nürnberger Einrichtung, im Presseclub Stellung zu den Propagandavorwürfen nimmt, geht nicht etwa auf eine Einladung der Journalistenvereinigung zurück. Vielmehr hat sich Xu-Lackner selbst eingeladen, um das geradezurücken, was in ihren Augen eine zumindest falsche Verallgemeinerung ist.

"Wir sind ein Sprach- und Kulturinstitut - vergleichbar mit den Aufgaben des Goethe-Instituts", sagt Xu-Lackner. Ziel der angebotenen Sprachkurse und Ausstellungen sei es, ein "lebendiges, vielschichtiges China-Bild zu vermitteln."

Universitäten griffen durch

Natürlich kennt die Institutschefin, die seit gut 30 Jahren in Deutschland lebt, die Vorwürfe: So sind die Konfuzius-Institute der chinesischen Kulturorganisation Hanban unterstellt, die wiederum Teil des Propagandaministeriums ist. 2018 hatte Staatschef Xi Jinping als Ziel ausgegeben, die Institute - 19 von ihnen gibt es in Deutschland, drei in Bayern - sollten sich auf den "Aufbau einer sozialistischen Kultur" fokussieren, wie Georg Escher ausführt. Dem langjährigen Außenpolitikredakteur der Nürnberger Nachrichten kommt an diesem Abend die Aufgabe zu, das Gespräch mit Xu-Lackner nicht nur zu moderieren, sondern die Institutschefin auch mit der Kritik an den Einrichtungen zu konfrontieren.

Die Direktorin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Yan Xu-Lackner.

Die Direktorin des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, Yan Xu-Lackner. © Micha Schneider

Inzwischen haben weltweit bereits 50 Universitäten die ihnen angegliederten Konfuzius-Institute geschlossen. Der Vorwurf: Sie würden unter dem Deckmantel der Kulturförderung Propaganda betreiben. Belgien hat den Leiter der Brüsseler Einrichtung vor dem Hintergrund von Spionage-Spekulationen gar des Landes verwiesen. In Deutschland stoppte die Universität Düsseldorf im Januar die Kooperation mit dem dortigen Institut, kurz darauf folgte Hamburg.

Xu-Lackners Argumentation: Die Institute seien hinsichtlich Finanzierung oder Personalstruktur gar nicht miteinander vergleichbar. Tatsächlich scheint kaum vorstellbar, dass die binationale Konstruktion des Nürnberger Instituts Propaganda unbemerkt lassen könnte: Der von Joachim Hornegger, Präsident der Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), geführte Vorstand ist paritätisch mit Chinesen und Deutschen besetzt, das Kuratorium sogar rein deutsch - dessen Chef ist der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein. Finanziert wird das Institut von den Städten Nürnberg und Erlangen, Siemens und dem Freistaat. Bayern ist damit das einzige Bundesland, das Konfuzius-Instituten Zuschüsse gewährt - was umstritten ist. Beckstein selbst sagt, "es reden furchtbar viele Leute über dieses Institut, die es nie besucht haben."

Es sei richtig, dass Projektgelder auch aus China kämen, erklärt Xu-Lackner. "Die Lehrpläne aber bestimmen wir selber." Nur fünf ihrer 19 Mitarbeiter stammten überhaupt aus China. Und die würden oft mehr von der deutschen Kultur beeinflusst als andersherum.

"Verbotene Ts": Taiwan, Tibet, Tian'anmen

Einen Hinweis auf die Staatsnähe der Institute erblicken Kritiker in den drei "verbotenen Ts" - die nicht angesprochen werden dürften. Gemeint sind Taiwan, Tibet und das Tian'anmen-Massaker 1989, wie Moderator Georg Escher ausführt. Xu-Lackner entgegnet, im Rahmen des Filmfestivals, das das Institut mit der Bundeszentrale für politische Bildung regelmäßig durchführe, würden auch kritische Filme gezeigt, etwa über das Leben der Uiguren, einer in China verfolgten muslimische Minderheit.

Von sich selbst sagt die Direktorin, sie habe eine "kritische Distanz" zu Peking. "Das ist ein autoritäres Land - und in Fragen der Menschenrechte ein Entwicklungsland." Dass es am Konfuzius-Institut Nürnberg keine Veranstaltungen gibt, die sich explizit mit einem der drei "Ts" befassen, rechtfertigt Xu-Lackner so: "Wir sind ein Sprach- und Kulturinstitut, keine politische Plattform."

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