"Rettet die Bienen!": Darum ging es beim Volksbegehren

28.4.2019, 14:33 Uhr
Die Personen v.l.n.r.: Richard Radle, Vorsitzender der Kreisgruppe Roth des Bund Naturschutz in Bayern e. V. , .Marcel Schneider, stellvertretender Kreis- und Bezirksvorsitzender des SPD Kreisverband Roth, .Christoph Leikam, Sprecher des Kreisverbands Roth von Bündnis 90/Die Grünen, .Ruppert Zeiner, Vorsitzender der LBV Kreisgruppe Roth-Schwabach, Roland Wolkersdorfer, Vorsitzender des ÖDP-Kreisverband Roth-Schwabach
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Was ist das Volksbegehren "Rettet die Bienen!"?

Per Volksbegehren soll Bayern zum Schutz der Artenvielfalt verplichtet werden. Wenn sich von 31. Januar bis 13. Februar 2019 zehn Prozent der Wahlberechtigten in Bayern in ihrem Rathaus eintragen (laut Innenministerium sind etwa 950.000 Unterschriften nötig), muss der Landtag sich mit dem Gesetzestext (pdf) beschäftigen. Wird er dort abgelehnt, kommt es zum Volksentscheid. Das Foto zeigt Unterstützer in Hilpoltstein. © Tobias Tschapka

07.01.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Frau mit Kinderwagen unterschreibt auf dem Schlossplatz bei einer Aktion der SPD Baden-Württemberg zur Sammlung von Unterschriften für einen Antrag auf ein Volksbegehren. Die SPD-Opposition im Südwesten will per Volksbegehren eine kostenlose Kinderbetreuung bis zum Schuleintritt durchsetzen. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk
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Fast 100.000 Unterstützer

Damit ein Volksbegehren überhaupt gestartet werden kann, müssen in sechs Monaten 25.000 Unterschriften gesammelt werden. Beim Volksbegehren "Rettet die Bienen!" waren es laut den Machern (siehe nächstes Bild) fast 100.000 Signaturen. Im November 2018 gab das bayerische Innenministerium grünes Licht für das Volksbegehren, für das nun fast eine Million Bayern unterzeichnen müssen. © Marijan Murat/dpa

18.01.2019, Bayern, Regensburg: Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Grünen,stehen mit einem Plakat mit der Aufschrift «Artenschutz Volksbegehren» bei der Winterklausur der Landtagsfraktion der Grünen. Foto: Armin Weigel/dpa
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Wer steckt hinter dem Volksbegehren?

Initiiert hat das Artenschutz-Volksbegehren die ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei), mitgetragen wird es von den Grünen (im Bild deren bayerische Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze und Ludwig Hartmann) und dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). Laut den Machern gibt es 170 Bündnispartner, darunter die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bund Naturschutz Bayern und der Landesverband Bayrischer Imker. © Armin Weigel/dpa

dpatopbilder Eine Biene leckt am 14.04.2015 in Tettnang (Baden-Württemberg) Nektar aus einer Kirschblüte. Vor wenigen Tagen hat am Bodensee die Kirschblüte begonnen. Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Free Space;
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Was soll beim Artenschutz erreicht werden?

Ziel des Volksbegehrens ist es, das bayerische Naturschutzgesetz zu ändern. Der Freistaat soll sich damit gesetzlich verpflichten, "zur dauerhaften Sicherung und Entwicklung der Artenvielfalt in Flora und Fauna darauf hinzuwirken, deren Lebensräume zu erhalten und zu verbessern, um einen weiteren Verlust von Biodiversität zu verhindern." Die wichtigsten Maßnahmen... © Felix Kästle/dpa

Ein Landwirt der BioBoerdeLand Gbr erntet am 24.10.2016 Bio-Möhren auf einem Feld bei Algermissen im Landkreis Hildesheim (Niedersachsen) (Luftaufnahme mit Drohne). Durch die warme und trockene Witterung im Spätsommer hat die Möhrenernte nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen je nach Region später begonnen und für schlechtere Erträge gesorgt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
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Für Artenschutz: Deutlich mehr Bio-Landwirtschaft

... des Volksbegehrens: Der Anteil der Bio-Landwirtschaft an der Agrarfläche in Bayern soll von heute circa zehn Prozent auf mindestens 20 Prozent im Jahr 2025 und auf 30 Prozent im Jahr 2030 gesteigert werden. Der Grund: Öko-Bauern verzichten weitgehend auf giftige Chemikalien, davon sollen Bienen, Hummeln und andere Insekten profitieren. Zudem blühen auf Bio-Äckern oft mehr verschiedene Pflanzen, wodurch Insekten mehr Nahrung finden - und dadurch auch Vögel und andere Arten. © Julian Stratenschulte/dpa

ARCHIV - 31.07.2018, Baden-Württemberg, Erisdorf: Ein Landwirt bearbeitet mit seinem Traktor ein ausgetrocknetes Feld und zieht eine Staubwolke hinter sich her. (Luftaufnahme mit einer Drohne). (zu dpa: «Naturschützer hoffen auf starke Europapolitik» vom 03.01.2019) Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Schadet die Landwirtschaft der Artenvielfalt?

Für die Macher des Volksbegehrens ist die "intensive Landwirtschaft" ("v. a. die häufige und immer früher durchgeführte Mahd von Wiesen, der Einsatz von Pestiziden, Überdüngung, das Umbrechen von Wiesen in Ackerfläche" etc.) ein Hauptgrund für den Artenschwund. Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sieht darin eine Ursache, neben beispielsweise Siedlungs- und Straßenbau und dem Klimawandel. Der Bayerische Bauernverband... © Thomas Warnack/dpa

ARCHIV - ILLUSTRATION - 13.02.2013, Bayern, Nürnberg: Rote Paprika mit Bio-Siegel liegen am Stand von Demeter auf der BioFach-Messe 2013. Am 14.02.2018 beginnt die Messe BioFach 2018. Foto: David Ebener/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Bauernverband lehnt Volksbegehren ab

...lehnt das Volksbegehren ab, weil die Landwirte "mit einseitigen Vorwürfen und Forderungen" überzogen und ihre Naturschutzleistungen nicht anerkannt würden. Das Ziel, die Öko-Flächen deutlich zu steigern, lehnt Bauernverbandspräsident Walter Heidl ebenfalls ab: Die Verbraucher müssten zunächst mehr auf die Herkunft von Bio-Produkten achten, bevor mehr bayerische Bauern Öko anbieten könnten. © David-Wolfgang Ebener/dpa

Redaktion: Fürth..Foto: Heinz Wraneschitz..Motiv: Blühende Rahmen um Maisfelder:..In Veitsbronn machen heuer erstmals zwei Landwirte mit bei dem vom Bayerischen Bauernverband seit 2011 beworbenen Programm...Weil es gerade Bienen hilft, haben die bayerischen Bauern 2014 den ersten „European Bee Award“ gewonnen...Und außerdem gibt es noch EU-Fördergelder..Datum: 06.07.17
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Tun Landwirte nichts gegen den Artenschwund?

Auch konventionell wirtschaftende Bauern tun etwas für den Artenschutz. Manche legen zum Beispiel Blühstreifen um ihre Felder an, damit Insekten Nahrung finden. Bayern fördet das finanziell. Laut Umweltbundesamt ist das positiv, dennoch müssten weniger Pestizide eingesetzt werden. Nicht nur Insekten würden beeinträchtigt: "Der großflächige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft gefährdet zunehmend Vögel auf Feldern", heißt es auf der Website der Behörde. Sie fänden zu wenig Nahrung und Platz für ihre Nester. © Heinz Wraneschitz

ARCHIV - 20.05.2014, Brandenburg, Mallnow: Eine Wiesenweihe (Circus pygargus) hat eine Eidechse in einer Wiese im Oderbruch nahe Mallnow im Landkreis Märkisch-Oderland erbeutet. (Zu dpa «Mehr seltene Zugvögel in Bayern - Schutz bei Ernte nötig» vom 04.07.2018) Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Was will das Volksbegehren noch erreichen?

Das Thema Naturschutz soll in den Lehrplänen verankert werden. Auch dabei hat das Volksbegehren die Landwirte im Blick: "Insbesondere sind die Folgen des Stickstoffeintrages, die Auswirkungen von Schlaggrößen, die Bedeutung der Fruchtfolge-Entscheidungen und die Auswirkungen des Pestizideinsatzes und weiterer produktionsintegrierter Maßnahmen auf den Artenreichtum und das Bodenleben darzustellen." © Patrick Pleul/dpa

ARCHIV - 04.09.2010, Bayern, Ebrach: Eine Kröte sitzt auf einer umgestürzten und mit Moos bewachsenen Buche. (zu dpa « Steigerwald: Umweltschützer wollen Nationalpark-Idee nicht aufgeben» vom 14.06.2018). Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa
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Artenschutz im Wald

Förster sollen laut dem Text des Volksbegehrens die bereits bestehenden Gesetze beachten, "wobei im Staatswald das vorrangige Ziel zu verfolgen ist, die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu erreichen." © David-Wolfgang Ebener/dpa

Neumarkt bei Nacht Lichtverschmutzung Mariahilfberg (2015)
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Kampf gegen Lichtverschmutzung

Mit dem Volksbegehren soll auch künstliche Beleuchtung, die Insekten schaden kann, zurückgefahren werden: "Eingriffe in die Insektenfauna durch künstliche Beleuchtung im Außenbereich sind zu vermeiden. Himmelstrahler und Einrichtungen mit ähnlicher Wirkung sind unzulässig", heißt es unter anderem im Text für die Änderung des Naturschutzgesetzes. (Das Foto entstand 2015 in Neumarkt.) © Wolfgang Fellner

ARCHIV - 13.07.2010, Niedersachsen, Springe: Ein Waschbär blickt in die Kamera. (zu dpa «Jäger im Freistaat schießen immer mehr Waschbären» vom 14.01.2019) Foto: Felix Heyder/dpa +++ dpa-Bildfunk
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Biotope verbinden

Außerdem soll mit dem Volksbegehren "ein Netz räumlich oder funktional verbundener Biotope" erreicht werden, "das bis zum Jahr 2023 mindestens 10 Prozent Offenland und bis zum Jahr 2027 mindestens 13 Prozent Offenland der Landesfläche umfasst." Doch warum halten die Initiatoren all diese Maßnahmen für nötig? So steht es um den Artenschutz in Deutschland... © Felix Heyder/dpa

Hummel
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Darum ist Artenschutz wichtig

In der 2007 von der Bundesregierung beschlossenen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (pdf) heißt es: "Biologische Vielfalt ist eine existenzielle Grundlage für das menschliche Leben: Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen sind Träger des Stoffkreislaufs – sie reinigen Wasser und Luft, sorgen für fruchtbare Böden und angenehmes Klima, sie dienen der menschlichen Ernährung und Gesundheit und sind Basis und Impulsgeber für zukunftsweisende Innovationen." Beispiel Bienen, Hummeln und Co.: Den Wert der Lebensmittelproduktion, der ohne ihre Bestäubungsleistung nicht funktionieren würde, schätzen Wissenschaftler auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar pro Jahr. © Klaus Lehnberger

Ein
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Wie steht es um die Artenvielfalt in Deutschland?

Viele Pflanzen und Tiere stehen in Deutschland auf roten Listen, sind also - mehr oder weniger - vom Aussterben bedroht. Laut dem letzten Artenschutz-Report (2015) des Bundesamts für Naturschutz waren 30 Prozent der Arten in ihrem Bestand gefährdet, sechs Prozent der erfassten Arten waren bereits ausgestorben oder verschollen. Nur 37 Prozent galten als ungefährdet. © Carsten Rehder/dpa

Getreidefeld bei Wilhermsdorf:.Da sage noch einer, unsere moderne Landwirtschaft lasse keine Natur zu. .Blumen und Schmetterling in einem Getreidefeld bei Wilhermsdorf.Foto: Heinz Wraneschitz
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Es geht nicht nur um Bienen

Die Zahl der Bienen hat in Deutschland zuletzt wieder zugenommen, weil sich immer mehr Menschen für Imkerei interessieren. Schlecht steht es hingegen um viele Wildbienenarten, Hummeln und auch Schmetterlinge, die ebenfalls wichtige Bestäuber sind. Von den 3.700 Schmetterlingsarten in Deutschland sind 50 Prozent gefährdet, zwei Prozent sind bereits ausgestorben, so die Deutsche Wildtier Stiftung. © Heinz Wraneschitz

RESSORT: Lokales ..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Feldhase im Nürnberger Westen..
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Sorge um den Feldhasen

Viele Tiere, die früher häufig im ländlichen Raum zu sehen waren, sind selten geworden. Dazu gehören etwa das Rebhuhn oder die Feldmaus. Auch der Feldhase gilt laut Deutsche Wildtier Stiftung als bedroht: "Durch die Intensivierung in der Landwirtschaft verliert der Feldhase an Lebensraum und Nahrungsangebot. Neue Gewerbe- und Siedlungsgebiete, sowie das zunehmende Zerschneiden von Landschaften durch z.B. Straßenbau machen ihm das Leben zusätzlich schwer." © Horst Linke

ARCHIV - Ein Fischotter verspeist im Heimat-Tierpark Kunsterspring (bei Neuruppin) einen Fisch (Archivfoto vom 08.05.2008, Illustration zum Thema Artensterben). Nach dem massiven Rückgang der biologischen Vielfalt in den 1980er und 1990er Jahren gibt es derzeit nach Angaben der Umweltstiftung WWF eine kurze Atempause beim Artensterben. Erstmals seit Mitte der 1970er Jahre sei der Index für die biologische Vielfalt nicht weiter gesunken, heißt es in dem neuen Bericht «Living Planet Index 2008», den der WWF (World Wide Fund for Nature) am Freitag (16.05.2008) vor Beginn des UN-Naturschutzgipfels in Bonn vorstellte. Insgesamt sei die biologische Vielfalt von 1970 bis 2005 jedoch um 27 Prozent gesunken. Arten wie der Fischotter seien stark bedroht. Foto: Bernd Settnik (zu dpa 0257 vom 16.05.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
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Bei einigen Arten geht es wieder aufwärts

"Weltweite Verantwortung" übernimmt Deutschland laut dem Bundesamt für Naturschutz "für Arten, von denen ein hoher Anteil der Weltpopulation hier beheimatet ist. Dazu gehören zum Beispiel die Wildkatze, der Fischotter und die Gelbbauchunke." Immerhin: Der Bestand von Wildkatze, Fischotter (im Bild) oder Biber hat sich laut dem letzten Artenschutz-Report der Behörde etwas erholt. Die Deutsche Wildtier Stiftung führt beide aber noch in der Bedrohungsstufe 3 (von 4). So werde dem Fischotter, der früher wegen seines Pelzes gejagt wurde, heute häufig der Straßenverkehr zum Verhängnis. © Bernd Settnik/dpa