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Scheuer will Autofahrer ohne Prüfung Motorrad fahren lassen

Der neue Vorstoß des Verkehrsministers erzürnt Unfallexperten - 20.06.2019 11:37 Uhr

Die Bundesregierung plant den Zugang zum Motorrad zu erleichtern. © colourbox.de


Die Bundesregierung plant, den Zugang zum Motorradfahren für Autofahrer deutlich zu erleichtern. Demnach soll künftig jeder, der im Besitz eines Autoführerscheins ist, sogenannte Leichtkrafträder fahren dürfen. Eine zusätzliche Ausbildung und Prüfung wird dann nicht mehr verlangt, es genügen einige wenige Übungsstunden, um ein Motorrad fahren zu dürfen.

Leichtkrafträder fahren mit bis zu 15 PS und erreichen Maximalgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern. Aktuell umfasst ein Autoführerschein der Klasse B2 diese schnelleren Motorräder nicht. Will ein Autofahrer auf ein Leichtkraftrad umsteigen, so muss er aktuell einen Führerschein der Klasse A1 vorweisen. In die Klasse B fallen bisher nur "zweirädrige Kleinkrafträder": Dazu zählen Roller, Mopeds, Fahrräder mit Hilfsmotor und einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h sowie Mofas. Geht es nach der Bundesregierung, so werden Leichtkrafträder bald auch in diese Klasse fallen.

Laut Spiegel Online umfasst der Entwurf des Verkehrsministeriums folgende Punkte: Um leichte Motorräder fahren zu können, soll es bald möglich sein, dass Autofahrer ihren B-Klasse-Führerschein um eine sogenannte Schlüsselzahl 195 erweitern. Eine umfangreiche Ausbildung mit Prüfung fallen dann weg: es reicht künftig, wenn Autofahrer eine 90-minütige Theorieeinheit sowie sechs praktische Fahrstunden absolvieren. Letztere können auch auf einem Verkehrsübungsplatz stattfinden. Eine letzte Bedingung für den Umstieg auf das Motorrad ist dann: Der Fahrer muss mindestens 25 Jahre alt sein und seinen Führerschein fünf Jahre lang besitzen.


Runter vom Gas! Alles spricht für ein Autobahn-Tempolimit


Unfallexperten sind entsetzt von dem Vorschlag aus dem Verkehrsministerium. Es sei sicher, dass eine derartige Änderung in mehr Todesfälle und Verletzte im Straßenverkehr mündet. Schließlich sind die betreffenden Motorräder die zweit gefährlichsten Verkehrsmittel im Straßenverkehr - noch gefährlicher seien lediglich Motorräder einer höheren Hubraumklasse.

In einer Stellungnahme des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, die dem Spiegel vorliegt, heißt es, man sehe "keine hinreichenden Gründe, den Zugang zur zweitgefährlichsten Fahrzeugklasse auf deutschen Straßen zu lockern."

Heftige Kritik an Scheuer

Das von Andreas Scheuer geleitete Ministerium stellt sich im Falle der Motorrad-Zulassung erneut gegen die Meinung einschlägiger Experten. Das hatte es schon zuvor getan: Anfang des Jahres stand der Verkehrsminister in der Kritik, weil er ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen kategorisch ablehnte. Ein Expertengremium vertrat hingegen die Meinung, dass nur so der CO2-Ausstoß im Verkehr grundlegend gesenkt werden könne.

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Ein Tempolimit auf Autobahnen? Wir haben uns in Nürnberg umgehört

Diese Frage spaltet das Land: Soll es eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen geben oder nicht? Während sich die Verkehrskommission unter anderem für eine Begrenzung auf 130 Stundenkilometern ausspricht, seien für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) solche Forderungen "gegen jeden Menschenverstand gerichtet". Doch wie sehen das eigentlich die Bürgerinnen und Bürger? Wir haben uns in Nürnbergs Innenstadt umgehört.


 

lip

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