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Schlechte Lebensbedingungen: Millionen wollen arabische Länder verlassen

Vor allem die schlechte wirtschaftliche Lage nennen viele als Gründe - 26.01.2021 11:14 Uhr

Nur drei Prozent der Bürger schätzen die wirtschaftliche Lage etwa in Tunesien als gut ein. 

26.01.2021 © Joan Mateu, dpa


Zehn Jahre nach den arabischen Aufständen gibt es in mehreren Ländern der Region weiter eine hohe Bereitschaft zur Migration. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in sechs arabischen Staaten hervor. So gaben im Libanon und in Tunesien jeweils rund ein Drittel der Befragten an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten darüber nachgedacht, ihr Land zu verlassen. In Jordanien waren es 26 Prozent, in Marokko 19 Prozent.

Eine große Mehrheit habe dafür wirtschaftliche Gründe genannt, heißt es. Ziel für potenzielle Migranten sind demnach überwiegend Länder im Westen, vor allem Europa. In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 seien deutlich mehr bereit zur Migration als bei Älteren. Zudem sei es wahrscheinlicher, dass Männer emigrieren wollten als Frauen.


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Allerdings ist der Libanon das einzige Land, in dem die Bereitschaft im Vergleich zu einer Umfrage 2018 stieg - und zwar von 26 auf 34 Prozent. Während sie in Tunesien der Studie zufolge unverändert blieb (jetzt 31 Prozent), sank sie in Marokko, aber auch in Libyen und Algerien (beide 16 Prozent). Die Studienautoren vermuten als Grund dafür die strikten Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie.

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Der Anstieg im Libanon kommt nicht überraschend. Das Land erlebt eine der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrisen seiner Geschichte. Die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut im vergangenen August und die Corona-Pandemie haben die Lage weiter verschärft. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut. So gaben in der KAS-Studie weniger als ein Prozent an, die wirtschaftliche Lage sei gut.

Aber auch in Tunesien sehen nur drei Prozent eine gute oder sehr gute wirtschaftliche Lage ihres Landes. Zum Vergleich: In Marokko sind es immerhin 39 Prozent. In Tunesien hatten die arabischen Aufstände vor zehn Jahren begonnen. Es ist auch das einzige Land der Region, das den Übergang in die Demokratie geschafft hat. Allerdings gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Demonstrationen gegen die Regierung. Das Land leidet seit langem unter eine schweren Wirtschaftskrise.

In Tunesien fällt auch die Zustimmung zur Demokratie am geringsten aus. Nur 33 Prozent bejahten dort die Frage, ob ihr Land ein parlamentarisches System mit freiem Parteienwettbewerb haben solle. In Libyen waren es 56 Prozent, in Marokko und im Libanon jeweils 51.

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In Tunesien erkennen die Autoren Frustration über ein politisches System, das die Leben der Menschen nicht spürbar verbessert habe. 61 Prozent stimmten dort auch der Aussage zu, das Parlament solle abgeschafft und durch einen starken Anführer ersetzt werden.

Trotzdem gebe es in Tunesien neben Schatten auch Licht, sagte der Leiter des KAS-Regionalprogramms Politischer Dialog Südliches Mittelmeer, Thomas Volk. Die Menschen wüssten Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit zu schätzen. Zudem gebe es eine hohe Zustimmung zur Zivilgesellschaft. "Das zeigt, dass eine Bürgergesellschaft vorhanden ist", erklärte Volk. "Das ist ein positives Resultat."

Generell sehen aber nur relativ wenige Befragte ein repräsentatives Parlament als Teil der Lösung. Stattdessen fokussiere sich eine Mehrheit auf einen Anführer und seine Fähigkeit, notwendige Reformen zu machen. Die Bürger der Region seien frustriert, weil die Regierungen dabei versagt hätten, die zentralen Probleme zu beheben, die zum Ausbruch der Aufstände 2011 geführt hätten, so die Autoren.

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Deutschland genießt in der Region der Umfrage zufolge ein hohes Ansehen. In Marokko, Tunesien und Algerien hätten mehr als 70 Prozent ein positives Bild von Deutschland, in Libyen und im Libanon mehr als 50 Prozent. Das liege wohl an Deutschlands fehlender Kolonialgeschichte in der Region und der Aufnahme von Flüchtlingen.

Für die repräsentative Studie waren im Auftrag der KAS zwischen Oktober und Dezember vergangenen Jahres fast 11 000 Menschen in Marokko, Tunesien, Algerien, Libyen, Jordanien und im Libanon am Telefon befragt worden. Sie wird am Mittwoch offiziell vorgestellt.

dpa

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