Daten landen bei Polizei

Smudo verteidigt Luca-App: Löschen sei "schlichtweg verantwortungslos"

11.1.2022, 13:44 Uhr
 Rapper Smudo hat die von ihm mitentwickelte Luca-App gegen Kritik in Schutz genommen.

 Rapper Smudo hat die von ihm mitentwickelte Luca-App gegen Kritik in Schutz genommen. © Axel Heimken/dpa

Der Rapper Smudo hat die Luca-App zur Eindämmung der Corona-Pandemie gegen Vorwürfe von FDP-Netzpolitiker Maximilian Funke-Kaiser und Grünen-IT-Experten Alexander Salomon verteidigt. Für deren Aufruf, die App zu deinstallieren, habe er kein Verständnis, sagte der Künstler am Dienstag der Bild. "Ich halte es für verantwortungslos, dass ein Aufruf von ein bis zwei mir bisher nicht bekannter Politiker dazu führen könnte, dass mitten in der pandemischen Lage Menschen die Luca-App löschen."

Smudo, Texter und Rapper der Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier", hat die App mitentwickelt. „Als Band haben wir ein Interesse daran, das kulturelle Leben im Rahmen der Pandemie zu ermöglichen. Und das soll so bleiben.“ Der 53-Jährige ist an der Betreibergesellschaft der Luca-App wirtschaftlich beteiligt.

Daten aus der App sollten bei Suche nach Zeugen helfen

Die Luca-App soll Restaurantbesitzern und Event-Veranstaltern helfen, die gesetzlich vorgeschriebene Erfassung der Kontakte der Besucher ohne Zettelwirtschaft zu erledigen. Die Anwendung steht seit Monaten in der öffentlichen Kritik. Zuletzt entzündete sie sich an einem Vorfall in Mainz. Dort hatte die Polizei gemeinsam mit dem Gesundheitsamt bei der Suche nach Zeugen eines tödlichen Sturzes in einer Gaststätte auf Daten aus der Luca-App zurückgegriffen. Danach hatten einzelne Politiker öffentlich dazu aufgerufen, die Luca-App von den mobilen Telefonen zu löschen, und die Bundesländer aufgefordert, auslaufende Verträge mit dem Anbieter nicht zu verlängern.

Das Vorgehen der Behörden in Mainz war von den Luca-Machern selbst kritisiert worden. Nach dem Infektionsschutzgesetz dürften aus dem System keine Daten zum Zwecke der Zeugensuche oder Strafverfolgung abgerufen werden, erklärte die Betreibergesellschaft Culture4life. "Das Handeln von Polizei sowie von Gesundheitsamt war nicht durch das Infektionsschutzgesetz gedeckt, was die Behörden auch eingeräumt haben."

Luca hat keinen Zugriff auf Daten

Smudo sagte nun der Bild, die Luca-App helfe gegenwärtig jeden Tag effektiv, Infektionsketten zu unterbrechen. "Falls sich ein Bundesland dagegen entscheidet, rechtfertigt das nicht einen deutschlandweiten Aufruf. Das ist schlichtweg verantwortungslos. Wer im Steilhang hängt, wirft doch kein Seil weg. Statt mit Verboten zu poltern, sollten wir alle Instrumente konsequent einsetzen, die uns zur Verfügung stehen, um flexibel zu sein, gegen einen immer wieder Haken schlagenden Virus.“

Er stellt außerdem klar: „Zugriff auf Daten erhält man nur, wenn Nutzer, Gesundheitsamt und das Lokal gemeinsam ihre Schlüssel teilen. Der Nutzer macht dies nach der Corona-Verordnung beim Betreten des Lokals, der Betreiber nur auf Anfrage eines Gesundheitsamtes. Wir als Luca-System sind außen vor und können in dem Prozess keine Daten lesen.“

Neue Innovationen statt Verkauf

Spekulationen über Pläne zum Verkauf der Luca-App dementierte Smudo in dem Interview energisch. "Derlei Gerüchte lasse ich für gewöhnlich unkommentiert. Aber hier möchte ich sagen: Wir wollen Luca persönlich an die Herausforderungen der Pandemie anpassen. Wir haben allein in den letzten Wochen mit "2G-plus" und Luca Connect zwei Updates gemacht, die Gesundheitsämter und Betreiber ein ganzes Stück weiterbringen. Diesen Innovationsweg wollen wir weitergehen."