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"Söder sollte sich nicht verweigern": Der CSU-Mann und die Kanzler-Frage

Die CSU freundet sich mehr mit dem Kanzler-Gedanken an - 16.07.2020 05:57 Uhr

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wird der CSU-Mann der Nachfolger von Merkel?

© Peter Kneffel, dpa


"Er ist ein exzellenter Ministerpräsident und würde sicher auch ein exzellenter Bundeskanzler sein", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion Karl Freller. Nach dringendem Abraten hört sich auch nicht an, was die Vorsitzende der CSU-Frauenunion Ulrike Scharf zu diesem Thema zu sagen hat: Söder "hat absolut die Fähigkeiten und Voraussetzungen, Deutschland in eine gute Zukunft zu führen". Ex-Justizminister Winfried Bausback (CSU) geht noch einen Schritt weiter: Wenn dem CSU-Chef die Kanzlerkandidatur angetragen werde, "sollte er sich dieser Aufgabe nicht verweigern". Söder sei in der Lage, die schwierigen Jahr, die Deutschland und Europa bevor stünden, "mit Engagement und Weitblick zu meistern".

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Markus Söder, gebürtiger Nürnberger, ist Ministerpräsident von Bayern. Er inszeniert sich auch mal gerne selbst. Die politische Bühne betritt er schon früh, seit 1983 ist er CSU-Mitglied. Seitdem hat die Welt viele unterschiedliche Gesichter von ihm zu sehen bekommen - und jede Menge schillernde Auftritte.


Aber es gibt nach wie vor warnende Stimmen. Zu denen gehört der frühere Staatskanzleiminister Eberhard Sinner. Söders Umfragen sind zwar gut, aber das kann sich ändern, gibt er zu bedenken. Seine eigene Glaubwürdigkeit, geronnen in dem wiederholten Bekenntnis "Mein Platz ist in Bayern", stehe auf dem Spiel, meint Sinner und: "Nach dem nicht berauschenden Ergebnis der letzten Landtagswahl hat er in Bayern eigentlich noch etwas gut zu machen".


Kommentar: Söders Pokern bei der Kanzler-Kandidatur ist Taktik


In die Annalen der Parteigeschichte könne man nicht nur eingehen, wenn man erster CSU-Kanzler der Bundesrepublik wird, sondern auch, wenn man für die CSU die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zurückerobere, gibt ein aktiver CSU-Politiker zu bedenken. Ein anderer, der die Stimmungslage in der Landtagsfraktion sehr gut kennt, geht davon aus, dass derzeit die Mehrheit der Landespolitiker für ein Verbleiben Söders in Bayern plädiert. Für die Landtagswahl 2023 wäre das eine "optimale Konstellation".

Sinner: "Das Amt kommt zum Mann, nicht der Mann zum Amt"

Einig ist man sich in der CSU, dass Vordrängeln auf jeden Fall der falsche Weg wäre. "Das Amt kommt zum Mann, nicht der Mann zum Amt", betont Sinner. Ob Kanzlerkandidat oder nicht entscheidet sich zuerst auf dem Parteitag der CDU, sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger und: "Sollte die CDU das an CSU Parteivorsitzenden herantragen ist man in der Pflicht". Die Gegenmeinung wird auch vertreten: Besser wäre die Rückeroberung der absoluten Landtagsmehrheit 2023 "und in Berlin Beute machen", empfiehlt ein anderer Mandatsträger. "Momentaner Jubel hat eine Bestandsgarantie gleich Null", bremst der Vorsitzende der CSU-Seniorenunion und Ex-Minister Thomas Goppel die Kanzler-Begeisterung und lobt Söder für seine Standhaftigkeit gegenüber Kandidaten-Spekulationen.


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Der CDU-Parteitag könnte Ergebnisse zeitigen, die bei der kleineren Schwesterpartei gar nicht gut ankommen. Das wäre vor allem der Fall, würde man den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zum Vorsitzenden und damit zum geborenen Kanzlerkandidaten küren, den viele in der CSU schlichtweg für den Falschen halten. Einen Bundestagswahlkampf der CSU für einen gemeinsamen Kandidaten Laschet können sich einige, die vor allem in der Landtagsfraktion sitzen, nur schwer vorstellen. Das könnte noch zum Problem werden. Dass CDU-Haudegen Friedrich Merz vielen in der CSU besser passt, ist nichts Neues, wird aber von den Jüngeren als deplazierte "Nostalgie" bewertet. Sympathie in der CSU genießt aber auch einer, der gar nicht kandidiert, nämlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

"Söder hätte uneingeschränkt Unterstützung"

So ganz einfach wird die Einigung von CDU und CSU nach einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten nach dem CDU-Parteitag daher wohl nicht. "Nach meiner Einschätzung", sagt ihr in der Partei immer noch gut vernetzter Ex-Vorsitzender Huber, "hätte Markus Söder innerhalb der CSU uneingeschränkt Unterstützung bei einer Kanzlerkandidatur, weil er es sicher viel besser könnte als Olaf Scholz oder Robert Habeck". Auf diese Formel kann sich die CSU sicher einigen.


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Dass man sich mit dem Gedanken an einen Bundeskanzler Markus Söder durchaus vertraut macht, zeigen allmählich anlaufende Überlegungen über eine Nachfolge des CSU-Chefs als Ministerpräsident in der Landtagsfraktion. Wenn man nach starken Figuren im Söder-Kabinett fragt, werden unter den Männern Finanzminister Albert Füracker und Innenminister Joachim Herrmann, bei den Damen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Bauministerin Kerstin Schreyer genannt. Auch die im Wettlauf gegen Söder erst einmal gescheiterte derzeitige Landtagspräsidentin Ilse Aigner findet Erwähnung.

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