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Spenden für Notre-Dame: Wäre das Geld nicht sinnvoller angelegt?

Der Brand lässt eine Nation zusammenstehen - 17.04.2019 16:32 Uhr

Menschen haben unweit der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame in Paris Blumen niedergelegt, um ihre Anteilnahme auszudrücken. © Thomas Samson / afp


Frankreich befindet sich seit dem Brand von Notre-Dame in einer Art "nationalem Trauma". Unvermittelt ist der Stadt und ihren Bewohnern ein vertrautes Wahrzeichen genommen worden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Menschen, wenn die Not am größten ist, politische und gesellschaftliche Kluften binnen Minuten beiseite fegen können und enger zusammenstehen, als man das vorher vermutet hätte.


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So lässt sich vielleicht die schier unglaubliche Spendenbereitschaft erklären, welche Paris gerade erlebt. Fast eine Milliarde Euro waren binnen 48 Stunden nach dem verheerenden Feuer zusammengekommen. Das ist ohne Beispiel. So wird der Niedergang dieses einzigartigen Gotteshauses gleichzeitig zu seiner Wiedergeburt, getragen durch die Menschen, die bereitwillig ihr Portemonnaie öffnen.

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Nach dem Brand in Notre-Dame ist die Anteilnahme weltweit groß. Auch die Spendenbereitschaft ist beispiellos: Mit 600 Millionen Euro möchten vier wohlhabende Milliardärsfamilien aus Frankreich für den Wiederaufbau der Kathedrale aufkommen. Eine Menge Geld, die auch anders angelegt viel Gutes tun könnte. Wir haben ein paar Beispiele gesammelt.


Das nötigt dem Betrachter Respekt ab. Und dennoch regt sich im Innern die Frage: Wieso steht eine Nation auf, um ein Gotteshaus instandzusetzen, während zehntausende Menschen in Mosambik auch mehr als einen Monat nach schweren und tödlichen Unwettern weiter auf Hilfe warten? Oder während sich im Jemen die wahrscheinlich aktuell größte humanitäre Katastrophe des Planeten ereignet und jeden Tag hunderte Kinder verhungern? Wäre derart viel Geld dort nicht weitaus sinnvoller angelegt? Vielleicht sogar besser?

Eine ketzerische Frage

Es ist eine etwas ketzerische Frage, gewiss. Und dennoch erscheint es angebracht, das Inferno von Paris zum Anlass nehmen, in sich zu gehen und auch einmal jenen finanziell beizuspringen, die nicht derart spektakuläre Bilder liefern wie eine brennende Kathedrale.

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Paris steht unter Schock. Aus dem Hauptschiff von Notre-Dame schlugen am Montagabend Flammen und meterhohe Rauchwolken. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert brannte aus und stürzte ein. Frankreich leidet. Doch was macht die Kathedrale eigentlich so besonders? Wir haben zehn Fakten zusammengefasst.


Gleichzeitig muss der französische Staat, der Eigner des Gotteshauses, Farbe bekennen. So entsprach der Zustand des Gebäudes kaum den Erwartungen, die man an eine Kathedrale mit 14 Millionen Besuchern pro Jahr richten kann. In französischen Medien wird über Bau- und Sicherheitsmängel spekuliert. Vor zwei Jahren hatten Denkmalschützer erklärt, allein die dringlichsten Reparaturen an der symbolträchtigen Kirche würden mit rund 100 Millionen Euro zu Buche schlagen.

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Hätte der französische Staat genügend Geld in den regelmäßigen Unterhalt gesteckt - was nachweislich nicht geschehen ist -, wären dann die Sanierungsarbeiten nötig gewesen, die jetzt vermutlich letztlich zu der Brandkatastrophe geführt haben? Diese Frage stellen sich mittlerweile viele. Die Regierung Macron wird darauf eine Antwort finden müssen

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